Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 5 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4900572-5964855-5964896--0640-4901187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beschneidungswunde vermittelst der Lippen, nicht aber durch Watte-Applikation oder dgl Genüge geschehen. 3. Da jedoch der vom Talmud behaupteten und von Ärzten früherer und jetziger Zeit zugestandenen Gefährdung des Kindes bei Unterlassung der Mezizoh die. wenn auch nicht wahrscheinliche, aber immerhin doch mögliche Gefahr einer Ansteckung des Kindes oder des Beschneiders gegenübersteht, so darf die .Mezizoh anstatt direkt mit den Lippen, mittelst des jede Inlektion ausschliellenden. mit dem Munde zu gebrauchenden Glasröhrchens ausgeführ: werden —4 Das von einigen Seiten geäußerte gesundheitliche Bedenken erscheint als unbegründet angesichts der vorerwähnten Gutachten.^ in welchen die geringe Blutentziehung für׳ völlig unschädlich erklärt und dem Gläsrohrchen gegenüber allen anderen Alaniptrlahonen der Vorrang eilige räumt wird -;- “Diese vier Leitsätze werden in der genannten Schrilt ausfuhrlich begründet und auch gegenüber den Scheinargumenten, die jener Herr immer wieder vorbringt, mit eingehender Motivierung testgehalten Interessenten verweisen wir aul die Schrift selbst und fügen hier eine bescheidene Nachbemerkung an. Über halachische Dinge mag Jemand denken wie er will, er sollte aber doch so viel Pietät besitzen, um aus einer privaten Meinung, auch wenn sie ihm selbst noch so triftig erscheint, deshalb noch nicht das Recht einer rabiaten Auflehnung gegen die zuständige religiöse Behörde abzuleiten. Das demokratische Prinzip, an welchem leider auch manche orthodoxe Kreise mit deu starken Fäden einer echten, tiefinnerlichen Sympathie hängen, selbst wenn es in die völlig unjudische Konsequenz einer Aulhebung aller autoritativen Fesseln auf dem Gebiete des Meinens und Fürwahrhaltens ׳eingemündet ist dieses demokratische Prinzip hat schlielllich dahin geführt und!nullte schlielllich dahin fuhren, dall in unsern Kreisen auf religiösem Gebiete Jedermann und darum Niemand etwas zu sagen hat Jener Mohel wird sicherlich sehr erstaunt gewesen sein, als die Kgl. bayerische Regierung ihn ״zur künftigen Beachtung" aufmerksam machte, dall m einem Rabbinatsbezirke Niemand eine ritualniäliige Kultushandlung. als welche sich auch die Beschneidung darstellt, vor nehmen darf, wenn er nicht von dem zuständigen Rabbiner