Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 11 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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32» Vom Christentum. und Gesundung, ‘‘ine krampfhafte Sehnsucht nach dem Messias /u erzeugen. T'and sich nun ein Mann, der, ausgestattet mit allen Kigenschaften eines Volksführers. getrauen von der messkmTschen Stimmung der üriu die Gunst des Augenblicks /u nützen wüsste und es verstand, das erlösende Wort zu sprec hen und die erlösende Tal. wenn auch nicht zu vollbringen, aber doch phantastisch und bildkrilftig an die* Wand zu malen, so musste* er ein leichtes Spiel haben, wenigstens einen kleinen Kreis von Schwärmern und (!laubigen um sich zu sammeln und sich selbst als den providentiellen Messias, als den von Gott selbst gesandten Krlöser und Befreier eines nach Krlösung und Befreiung schmachtenden Volkes zu proklamieren. Kin solcher Mann fand sich in der Tat in einem kleinen Städtchen in Niedergaliläa. südlich von Sepphoris — : es war Jeschua aus Nazar<'t, der Stifter des Christentums. 11. ׳ . f_ Wir Juden dürfen uns nicht berufen fühlen, die rätselhaften Vorgänge jener Zeit im einzelnen darzustellen oder gar darüber ein kritisches l’rtcil ab/ugehen. Wir dürfen niemals vergessen, dass diese* Vorgänge unseren christlichen Mitbürgern *•in unantastbares Heiligtum bedeuten.;Schon aus (!runden des Taktes müssen wir darum hier du• grösste Vorsicht wallen lassen. Die gleich•• Toleranz, die wir von unsern christlichen Mitbürgern für unsern (!tauben verlangen, müssen wir auch dem ihrigen ••ntgegenbringen. Naturlieh braucht uns dieser Takt nicht zu hindern, der Wahl heit, wie wir sie verstehen, du* Klire zu geben und ohne weiteres zu behaupten, dass im Sinne unseres (!laubens die weitgeschichtliche Mission des Christentums darin besteht, *ln• Weltkullur mit jüdischem Geiste, mit jüdischen Gedanken zu durchdringen. Cm diese Behauptung 7u rechtfertigen, dazu genügt «•» vollkommen, wenn wir uns au^ der Geschicht•■ der Knlsiehung des Christentums nur die wichtigsten, grundlegenden Tatsachen vergegenwärtigen.