Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 5 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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178 Keformgememde diese früher oder später der Orihodoiie zurückgewonnen »erde, während der Austritt die Entwicklung der Neologie bis zum äußersten Extrem aubahnen köoute. Daher müsse unter allen Umstanden die Einheit der Gemeinde aufrecht erhalten werden. Wir wollen uns in eine ausführliche Widerlegung dieser drei Grinde nicht verlieren. Rabbiner Hirsch hat diese Gründe sehr wohl gekannt und sie in seinen Schriften als ,Gespenster und Mausefallen* bezeichnet, die dazu bestimmt seien, .Kinder zu schrecken und schwache Gemüter zu fangen.* Und er hatte ganz!echt damit. Deun was den ersten Grund betrifft, so haben wir ja gesehen, daß dei Austritt nicht eine gesellschaftliche Boykottierung der Rtfomijuden. sondern eine religiöse Boykottierung der Heformgeineiinle erstrebt. Würde aber auch die religiöse Roy• kottierung diegesellschaltlichc׳nach sich ziehen müssen, was keineswegs der Kall ist, so steht ja in religiösen Dingen die Wahrheit höher als der Friede. Was ferner die Wohltätigkeilsanstalten betrifft, so hat ja von jeher die indische llumanitat auf dem freien Zusammenwirken einzelner Vereine beruht und ist ja gar nicht einzusehen, warum der Austritt darin eine Aenderung liervorrufen müßte. Was endlich den dritten!,unkt betrifft, so läßt sich ja aus der Geschichte nachwei>en, daß innerlich unwahre Gemeinschäften immer nur der Ncnlogie zugute kamen: daß die Besserung in der l.age der «trthodoxie erst von dem Augenblick datiert, wo das Bewußtsein des Gegensatzes zur Reform erwachte und zur Trennung hinstrebte: daß ferner eine Verquickung religiöser Gegensätze nicht nur nicht zur religiösen Wahrheit ziiriicklührt, sondern im Gegenteil das verhängnisvolle Dogma von der ״Gleiehherechtigung aller Richtungen* erzeugt. Allein, wie gesagt, wir wollen uns heute in eine ausführliche Kritik dieser Gründe nicht verlieren, vielmehr nur gaiz allgemein die Frage autwerfen: Ist es eilauht, in einer Sache, in welcher die Reinheit eines religiösen Bekenntnisses auf ■ihn Spiele steht, nut denwtigen Gründen zu kommen? — Gera 11! in dieser Trübung der rein religiösen Anschauung durch Erwägungen politischer Zweckmäßigkeit. dann gerade liegt die gefährliche Resonanz, die lun htbaie Tragweite des Austuttskan pfos im •lahre ls?7. Zu welch uogcahnU'11 kuiis! quenzen hat dieser Kampf gefühlt!