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Jüdische Monatshefte · 1917-01-01 · 9 (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
4 (1917)
Issue
9 (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Das BachweidenbUttchen. 203 Sie würden vor allem dem Schicksal ruhig in die Augen sehen, statt sich in massloser Ueberschätzung ihrer Macht als die Herren und Gestalter ihres Schicksals zu_fühlen. Ist tler Mensch Herr über sein Geschick? Er war es nie und wird es niemals sein. Mit bestimmten Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen, die er wohl ausbilden und regeln, doch niemals umstossen oder neu erzeugen kann, kommt er auf die Welt. Mit dem, was er in sich und um sich vorfindet, muss er sich durchs Leben schlagen. Wohl gelingt es ihm zuweilen, aus kleinem Grosses zu schaffen. Aber dieses Gelingen selbst ist kein Erwerb, sondern Geschenk. Es hätte ihm auch nicht zu gelingen brauchen, seine Versuche und Anstrengungen hätten auch fehlschlagen können, wenn er kein ״Glück“ gehabt hätte. Der grösste Atheist scheut sich nicht von ״Glück“ zu reden, obwohl dieser Hegriff nicht eine Spur durchsichtiger ist, als der Begriff ״Gott“, den er ablehnt. Da ist nichts zu ändern: mit ״Schicksal“ und ״Glück* müssen wir uns ablindcn, weil, das von Gott gewollte Naturlatsachen sind. Ist uns aber nichts in die Hand gegeben, um das.Leben aus den ihm von Gott geschmiedeten Kesseln — wenn auch nicht zu befreien, das kann und wird uns nie gelingen — aber doch trotz dieser Einkerkerung in ewige Notwendigkeiten zu einem schönen, wirklich lebenswerten Leben erstehen zu lassen? ״Zwei der vier Lulowpflanzen tragen Früchte, zwei sind unfruchtbar, die fruchtragenden sollen sich mit den unfruchtbaren, die unfruchtbaren mit den fruchtbaren verbinden, und die Pflicht wird nur erfüllt, wenn sie all% in einem Hunde sind : so kann auch Israel das göttliche Wohlgefallen nur in einem Hund vereinigt erstreben. Heisst es doch also: im Himmel haut Er seine Stufen, aber auf Erden hat Er seinen Hund gegründet“ (Menachoth 27a). Hier ist es ausgesprochen, was Menschen tun müssen, um die Erde zu einer erträglichen Wohnstätte für glückshungrige Menschen zu machen. Sie müssen vorhindem, dass die natürliche 1 ’ngleiehheit zwischen Reich und

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