Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 11 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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379 trifft, von einem Bankerott der Gerechtigkeit zu reden. Noch immer haben die Thora und die guten Werke sich als die stärkeren erwiesen,_wa1..1 immer ein Erdbeben die Grundlagen der Moral zu erschüttern drohte. Und was von der Thora und den guten Werken gilt, das gilt auch vom Gebet. Auch beim Beten bedürfen wir des^Z^T.^ der Aufmunterung zum Glauben, der" Kräftigung zum Vertrauen. Auf denselben l'salmvers •27,14» verweist der Talmud, woraus ein paar Zeilen zuvor der Satz gefolgert wird: Wenn Jemand sieht, wie er betet, ohne erhört zu werden, der beginne von neuem sein Gebet. Nirgendwo sind Millerfolge eines Unternehmens ein .Mallstab für seinrn inneren sittlichen Wert Warum sollte beim Gebet der Erfolg entscheiden? Nur Leute, die den Wert alles Grollen und Heiligen nach dem Grade seiner praktischen Verwertbarkeit bemessen, werden ihr Gebetbuch aus der Hand legen, wenn sie sich beim Beten — verspekuliert zu haben glauben. Jedoch abgesehen von der moralischen Minderwertigkeit einer Gesinnung, die ein erfolgloses Gebet als unnötige Verschwendung von Zeit-und Kraft bedauert, beruht diese utilitaristische Auffassung des Bctens auf einer völligen Verkennung des Wesens der ־־*er. Ich möchte das Paradoxon wagem dall in-4er- —KTiegszeit mit viel weniger Andacht gebetet wird als in der Zeit des Friedens. Die Aufmerksamkeit des Beters konzentriert sich seit Ausbruch des Krieges auf die Stellen unseres Gebetbuches, wo von Krieg und Feind, von Drang und Not die Rede ist. Diese auf den Krieg bezüglichen, unserer gegenwärtigen Stimmung entsprechenden Stellen sind aber sehr gezählt. Der überwiegende Teil unserer ־.פ־־ spricht von ganz was anderem als vom Krieg. Er beobachtet den Zeitereignissen gegenüber den Standpunkt strikter Neutralität Es ist darum viel schwerer, in solch aufgeregten Zeiten, wie die unsrige. die mit ihrem Kanonengedrolm und Waffengeklirr das gesamte Inventar unserer Seele requiriert, für nichtmilitärische Dinge sich ein lebendiges Interesse zu bewahren Wer von uns hat am ersten Mobilmachungstag א"־‘ :־־'•:״ mit der nötigen recitiert? Beten und bitten ist nicht dasselbe Der verkennt das Wesen der C.־. der im Gotteshause nichts anderes als Entleerung seines übervollen Herzens erstrebt. Bethaus und Lehrhaus gehören zu-