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Jüdische Monatshefte · 1915-01-01 · 11 (1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
2 (1915)
Issue
11 (1915)
Date
1915-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Schuld und Sühn•׳, Vergeltung nnd Gnade mit plastischer Dem lirhkcit im I,«*111*11 jedes Einzelnen unentwegt anselianlieli zur Dar Stellung, bringt. Zum Zweiten alter — und liier ist der Kern punkt — lehrt der Chassidismus, dass, als wären es Beste alter l'rnphetcnzrit, einzelnen Menschen die Fähigkeit gegeben ist. dies! Zusammenhänge klar zu erkennen. Voraussetzung dieser Fähigkeit ist makelloses Lehen__jn_den von der Thora vorgm'hriehciicn Hahnen. Den Träger eint‘» solchen Lehens nennen sie Zaddik. «len Meister des (iehetes. Hier müssen wir einen Augenblick länger verweilen, denn für den ohertliiehliehen Beobachter erscheint die Art und Weise-des Gebetes als ein HauptdifTercnzpunkt zwischen Ost und West, liier die scharf abgetönte, ängstlich an die Hegeln einer sub Bien Ästhetik gehundeue Form, dort — so erscheint es äusserlich — eine ungebundene, allen Hegeln spottende Gchahrung. Allein die Differenz liegt tiefer. Ursprünglich liegt im Chassidismus gar nicht *n. wie man meinen sollte, der Wert auf dem Bittgebet. Im («egen teil, ihm ist das Gebet der Weg /!•׳• reinen Objektivation, zur voll kommenen Entäusseruug der IV..־. nlichkeit; man glaubt, dass in einem derartigen Schweigen des Selbst ein tieferer Einblick in das Universum, ein tieferes Erkennen des göttlichen Wesens sieh voll■ liebt. Hier beginnt das eigentlich Mystische im Chassidismus, die Gemeinmdiaft mit Gott. -Kenner werden zugestehen, dass darin dtts A und O }»*der Mystik beschlossen ist. Die erreichte Gemein schaft — wenn der Ausdruck gestattet ist — löst einen nicht geahnten Grad des Enthusiasmus aus. während andererseits das Sichhiucinleben in eine enthusiastische Grundatimmung das einzige Vehikel zu jener oben geschilderten Objektivation bildet. Man!«;■greift leicht, dass diese Anschauung himmelweit entfernt ist von der hei uns so beliebten rationalisierenden Erklärung des Gebetes, welche sich, abhold jedes transeendentalen Einschlags, in rein ethi sehen Momenten erschöpft. Von dem Zaddik aber glauhen sein• Getreuen, dass er die Gemeinschaft über die Stätten des Gebetes hiuaus das ganze Leben hindurch aufrecht erhält, ihn! eignet des halb ein vollkommener Einblick in das Geschehen und es ist klar da«s *,in derartiger Mensch auf Grund der Erkenntnis aller Zusam inenhänge auch in den Dingen dieser Erde erspricsslichcn Hat er teilen kann; so, vermählt sich Irdisches und Himmlisches. Di• wirklichen Chassidim erwarten von ihrem Zaddik Fiihruug zur

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