Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 11 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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378 täuschten Gelegenheitsbeter sollten sich doch nur eines vor Augen halten: Wenn jedes Gebet, das im Gefühle schwerer Herzensbedrängnis gesprochen wird, erhört werden würde, erhört werden m ü II t e. dann wäre—der-Besuch~dgs~GöTresh'aüses ein rentables ־ Geschäft, nicht aber eine religiöse Tat. dann läge in unserer Hand die Erfüllung dessen, was wir von Gott erhitien, undstatt— dass Gott freiherrlich über die Erhörung unseres Gebetes beschlösse, sänke er zu einem dienstbaren Schergen, zu einem unsere Herzenswünsche ausführenden י >rgan des menschlichen Willens herab. Auch hier hat der Talmud ein wahrhaft erlösendes Wort gesprochen. Vier Dinge gibt es, so lesen wir in Berachoth 32b, die der Stärkung, der Kräftigung, der Aufmunterung bedürfen: die Thora und die guten Werke, das Gebet und die Aufgaben des praktischen Lebens. Wie der Kaufmann zu seinem Geschäft, der Handwerker zu seinem Handwerk, der Soldat zu seinem Kampfe vgl Raschi z St.) einer nie erlahmenden Kraft der Initiative bedarf, wie sic alle drei verloren sind, wenn MiUerfolge sie an der Möglichkeit künftiger Erfolge verzweifeln lassen, und sie daher des חדק der Stärkung, der Kräftigung, der Aufmunterung bedürfen, um die Gräber ihrer Hoffnungen mit den Saaten einer neuen Hoffnung ׳u bepflanzen, also auch die Thora und tüiT guten Werke, also auch das Gebet Was wäre aus den von der Thora verkündeten Idealen des richtigen Denkens und Handelns geworden, wenn je im Angesicht der MiUerfolge. die auch ihr beschieden waren und sind, ein grämliches Zweifeln an ihrer Zukunft die Schwungkraft der jüdischen Seele lahmlegen dürfte! Aul Josua verweist der Talmud, zu dem Gott beim Beginn seiner Feldherrnlaulbahn die Worte sprach: חלק יאכ״ז. Niemand ist so leicht geneigt, an der Zukunft alles Wahren, alle1׳ Edlen, alles Guten, alles Menschliehen zu verzweifeln, wie der Krieger im Krieg. Alle Bande der Zucht und der Sitte lockern sich vor seinen Augen Im Angesichte eines von Leichen erfüllten, vom Donner der Geschütze wicderhallenden Schlachtfeldes an den endlichen Sieg von חייח ידדטיב טיב,: zu glauben, dazu bedarf es des ~"r, der Aufmunterung zum Vertrauen, der Kräftigung zum Glauben- Keiner muH tiefer überzeugt sein, als der Krieger, wie ungerecht es ist, in einer Zeit, die mit ihrer schweren Not Gerechte und Ungerechte