Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 11 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sammen. Es hat seinen Grund, wenn der Satz איב “N'-* “־er* 1 יא“ לAboda Sara 7bl auf Ps. 102 beruht, ln diesem ״Gebet des Armen" ist nicht blus von der Armut und ihren Bedürfnissen und Noten die_Rede. Auch die Auferstehung Zions, das Gottesreich auf Erden etc. kommt darin vor Und so verhält es sich mit allen Gebeten. Nirgendwo werden die stabilen Elemente der 0bjcktiven-pnlrsri1r1rAnsct1äuunjf־v0n den schwanken Wogen eines subjektiven Bedürfnisses verschlungen• Auch im Gotteshause sind es so gut wie im Lehrhause die ewigen Postulate des Gotteswortes, an welchen sich das einzelne Menschenherz mit seinen persönlichen Wünschen orientiert Schon aus diesem Zusammenhang zwischen Bittgebet und Gotteswort müllte sich jedem die wahnsinnige Verblendung eines Grolles erweisen, der mit dem Allmächtigen hadert, weil eine feindliche Kugel die Erwartungen eines heissen Gebetes durchkreuzte Schon der bunte Inhalt unseres Gebetbuches sollte uns belehren, wie unendlich die Zahl der Faktoren sein mag, die überschaut werden müssen, wenn der Richter über Leben und Tod ein .Menschenschicksal entscheidet. Für eine egozentrische Auffassung des Gebetes ist im jüdischen Gotteshausc kein Raum Da werden wir durch die eisernen Bestandteile des Gebetes über uns selbst hinausgehoben i_wjrd״unser_— persoj!iKhcs-ß‘^lnrffti»r-m־ZrrsamnTehhang mit den ewigen Zielen der Gotteswaltung gebracht — und der Wert eines Menschenlebens nach dem Ertrag schätzen gelehrt, den nicht wir, den sich Gott, v>11 ihm verspricht. ״Zeit und Fügung trifft sie alle." Dieser Kohelethvers wird von den Weisen auch auf das Gebet bezogen. Wer alles zeitliche Geschehen als Niederschlag einer göttlichen Fügung begreift, wird wahrlich beim Empfang einer Trauerbotschalt v< m Felde nicht aufhören zu beten. Er wird sich mit Moses trösten, der vergebens um die Erlaubnis flehte, das heilige Land ‘zu betreten. Auch das Gebet eines Moses vermochte eine Gottesfugung nicht zu meistern. So lächerlich es aber nun auch ist, das Gotteshaus mit dem Vorurteil zu betreten, als muffte!edern andächtigen Gebet die Er htrrung auf dem F'ulie folgen, so verhängnisvoll wäre es, in das andere Extrem zu verfallen und zu glauben, dalf abseiten des Beters niiht das mindeste geschehen könne, um die Erhörung des Gebetes wirksam vorzubereiten. Bekanntlich ist es der unbedingte