Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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89 .11 Erdteilen die politische Hegemonie übergehen muss. vielleicht mich einen grösseren Aufschwung des politischen Interesses und in Zusammenhang damit des Vereinslehens gewahren, denn was l’olitik bedeutet, das )iahen Hunderttausende, die vordem nur «*in «! hmales ludividuallehen gelebt hat״•״, erst während des Krieges und durch den Krieg erfahren. Diese Entwicklung dürfte aber dann auch insofern auf unser \ erhalten zu den jüdischen Erzieh inigstrageii einwirken, als noch energischer, als dieses bisher schon geschah, unsere .lugend sich hcrandrängen wird, um «las Schicksal des Judentums mithcstiiuuien zu helfen. Aus der jüdischen Er- /.iehiing wird die |1atriarchalis< he Stimmung, die ihr \ ordern das (iepräge gab, umso rascher verschwinden, je mehr sich unsere .lugend als politisches Lebewesen emptinden wird, berufen, an vorderster Stelle zu stehen, wann immer Thron und — Altar des Schutzes und der Mehrung ihrer Macht bedürfen. Noch mehr wird dann aber auch der Rabbiner Politiker sein wollen und vielleicht auch müssen, als er es bisher schon war. Diese Zersplitterung des Kabbinerbecufs durch Vereiustätigkeit ist aber ungefähr das Hedenkliebste 1111(1 (ietiihrlichste, was dem Rabbiner und mittelbar den von ihm vertretenen Interessen erwachsen kann Wieviel Rabbiner giebt cr־ denn Rch01r־־jrtzt. die den grössten Teil ihrer־־Kfatf1־־teT Hauptaufgabe dvs Rabbiners ״zu lernen und zu lehren'‘ widmen können und wollenV Vielleicht die Meisten in Deutschland beschäl’ tigen sich während des grössten Teiles ihrer Zeit mit Dingen, die im besten Fall!‘ an der Peripherie, keinesfalls aber וווו Zentrum ihrer Aufgabe liegen. Darunter muss ihre theoretisch(“ 'Vervollkommuung leiden. Der heutige Rabbiner hihlt sich mehr als ein Mann der religiösen Praxis als der religiösen Theorie. Rabbiner, die jede Stunde beklagen, die sie dem .Lernen” entziehen müssen, gelten als Einsiedler, um nicht zu sagen Faulenzer, dagegen solche, die eine ausgedehnte Vereinstätigkeit entfalten, als Männer der Tut. Wie viel Hohles, Konventionelles, wie viel Zeitverschwendung und Kraftvergeudung wird aber durch Vereinstätigkeit in den (»Ionen schein .der lebendigen, trnchtbaren Tat gehoben! Das purlamcn-!arische (ietriebe in den Vereinen, dieses ewige Reden und (»egenreden, dieses Protokollieren und Abstimmen und zum Schluss eine glücklich durchgedri'n kte Resolution, die 111 gar vielen 1׳ allen blos den Schein einer Tat vortäuscht und von der Tat selb«!