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Jüdische Monatshefte · 1917-01-01 · 7 (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
4 (1917)
Issue
7 (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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210 Von unserer Jugend. einem Mangel an Kenntnis dieser Literatur, denn unter den Glan• bensgenossen. die sich da im gesellschaftlichen Kreise zn versammein pflegten, war Mancher, der in dieser Literatur wohl bewandert war, .nur scheute er sich, in einem Salon über Dinge zu reden, die ihm zu hoch, zu schwer, zu ernst erschienen im Vergleich zu den auf niedrigstem Niveau sich bewegenden geistigen Interessen des Alltags seiner jüdischen Umgebung. Die Forderung, dass wir ganze Juden sein sollen, war eben eine Forderung geblieben, der die Wenigsten auch nur halbwegs entsprächen. Die Meisteu fluchteteu sich mit ihrem Judentum in die stillen WfifkeT des Lebens, ihr Hauptinteresse wnrde durch die allgemeinen geistigen Kinwirkungen ihrer l’mwelt völlig absorbiert. Hierzu kamen dann die Tausend Schwierigkeiten und Disharmoniert, die sich als Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse einstellten. Der Kampf ums Brot, die schweren Hindernisse, die sich der frühen Gründung eines selbständigen Hausstandes entgegeustellten, das spätere Heiraten mit seinen im höchsten Grade nachteiligen Folgen für den sittlichen Zustand unserer Jugend —: das alles sollten wir uns noch einmal genau vergegenwärtigen, um zu wissen, wie unsere Jugend vor dem Kriege war, und daran zu ermessen, welch gründlicher Umgestaltung aller Verhältnisse es bedarf, sollen die äusseren Lebensitedingungen nicht auch nach dem Kriege zu einem so verhängnisvollen Fallstrick liir unsere Jugend werden, wie sie es vor dem Kriege waren. Wenn im Sinne des jüdischen Kcligionsgeset7.es das 18. Lebensjahr der natürliche Zeitpunkt (iir die Gründung eines eigenen Hansstandes ist, so hat es doch in den Kreisen unserer orthodoxen Jugend sehr wenige gegeben, die dieser altjinliseben Anschauung den nötigen verständnisvollen F.rnst entgegenbraehten. Schon zu 18 Jahren heiraten? Unsere jungen Herren lachten darüber. Statt die Unmöglichkeit rechtzeitiger Kheschliessung als eine schwere Kalamität, als einen dem modernen Wirtschaftsleben dargebrachten traurigen Tribut zu beklagen, fühlten sieh unsere jungen Herren in ihrer Junggesellenfrcihcit recht wohl, ja. sie empfanden, wenn sie über Jahr־ ünd־Tag zum Heiraten sich entschlossen, diesen ernsten Schritt als einen mit weltschmerziicher Wehmut beseiilzten

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