Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 6 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Zu einer solch rührenden Selbstentäullerung hätten sich die Karäer niemals verstanden. Sie haben sich selber ernst genommen; sie wußten, daß zwischen dem System der Treue und dem System der Leugnung ein Kon1|1romiß nicht möglich ist — und darum trennten sie siehvon den Huhbauiten, wie sich die Hahbaniten von ihnen trennten. Anders gejien in unseren Tagen die Hiebtlinienmänner vor. l>u ist vor kurzem hier in Frankfurt eine Hesolution der Hiebtliniengemeiude erschienen, die in der Hauptsache folgendes besagt: W egen der Heobachtung der rituellen Khegesctze hat sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde bei den liberalen Habbinern der israelitischen Gemeinde versichert, daß deren Stellungnahme zu den eherechtlichen Kragen in praxi, die bisher zu Beanstandungen keinen Anlaß gegeben habe, durch die Hichtlinien keine Aenderung erfahren hat und erfahren wird; hinsichtlich des Heligionsuuterrichts stellt der Vorstand der israelitischen Gemeind«! fest, daß dieser l'nterricht durch die Hichtlinien eine Aetnlerung nicht erfahren hat um! nicht erfahren wird; die Habbiner und Heligionslebrer der israelitischen Gemeinde, ebenso'die an «len von der israelitischen Gemeimle unterstützten Unterrichtsanstalten tätigen Lehrer werden nach wie vor in keiner Weise die l’nverhindlichkeit «l«*s jüdischen Gesetzes lehren und werden ihren Heligionsunterricht nach wie vor nicht auf Gruml der Hichtlinien erteilen. I>ie historische Bedeutung dieses Kompromisses kann nicht hoidi genug eingeschätzt wenlen. In schlagemler, unübertretllieber Weise wird durch diese Hesolution dokumentiert, wie «las System d«-s jüdischen G e in e i 11 «I e «111 a 1 i s in u s mit innerer Not- Wendigkeit zu einer völligen Krt Ölung der religiösen Wahrhaftigkeit fuhrt. l>ie israelitische Gemeinde zu Krankfurt a M. furch(«׳( seit dein Krscheinen der Kichtiinicn für den unversehrten Bestand ihrer Kinheit: «lern Austrittsgedanken winkt die Möglichkeit einer ungeahnten Krstärkung. Die Gemeinde ist daher zu jedem Opfer b«׳reit, selbst zu «lein Opfer religiöser W ahrhaftigkeit. Sie gewinnt es über sich, ihren Habbinern und Lehrern zu befehlen: Steckt rare l'eberzeugung einstweilen in tlic Tasche und helit sie für bessere Zeiten auf! I>as bischen ll«*uchelci müßt ihr in den Kauf nehmen, wenn dafür die Kinheit «1er Gemeinde aufr«־cht erhalten wir«!! — I'ml nicht genug damit: die Gemeinde