Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1917-01-01 · 2 (1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
4 (1917)
Issue
2 (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4900572-5964860-5964935--1331-4901858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

N'aa«-D*trrn. 67 Mit der wunderbaren Genialität eines begnadeten Dichters bat Heine es verstanden, uns die ganze Atm<1s|d1äre vor das Gemüt zu 7ant>ern, in der Kaseiisterns Glaubens- und Zeitgenossen geatmet lialien. Yiellcielit das Wertvollste an seinen Zeitschildcrungen im Kaldii von Kurharach ist die unvergleichliche Kunst, mit welelier uns die Selten und die rrenidheit vor Alicen gelahrt wird, die daa Verhalten der .luden 711 ihrer ttivhtjüdwehon Fmgcbnng dainalR kenu7eiehnete. Wie da der Kaldii mit seiner Frau Sara die Herrlielikeiten der Frankfurter Messe besieht, wie sie all diese fremdartigen Kindriieke auf sie|1 wirken lassen, wie sie bei allem neugierigen Interesse sieb doeb recht unbebaglich!üblen, das alles ist so echt ge8ehen und e111|dünden, wie nur ein Dichter es vermochte, in dessen Adern wohl auch noch daun und wann «las Blut 80 ängstlich gepocht haben mag — als Nacbseliwingung überwundener Aiigstcmptindiingcii der Ahnen — wie in dem Herzen der schönen Sara, als sie beim Anblick der Frankfurter Messherrlichkcitcii überlegte, .was sie nach Kacbaraeli mithriugen wolle, welclieui von ihren beiden Häschen, dem kleinen Blümchen oder dem kleinen Vögelchen, der hlauseidene Gürtel am besten gefallen würde, ob auch die grünen lldachcu dem klinen Gotts! balk (lassen möge!! — doch plüt/.lich sagte sie /n sieb selber: Ach Gott! Die sind ja unterdessen grossgewaehsen und gestern iimgebraehl worden! Sie schrak licttig zusammen, und die Bilder der Nacht wollten schon mit all ihrem F.ntsetzen wieder in ihr aufs'eigon*‘. — — Diese Scheu, diese Fremdheit,׳ diese Angst, wäre ■es zu verwundern, wenn es einer ebenso langen Zeit bedürfte, um sie zu tilgen, wie es einst liedurttc, nm sie 711 erzeugen? Stellen wir uns das Kintreteu der deutschen .luden in die bürgerliche Gleichheit nicht ho einfach und selbstverständlich vor. Im Kausch der FmanzipiUion wurde man sieb der Schwierigkeiten des. I’bergaugs nur sehr unklar bewusst. Die politische Gleichheit war vor der gesellschaftlichen da. Wäre sie als Krönung der gesellschaftlichen Kman/.iput.ion gekommen, dann brauchten wir heute nicht die maunigfuchcu I berrestc au feindseligen Stimmungen und Strebungen aus der Zeit vor der Kinanzipation so beweglich zu beklagen. Aber so wurde tlie Gleichberechtigung der .luden durch einen Maats.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.