Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 6 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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230 liehen Natur, nämlich die Verquickung von Person uml Sache, die vielleicht nirgendwo so viel Schaden anzustiften vermag, wie auf dem Gebiete des jüdischen Gemeindelebens. Daher kommt es, daß zartbesaitete Gemüter selbst vor der harmlosesten Hesprcchung des Austritts einen förmlichen horror zu empfinden pflegen und zwar aus keinem anderen Grunde als nur deshalb, weil sie der Meinung sind, man könne unmöglich Uber den Austritt reden, ohne sofort persönlich zu werden. Nun ist es ja wahr: das jüdische Gemeindewesen ist ein Gebiet, auf welchem es — wie es im ersten Hände von Hirschs .Gesammelten Schriften“ auf S. 212 heißt — gar oft auch ,dem besten, reinsten Willen schwer, ja unmöglich wird, eine Aufgabe zu lösen, ohne die eine oder andere Persünlichkeil unsanft zu berühren Sind es ja überall Menschen, welche die zu besprechenden Zustände tragen, und mittelbar oder unmittelbar fällt ein jedes l’rteil über diese auch notwendig auf jene zurück“. Damit ist aber auch zugleich eine scharfe Grenze gezogen zwischen einer Gefahr des Persönlichwerdens, die vermieden werden kann, und einer Gefahr des Persönlichwerdens, die nicht vermieden werden kann, auch beim besten Willen nicht. Denn schließlich ist ja die Austrittsfrage kein Kcchenexempel, sondern eine t iesinnungsfrage. Pberull aber, wo die Gesinnung und Handlungsweise eines Menschen, also etwas rein Persönliches, in Frage steht, da wird auch der best« und reinste Wille Person und Sarhe insofern verquicken müssen, als hier das Sachliche identisch ist mit dem Persönlichen — Hatte man sich diesen Sachverhalt immer klar vor Augen gehalten, es wäre sicherlich viel liöses Hlut vermieden worden. Nun hat sich aber aus der Schwierigkeit, Persönliches und Sachliches in dieser Krage auseinanderzuhalten, noch ein weiterer Irrtum ergehen, nämlich die Herabdrückung der Austrittssache zu einer Frankfurter Lokalangelegenheit, zu einer nebensächlichen, untergeordneten Aufgabe des Judentums, die den Kern, das Wesen des Ganzen nicht berühre. Ks konnte nämlich’ nicht ausbleiben, denn es war vorauszusehen, daß, je gründlicher in Wort und Schrift, der Frankfurter Gcmeindezw iespalt ausgetragen wurde und je weuiger dabei die F.rzeugung < iner an und für sich überflüssigen, aber naturgemäßen Kampfesstimmung vermieden werden konnte, desto rascher ein Gefühl der Müdigkeit, die Sehnsucht nach Kühe,