Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 9 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Sprachenstreit. Von Zahnarzt Chrmann*Leipzig. Nicht vom palästinensischen Spracbenstreit «oll hier die Rede ■ein, sondern ▼on einer zeitlich *war entfernteren aber darum nicht minder aktuellen Sprachenverwirrung nämlich von dem ältesten, dem babylonischen Sprachenstreit. Das charakteristische der damaligen Sprachen Verwirrung welche den ,Einen die Sprache deR Anderen nicht ▼erstehen liess*, bestand darin, dass jeder glaubte, der andere müsse ihn verstehen, da man ja bisher nur eine Sprache kannte und bis dahin die Bedeutung der einzelnen Worte zweifelsohne feststand. Wie nuo aber damr der eine den > nämlichen Ausdruck einen anderen Sinn beilegte als der Andere, entstand ein derartiger Streit und Zwiespalt, dass jegliche gemeinkamt* Arbeit zur Unmöglichkeit wurde und also der Turm zu Babel ein ewiges Torso blieb. Diese alte Geschichte mit ihrer Nutzanwendung auf die Gegenwart wurde mir dieser Tage wieder so greifbar zum Bewnsstsein gebracht, dass ich noch rechtzeitig davor geschützt wurde eine grosse Torheit zu begehen; ich batte nämlich die Absicht als Ausdruck meines lebendigen Interesses f&r jüdische Fragen in diesen Blauem einige Betrachtungen über die bayrisch* Revisionsfrage anzustellen. Schon batte ich das Konzept dazu fertig als mir der Zufall einen meiner alten Stadiengenossen aus München ins Haus führte; der inzwischen auch als Philister sich in Bayern nietiergelassen bat. Ihn den ich als Gesinnungsgenossen als ״Hirscbianer* kannte and?schätzte, schüttete ich mein ▼olles Herz ans und Jegte ihm die Frage vor, die ich und mit mir so manch Anderer sich schon gefragt. Wie ist es denkbar, dass in Bayern die Austrittshewegung d. 11. die Bestrebungen des ,ortb. Vereins* zur Erlangung eines Austrittsgesetzes von denjenigen bekämpft wird, die ihrer ganzen Weltanschauung nach auf Seiten des Austrittsprinzips stehen ץ Ich begreife — sagte ich meinem Freunde — dass es neologe Gegner des Aastrittsgesetzes gibt; ich begreife auch, dass orthodoxe Stimmen laut wurden, welche den Austritt selber wollen aber kein Austrittsgcsetz, um dann nach Erlangung desselben nicht aassutreten; ich begreife auch, da»H es ängstliche Gemüter gibt, welche von einem Austrittsgesetz