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Jüdische Monatshefte · 1914-01-01 · 6 (1914) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
1 (1914)
Issue
6 (1914)
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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21« <ler Gegenwart bei dem Götzendienst, den er mit der heiligen Sprache treibt, auf das jüdische Relitfionsfresetz berufen. Denn" von jener absoluten Alleinherrschaft des Hebräischen, der z. B. selbst der .limcniluntcrrieht in profanen Dingen tnttl‘1 würfen werden soll, findet sich im jüdischen Ueligionsiresetz keine Spur. Gelänge es, aus der fremden Sprache den betrübenden Kintluss des Fremden derart zu bannen, dass jüdische Gedanken gefahrlos in ihre Form *׳«*kleidet werden könnten, dann wäre die Rücksicht auf Idos nationale Werte nicht stark *׳enu*׳, um der fremden Sprache den Kintritt in das religiöse Heiligtum zu wehren. Gas beweist die grosse Sympathie, die das Aramäische im Judentum froniosst: קי בעיניך •דל־־ ב־.י־ל ליא אדי־ ודא' די־ *c־*c אר ■לא יידץ ־;- יד—־.א.. Mag aber auch dieser Wunsch einer durchgängigen llehraisieriing des jüdischen Lehens hier und da von religiösen Absichten getrauen sein, so dürfte man doch hierbei ein wichtiges Moment nicht libersehen. Heute ist das Hebräische zumeist noch die Sprache unserer Feierstunden. Beim Beten, beim Lernen, immer, wenn unser Gedanken- und Gefühlsleben in dem Bereich des Heiligtums gehoben wird, drängt sich das hebräische Wort auf unsere läppen. Nun sollten wir uns freilich immer im Kreise des Heiligtums bewegen. Hinter der idealen Forderung bleibt aber die konkrete W irklichkeit in nicht geringem Abstande zurück. Soll nun trotzdem das Hebräische die Norm und jede andere ■Spruch«.‘ Krcilldspmehe *»'in,—so würde dieser /nslinid unter den gegebenen Verhältnissen nichts anderes als eine voreilige Antizipierung eines nlcalcn Ziikiinftsziels bedeuten. All dtp; Falsche, Lügenhafte, Verdrehte und Verwirrte, das unser wirkliches Leben «lurchsetzt und vergiftet, wiird«' mit einem Male in einem unverdienten Glorienschein erstrahlen: das hebräische Sprachgewand, in das wir fortan unsere Gedanken und Gefühle kleideten, würde uns sachte Uber den meilenfernen Abstand hinwegtäuschen, «l«*r unser wirkliches Leben von seinem Idealbild«■ trennt. So vieles kommt ja über unsere Lippen, was mehr der Sprache — Goethes, als der unseres — Gottes entspricht. Gas Hi bräische wird in unserer verwirrten Zeit immer mehr oder weniger eine täuschende Maske sein. Ks verhält sich damit ganz ähnlich wie es sich mit der alljüdischen Tracht verhält.

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