Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 11 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Christentum. 7מ Juden: die Pharisäer, Sadduzäer und Essäer. Die. Pharisäer: das waren die Anhänger des alten Judentums, die ihre Lebensweise genau naeh (lesetz und Überlieferung einrichtrten. Es war der weitaus grössere Teil der Nation, der unentwegt an an der überlieferten Religion festhiell. Die Sadduzäer, die blos einen kleinen, aber durch Reichtum und soziale Stellung sehr einflussreichen Bruchteil der Nation bildeten, emanzipierten sich von einem Teil des jüdischen Religionsgesetzes und zwar hauptsächlich von denjenigen Elementen der Thora, dH׳ ihrem Streben nach politischem Einfluss und unbeschränktem Lebensgenuss hinderlich waren. Die Essäer waren eine Zweigabteilung der pharisäischen Partei. Sie bildeten innerhalb der pharisäischen Partei einen religiösen Orden mit besonders strengen Regeln, unter welchen besonders hervorgehoben seien: Oütergemeinschalt, Ehelosigkeit, (ileichheit und primitive Einfachheit in Kleidung, Nahrung und allen Lebensbedürfnissen. So waren sie blos mit einem langen weissen Rock bekleidet, der an den Hüften durch einen («urt zusammengehalten war. Die Zwistigkeiten zwischen Pharisäern und Sadduzäern — auf die wir in diesem Zusammenhang nicht näher fingehen können — waren nicht blos ein Verhängnis für den innercn religiösen Erieden, sie haben auch die politische Moral im höchsten (Jrade ungünstig beeinflusst. Es kam so weit, dass die römischen Landplleger. nicht genug damit, dass sie sieh das Recht anmasslen, den jüdischen Hohepriester ein- und abzuselzen, gewohnheitsmässig die Hol1epricsterwürde_( an den Meistbietenden verkaültcn und. was noch viel schlimmer, dass sich unter den Sadduzäern auch Leute fanden, die sich auf dieses noble Kaufgeschäft eingelassen haben. Auch zur Zeit des Pontius Pilatus war ’s ein Sadduzäer, namens Joseph Ka׳phas, der das Amt des llohepriesters bekleidete. Diese trauiigen religiösen Verhältnisse trugen neben den pulitischenZuständen wesentlich dazu bei, um in weiten Kreisen der jüdischen Nation einen brennendenWunsch nach Besserung