Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 8 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Folgendes gemeint >50i11. Ks gilbt Juden, die nur *lern jüdischen ()laut*‘!), nicht eher den» jüdischen Gesetz, und es giebt Juden, —־ bessere, frömmere, opferfreudigere — die au• h dem jüdischen Gesetz die Treue bewahren. I liest* Gegenüberstellung beruht demnach au( zwei Voraussetzungen Krstens: Ks giebt einen jüdischen Glauben und esnrtebt etn jttdtset1w״rJesetz. ZweilensT Man kann dem jüdischen Glauben diu Ticue bewaliren un i zugleich dem jüdischen Gesetz dte Treue brechen. __ Man -woiss wirkttrh ״rrirttf; ־wuiTlnaii au diesem Puragruphen mehr bewundern soll: I)ie profunde theologische Kenntnis, die. ihm offenbar zugrunde liegt, oder die orakelhafte Heimlichkeit, in die es seine theologischen Grundlagen zu tauchen und zu verbergen verstand. Hin Problem, an dessen Lösung die besten Köpfe unsercs Stammes, die leuchtenden Sterne am Himmel jüdischer BeligionswissenScbaft — oft vergebet s — sich versucht,-Spielend wird cs in § 2 des Normal-Statuts für die deutscheu Ortsgruppen der Agudas Jisroel gelöst. Glaube und Gesetz! Maintonides und Albo, Mystiker und Hationalislen, Mendelssohn und Hirsch — ein langer, ehrwürdiger, durch die Jahrhunderte der jüdischen Gc• schichte stolz dahinziehender Zug von Denkern und Kämpfern, von Siegern und Unterliegen! ist’s._den uns diese beiden Hegriffe vor die Seele zaubern Mit ängstlicher Scheu traten wir seit je an das hinter diesen Begriffet) lauernde Problem heran; wussten wir ja von den schweren Kämpfen, die z. li. Muimonides herauf-!»«schworen, als er seine dreizehtrGlaubensarlikel aufs teilte, von dem ungeheuren Missbrauch, (len bis in die entartete Gegenwart hinein der Begriff des .Glaubens* erdulden muss, wann immer er zum Begriff des Gesetzes in konträren oder kontradiktorischen Gegensatz gerät; wussten wir ja, dass die ersten Keime des Abfalls von Gott und seinem heiligen Wort an der GFenz8ehcidc von Gesetz und Glaube wuchern — — und nun kommt auf einmal $ 2 und tielchrt uns eines andern, eines besseren, indem er ein Problem, in dessen Abgründen Tragödien des jüdischen Geistes spielen, nnt einem kurzen, resoluten Federstrich in ein — banales Kinderspiel verhandelt! Ist gar nicht so schwer, dieses Problem! Der einzige l'nterschied zwischen glaubenstreu und gesetzestreu besteht hlos darin, dass nur der Gesetzestreue bei den deutsebeu Agudah-Gruppen das passive Wahlrecht besitzt!!