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Jüdische Monatshefte · 1917-01-01 · 2 (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
4 (1917)
Issue
2 (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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1 f* Nasenatern. X gehen, Hierbei hat dieser Herr sicherlich an Nasenstern gedacht, an dieses npische Vorbild jener furchtsamen, zu Tod verängstigten MeiisHienweseu. die Jahrhunderte hindurch die Judeuga88e füllten. Wer will es .dem Nasenstern verarmen, wenn er beim besten Willen nicht so mutig sein kann, wie der Trommelschläger Hans! In so nebelhatte Ferne ist uns deutschen .luden des 20. Jahrhunderts die seelische Verfassung der (ihettobewnhner — zu denen ja noch unsere (»rossväter vielfach zählten — gerückt, dass wir uns heute gar nicht mehr recht in die Stimmungen der Judengasse hincinversetzcn können, dass uns Figuren wie Nasenstern schon halb verschollen Vorkommen. Und doch brauchen wir uns nur selbst mit unserer Fhantasie hundert Jahre zurückzuschrauben, und dieser Nasenstern wird uns nicht Idos zum Lachen, sondern auch zum Weinen bringen. F.r war ein Kind seiner Zeit, er war das, wozu ihn das tihetto gemacht hat. F.r wusste es ja selbst, er hat sich ja seihst am besteu gekannt. Nicht lächerlich, nein, grauenhalt ist'־., was er vom kleinen Strauss und vom krummen Leser erzählt. Wenn damals ein Frankfurter Jude zur Förderung seines militärischen Sinns, wie ein Christ gekleidet, um nicht erkannt zu werden, auf dem Kölner dem Stechen zusehauen wollte, dann w urde ihm von seinen christlichen .Mitmenschen der ״violette Kock so lange gckloptt, bis er aldärhtc und auch sein Kücken violett geworden ist und nicht mehr menschenähnlich sieht“. Denn was gingen den Juden die Kitterspiele auf dem Kötner an? F.r ist sicherlich ein lächerlicher Mensch, dieser Nasenstern, mit seiner krankhalten Furchtsamkeit, und w ie Jäkel der Narr sich über ihn lustig machte, so gab es auch damals schon beherzte Naturen in der geknechteten Judeiisehnlt in Fülle, die nicht gleich hei der geringsten tiefahr ängstlich ziisammenlnhren. Auch die jüdische (יhettogeschichte erzählt von jüdischen Heldentaten, die beweisen, dass die Tapferkeit aus Judas llchlenzeit auch in den Judeiurassen noch anzutrctVcii war. Immerhin gab es auch Figuren wie Nasenstern, die, je mehr sie uns heute ׳/um Lachen reizen, als eine umso schaurigere Anklage des tausendfältigen l'iircelites wirken sollten, unter weh lern unsere Vorfahren, wahrlich nicht durch eigene >chuld, (icneralioneu hindurch zu ■leiden hatten.

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