Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 3 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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90 ״ft nicht weniger weit entfernt ist. als glattes Nichtstun , dieses ewige Bereden vnnltingen. iilier die nur Vereinzelte eine aehtungswerte Meinung zu sagen vermöchten und die Ynrherrseliaft der Phrase. die es einem geläufigen Mundwerlv‘\*r1u״glieht. sich sellist auf Kosten der Wahrheit durchzusetzen : das I'herwiegen des Ta. lentes der Sehlagfertigkeit v״r der schwerfälligen .!her ernsten und gründlichen Saehlirhkeit — kurz: die innere Verlogenheit, an der so manches Vereinslehen krankt. s«dlte doch, meinen wir, manchen Kahhiner davor liewahren. sieh um des ülTentlicheu Beitalls willen die Hauptaufgaben seines Bernte* durch liilrksichtcn der K״n\enti״n beeinträchtigen zu lassen. Kr hat anderes und bessere* zu tun. Kine zcrsplilterle Tätigkeit und. was damit Hand in Hand geht,!•ine zerrissene Seele, geteilte Interessen, die vielseitig *eheinen, in Wirklichkeit aber nur die Unfähigkeit verraten, sich ganz und restlos einer grossen Sache hinzugehen : auch darin lag ein wesentliches Stimmungsmerkmal der verflossenen Friedenszeit. Fs gab damals auch in den Kreisen der von äusserem und innerem (iliick Begünstigten nur sehr Wenige, die mit sich und ihrer Lehensleistung zufrieden waren Ks ist ein unleugbarer Kriegsgewinn, dass wir lieu’e für irdische Möglichkeiten, für den Anteil der—Kni/.elueu atu grossen Werke der Uesamihcit!■men schärferen Mliek haben Wenn auch vielleicht nicht immer besser in unserer Lebensführung, so sind wii doch zweifellos reiler und *achlirher in unserem Urteil über irdische lbnge geworden. Kin kritischer Zug, ein Hang zum Nachdenken ist zurZeit auch in solchen Seelen erwacht, die vordem da* Lehen als Schaugepränge, als l'arade und Maskerade empfanden. Als dergleichen erscheint uns das Lehen sicherlich nicht mehr. Itiese ernste Falte, die seit Kriegsbeginn auf der Stirne der europäischen Menschheit erschien, möge sie in der kommenden Friedenszeit nicht wieder verschwinden H. B.