Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 10 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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857 m&nd bleibe ▼on den Vorträgen fern. Das Lernen ist so wichtig wie das Beten. Nur durch deissiges, gründliches Thoralernen könnt ihr zu einer ausreichenden Kenntnis des Judentums unfeiner ewig un• ▼erbrftchlicben Vorschriften gelangen. Seid ihr aber erst ein• gedrungen in den Qeist eurer Religion, dann werdet ihr von selbst ihrem Worte Gehorsam zollen. Wer mit dem JudeFtum innerlich verwachsen ist, hat ihm noch niemals die Treue gebrochen. Werdet nicht müde, durch stete Selbstzucht zum Gehör• sani gegen Gott euch emporzuringen. So leicht ist’8 nicht, Gott gehorsam zu sein. Doch lernet von unseren Soldaten, was Willenskraft vermag. Ein einziger starker Entschluss genügt, um ein guter Mensch und ein guter Jude zu sein. - .--־־־ Erzieht euch vor allem zu guten Menschen. Die Gebote der Nächstenliebe haltet in dieser kriegerischen Zeit besonders hoch. Es genügt fürwahr, wenn sich die Heere hassen. Je schrecklicher zur Zeit die Furien der Rache, des Grolles, der Missgunst, des Neides, der Habsucht ihr Haupt erheben, desto bereitwilliger sollt ihr den Genien der Liehe, der Demut, des Friedens, der Versöhnlichkeit die Pforten eures Hmnus öffnen— Streitet euch in dieser grossen Zoit nicht um Kleinigkeiten. Seid nachgiebig, seid versöhnlich. Ihr erlebt es ja jetzt, wohin Eigen• sinn und Starrköpfigkeit, Neid und Missgunst führen! Seid milde gegen eure Arbeiter und Angestellten, i'herlegt es euch wohl, ehe ihr Jemanden auf die Strasse setzt. Schreckt von dem Ge• dankeu zurück, dass durch eure Schuld in dieser schweren Zeit ein Meusch im wirtschaftlichen Elend verkommt. Verachtet jeden, der in so schwerer Zeit das Herz hat, diu Notlage seines Nehoumeuschen habsüchtig auszubauten. i’bt Wohltätigkeit im jüdischen Sinn. An den Familien unserer Krieger, an den Witwen und Waisen, die eines Annehmers harren und - noch harren werden. Auch jener ausländischen Wunder• armon, die einst gar mancher von euch gerne abgeschüttelt hätte, mögt ihr jetzt in Wehmut gedenken. Gelobet schon jetzt, sie mit doppelter Freundlichkeit zu empfangen, wenn sie später einmnl — in besseren Tagen — die Schwelle eures Hauses wieder batreten können.