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Jüdische Monatshefte · 1914-01-01 · 9 (1914) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
1 (1914)
Issue
9 (1914)
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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312 ran, wie manche Rechtsverkümmerung jüdische Eltern um die Zukunft ihrer Kinder bangen läset Sie denken daran, wie ganz anders sich Fühlen und Denken eines ganzen Volkes entwickeln könnte, wenn diese Hemmungen nicht vorhanden wären, wenn insbesondere in unserer Zeit des allgemeinen Siegeszuges nationaler Entfaltung und — Grenzmarkierungen auch Jndas Stamm einen nationalen Mittelpunkt hätte. All denen, die also denken, ist das Golus ein nationales Leid, der 9. Aw ein nationaler Gedenktag; es sind Menschen, denen ihre Träne, menschliches Glück, denen ihr Sehnen gilt--- Allein das wirklich jüdische Empfinden kennt noch ein ganz anderes Golus; man nennt es in einem wundersamen Ausdruck .Golus schechinah‘, ,das Exil der göttlichen Majestät*. Es ist namenlos schwer, diesen Begriff richtig zu umschreiben. Es führt unser Deuken zurück bis zu jener Stuude, in welcher der nationale Beruf des jüdischen Volkes geboren wurde, um in seiner Geburts• stunde sofort entnalionalisiert zu werden. Sein ganzes Leben in den Dienst des Glaubens zu stellen, sein ganzes Land nach Dik• taten dieses Glaubens zu beptlügen und zu enternten, seine Be• Ziehungen zu der ganzen Menschheit von dem Zentrum dieses Landes aus nach Maßstab göttlichen Gesetzes zu regeln, zu diesem Behuf wurde IsracL־ütoer den Jordan geführt: Seine nationale Aufgabe war, der Menschheit den Beweis zu erbringen, dass alle Lebensausseruugeu nach Normen göttlichen Ursprungs geregelt werden können. Dass diese Aufgabe mit der Zerstörung Jerusalems Not zu leiden begann, «lass im Flammenmeer des Tempels dieses Ideal auf unabsehbare Zeit zu Grabe getragen wurde, das heisst Golus schechinah. Die also denken, die weinen am 9. Aw darüber, dass die Zeitläufte den Juden die Erfüllung so manchen religiösen Gebotes erschweren, dass so viele jüdische Seelen diesen Schwierigkeiten nitht gewachsen sind, dass viele im Golus die letzte Spur, die zu Gott führt, verloren haben, dass in so vielen jedwede religiöse Empfindung, jedes religiöse Verantwortlichkeitsbewusslseiu verschwuuden ist. Sie weinen ob des Unglücks, das eine solche ent• gollcte Welt für die Menschheit überhaupt bedeutet; ihre Trauer ist eine religiöse, ist eine universelle, weil sie den reitgiösen Tiefstand der ganzen Welt ins Auge fasst. Ihr Sehnen gilt einer t

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