Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 8 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Soziale Ethik. 947 getahr nicht zu befürchten, dann kann unter Umstünden der Bau einer Synagoge und ganz gewiss der eines Lehrhauses und die Ur/terstiitzung von thoralernendeu Jünglingen wichtiger sein al8 Armenpflege. Denn was würde aus der sozialen Ethik des Juden- 1111118, wenn man den religiösen Geist, den Synagoge und Schule ־ pflegen, verkümmern Messe? Die soziale Ethik des Judentums ist nur eine unter den Früchten am LebenBbaum der Thora. Wird der Baum nicht gepflegt, dann gehen auch die Früchte zugrunde. Die grossen sozialeu Pflichten, die uns nach den! Kriege hevorstehen, dürfen den Sinn für die jüdischen Kulturaufgaben nicht schmälern. Das ist die wichtige Mahnung, die sich aus diesem Paragraphen für die Gegenwart ergibt. Schon vor dem Kriege war man in weiten Kreisen geneigt, die Gründung und Erhaltung von Bet- und Lehrhäuseru im Vergleich zur Armenpflege als Luxus zu betrachten. Diese Kreise sollten sich durch das jüdische Reli• gionsgesetz belehren lassen, das ein כיח הכנסת und ein בית המדרש mindestens so wie das tägliche Brot zum Existenzminimum des jüdischen Menschen zählen. § 10. Als Luxus, sogar als sträflicher Luxus, wird vielfach in modernen Kreisen auch die Verheiratung armer Mädchen betrachtet, selbst dann, wenn cs arme Waisenmädchen sind. Diesen Modernisten, die sich auch in orthodoxen Kreisen Anden, sollte man heibringen, dass die Angst vor depi Anwachsen des Proletariats dem Gottesgesetze ebenso fremd ist, wie das Zweikindersystem, das auf einer ähnlichen Angst beruht. Die Verheiratung armer Mädeben ist eiue מציה. die an Heiligkeit alle andern Sorten Armenpflege, ja (nach קנ״ג ‘TC כיהרי״ק» selbst den Bau einer Synagoge übertrifft. Ist's nicht eine zum Weinen schmerzliche Ironie, dass unsere heutige Generation, auf die Tag lür Tag ein Kegen von ei'crncn Kreuzen und Tapfcrkeitsmedaillen niedergeht, sich vor den kleinen Kindern fürchtet? Etwas mehr ״Zivilcourage“, meine Herren! Nicht blos Todesmnt, auch Lebensmut gehört zuiu wahren Heldcutum. §11■ I Die grosse Steuerbelastung, die uns der Krieg beschert, weckt missmutige Empfindungen, die vornehmlich in der Überzeugung