Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 7 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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262 (Vgl. aach Misch na Schekalim 3, 2; Joma 38a; Pe&achini 13a) Die Rücksicht auf Menschen ist gleichfalls ein wichtiger Faktor des sittlichen I^ebens. Wie du rein dastehen mußt vor Oott, so mußt du rein dastehen vor den Menschen. Wie Gott dein Tun und Lassen bedenkt, so wird aach von den Menschen dein Tun und Lassen bedacht. Wie du nach Wohlgefallen in Gottes Augen ringst, so hast du auch das Wohlgefallen in der Menschen Augen zu erstreben. Ks soll also alles vermieden werden, was unsern Charakter, unser Tun und Lassen in ein falsches Licht rücken könnte, IM8 eigene Bewußtsein, nichts Unrechtes zu tun, die Gewißheit, vor Gott rein dazustehen, darf uns nicht genügen. Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Nehenmenschen keinen Anlass haben, uns anders zu sehen, als wir uns tatsächlich geben. Wir müssen aus unserm Tun und Lassen, einerlei ob es profane oder religiöse Mizwahandlungen sind, auch den Augenschein des Schlechten verbannen. Nirgendwo ist die Gefahr dieses Augenscheines 80 bedrohlich nab wie in der jüdischen Religion. Eine bunte Fülle von Außerungen des religiösen Lebens sprießt aus dem Gedankenbereich der Thora empor. Böte sie uns nichts anderes als Gedanken, dann wäre in ihr für דן n'tro •Verdächtigungen kein Platz. Gedanken haben ihren Zweck erfüllt, wenn sie als persönliches Besitztum des Einzeluen eine Heimat finden, die sich dem 8piherblick eines fremden Auges verschließt. Nur dann, wenn die Gedanken nach außen hin zu Formen werden, stellt sich die Gefahr des Augenscheines ein. Der Zweck dieser y*c-Vorschriften ist klar: Da eine Tat immer vieldeutig ist, indem kein Menschenauge ihr verborgenes Motiv erkunden luinn, soll die Welt des Scheines, in der wir nun einmal leben, wenigstens den Schimmer von Wahrheit behalteD. den sie jener Vieldeutigkeit gegenüber zu behaupten vermag. Wir sind nun einmal auf das Urteil unserer Nebenmenscben an• gewiesen. Wer von ihnen wirklich urteilsfähig ist, wissen wir nicht. Wozu ihnen die Urtcilsbilduug erschweren, indem wir uus ihnen iu einem Liebte zeigen, das sie vielleicht auf eine falsche Fährte führt P Wer ist der beste Welt- und Menschenkenner)' Wer am besten zu berechnen* weiß, wie der Andere über die eigene