Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 9 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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324 nach ihr Alter 50 Millionen Jahre nicht übersteigt. Er wird sich etet8 der Quelle solcher Widersprüche bewusst bleiben und wissen, wie ihre Losung anzustreben sei. Der aber erhebt einen ähn• liehen Widerspruch zwischen Thora und Naturwissenschaft erst zum tragischen Konüilct, der in der Angst seiner Seele und aus bedrängtem wissenschaftlichen Gewissen sich gezwungen glaubt, etwa das Sechstagewerk entgegen dem klaren^ Wortlaute -der- Schöpfungsgeschichte ,symbolisch“ aufzufassen, um so der Wissen- Schaft entgegenzukommen. Freilich darf man auch nicht in den Fehler verfallen, solchen Forschern, an deren Unvoreingenommenheit zu zweifeln man kein Recht hat, Leichtfertigkeit bei der Aufstellung ihrur Lehren vorzuwerfen. Wir wollen im Folgenden versuchen, durch eine nähere Betrachtung der naturwissenschaftliehen Vorschungsweise und des Wesens der Hypothese eineu Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Dabei wird sich ergeben, dass die Quelle der Gegensätze von Thora und Naturwissenschaft *oft grundverschieden ist von der Ursache der Widersprüche innerhalb der Naturwissenschaften. Infolgedessen wird es sich von selbst verbieten, beide auf gleiche Weise erklären za wollen. Zwei Voraussetzungen — besser vielleicht Fiktionen — liegen der naturwissenschaftlichen Forschung za Grunde. Sie setzt voraus, dass die Vorgänge und Entwickelungen ÜLjlar Natur- -wthremFeiner gewissen Zeitdauer vollkommen, d. h. in jeder Hinsicht und bis in $lie kleinsten Detailsbekannt seien. Und sie setzt ferner voraus, dass alle Vorgänge und Entwickelungen der Natur sich zu jeder Zeit stetig vollziehen. Stetig aber werden wir eine Entwickelung nennen, deren Phasen sich xoneinander beliebig wenig unterscheiden, falls wir nur nahe genug beieinanderliegende Phasen betrachten; oder um mit anderen Worten und in anderer Form genau das Gleiche auszadrücken, in der Natur tritt jederzeit der Zustand ein, dem die unmittelbar vorhergehenden ■ich immer mehr annäherten, von d?m sie sich immer weniger unterschieden. Man sieht leicht, dass — will man anders von Bekanntem auf Unbekanntes, seien es noch verhüllte Erscheinungen der Gegenwart, seien es Vorgänge in Vergangenheit oder Zukunft, scblicasen — die zweite Voraussetzung tatsächlich die notwendige, aber auch hinreichende«Bedingung jeder Forschungsmöglichkeit daretcllt Denn sie erlaubt uns, aus der Reihe der beobachteten