Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 7 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4900572-5964853-5964881--0268-4900828- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
247 zwischen der Kultusverwaltung München und dem Verein Oho! Jakob wegen der dort bestehenden Differenzen erzielt wird, die Nürnberger Verwaltung mit dein Verein Adas Jisroel eine Ver- «inbarung, bei der — vom Standpunkte der unbedingten Aus• trittspflicht gesehen — am empörendsten nicht der Inhalt des Vertrags, sondern die Thatsache ist, dass ein solcher Vertrag — in welchem, wie der .Israelit* damals schrieb, das alte, das einzige, das vom Staate rezipierte Judentum wie ein Bettler dastcht, die Brosamen zu empfangen, die eine ihrer papiernen Rechte sich rühmende Xeologie ihm allergnädigst zu spenden für gut findet — von einer orthodoxen Feder unterschrieben ■werden konnte. Damals schrieb der Führer der Münchener Hevisionsfreunde (Nr. 8 des Israelit): .Die besonnenen und friedliebenden Führer der Neologen haben denn auch seit der Nürnberger Konferenz vom 6 Oktober das Unhaltbare einer Position erkannt, die den Minoritäten die Basis ihrer rechtlichen Existenz versagt, und als man sich erst einmal zu der Überzeugung durchgerungen hatte, dass den Orthodoxen der Rechtsanspruch auf den Bestand und die Einrichtung ihrer Synagoge, sowie jener auf einen jährlichen Zuschuss aus der Gemeindekasse nicht länger vorenthalten werden dürfe, ergaben sich die weiteren Konzessionen an die religiöse Überzeugung der orthodoxen Minorität durch Schaffung der nötigen Kautelen für den streng traditionellen Charakter der Ritualinstituttonen von selbst. Dadurch sollen die grossen Verdienste des Münchener Gemeinderabbiners um die Sicherung der von den Orthodoxen verlangten Garantien bezügllch des Kaschrus dieser Institutionen ebensowenig verkleinert werden, wie es nicht unerwähnt bleiben soll, dass auf der Nürnberger Konferenz, als die Wogen der beiderseitigen Erregung und Verbitteruug auf das Höchste gestiegen waren, der Referent der Münchener Kultusverwaltung die t r e.l f e ndenWorte zu findenwusste, um derBedeutung derOrthodoxie als Faktor Im GemeIndeIeben gcrechtzu werden und für ein weitgehendes Entgegenko m m en gegenüber den orthodoxen Postulaten einzutreten*. l.’ml in Nr. 9: ,Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Folgeerscheinungen einer ähnlichen Gesetzgebung bei uns In Bayern die gleichen wären, wie In Preussen. Denn wenn einerseits die Grundgedanken und Leitmotive der jetzt In München und Nürnberg zum Abschluss gelangtenVereinbarungen bereits ein nicht zu unterschätzendesEntgegenkommen derNeologie gegenüberdenorthodoxenExistenzbedingungenbekunden und wenn weiters mit Sicherheit anzunehmen ist, dass im Ernstfälle auch