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Jüdische Monatshefte · 1915-01-01 · 2 (1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
2 (1915)
Issue
2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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dl der Orthodoxie hinzuweisen, um eine einwandfreie Bestätigung der obigen Behauptung zu finden. Das gieht ungemein zu denken. Man kann ea ohne weiteres verstehen, wenn politische Parteien unter den kräftigen Zügeln des Burgfriedens Stillstand eintreten lassen. Die deutsche Orthodoxie ist aber doch keine politische Gemeinschaft, sollte zur Politik nur sehr mittelbare Beziehungen hegen. Woher die auffallende Tätigkeitsentsagung? Müsste man nicht glauben, dass die Trost und Lebensmut spendenden Institutionen des Judentums, deren Verwirklichung die deutsche Orthodoxie doch zu dienen hat, gerade in den furchtbaren Tagen der Gegenwart doppelte Pflege, doppelt tätige Hingabe finden müssten? Ist nicht die jetzige Zeit wie geschaffen, geradezu der Prüfstein für die innere Gesundheit und Lebensberechtigung der deutschen Orthodoxie zu sein? Viel Morsches und Haltloses, viel Schein und Unwahrheit hat der Krieg wie Spreu von dannen gefegt. Muss die deutsche Orthodoxie nicht heute erst recht mit cinatimrocn, wo nur das Grosse und Echte, das Markige und Wahre befugt ist, das Wort zu ergreifen? Hier gilt es, rüchsichtslos und offen den Finger auf die Wunde zu legen, die der Weltkrieg, dieser gewaltig!■ Wardein, jedem, der sehen will, blossgestellt hat: Der deutschen Orthodoxie ist im letztverflossenen Jahrzehnt die rein organisatorische Tätigkeit zu förmlichem Selbstzweck geworden! Die deutsche Orthodoxie hat es vor lauter Bäumen verlernt, den Wald zu sehen! Die deutsche Orthodoxie ist in dem organisierten oder zu organisierenden Verein■• und Verhandsleben förmlich erstickt. Di• Organisationsfreudigkeit hat die Idee überwuchert. Wie viele gieht es unter uns, die gegenwärtig, da der Krieg die Vereins- und Verbandstätigkeit hemmt, eine förmliche Leere verspüren und sich vergebens fragen, auf welche Weise sie jetzt noch für das Judentum ״wirken“ könnten. O dieses ״Wirken“, das ist ehen das verhängnisvolle Idol, das für so Viele au Stelle des Ideals getreten ist! Wie Ihr fürs Judentum ״wirken“ könnt? Jetzt mehr als je! Indem Ihr die Zeit, die Ihr sonst der jiidisehen ״Politik* in reichem Uebermass zu widmen pflegtet, die Zeit, die Ihr zur Gründung von Welt-, Land und Stadtvcrhanden mehr oder minder wertvoll verwandtet,indem Ihr diese Zeit nun endlich einmal nutzbringend einer Beschättigung zur Verfügung stellt, di c־

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