Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte · 1914-01-01 · 4 (1914) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
1 (1914)
Issue
4 (1914)
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4900572-5964853-5964877--0174-4900737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15« Frage mit folgender Begründung. Wie bisher, soll ja auch künftighin jede Gemeinde in Bayern staatlich gezwungen sein, für Schechita und Mikwoh zu sorgen. Durch diese Sorge für rituelle Einrichtungen werde jede Gemeinde (also auch die Kichtliniengemeinde des Herrn L)r. Freudenthal in Nürnberg) gezwungen, sich zum überlieferten Glauben zu bekennen. Da aber durch dieses erzwungene Bekenntnis zur Thora die Interessen der Orthodoxie noch nicht genügend gewahrt seien, müsse auch die ,Austritts m ö g 1 i c h k e i t“ erstrebt werden. Diese merkwürdige Austrittstheorie wird in einem Gutachten des von Herrn Dr. Klein theologisch beratenen Professors Dyroff in München noch weiter ausgeführt. (Vgl. Artikel: Das bayrische Austrittsspiel Anm. d. Red.) In der Diskussion wies, Herr Dr. Breuer-Aschaffenburg die I'nhaltbarkeit dieser Theorie nach, indem er die furchtbare Tragweite betonte, wenn die bayrische Orthodoxie eine Revision des Judenedikts erstrebe, ohne sich über die damit zusammenhängenden prinzipiellen Fragen klar zu werden. Wir gestehen: es begegnete uns selten eine Theorie, die so geeignet ist, dem Wunsche des liberalen Judentums, seitens der Orthodoxie anerkannt zu werden, entgegenzukommen, wie die oben erwähnte Theorie über den Austritt. Wie muss sich der Riehtlinien-Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg vor Vergnügen die Hände reiben, wenn ihm von dem Rabbiner der Nürnberger Religionsgesellschaft schwarz auf werss bescheinigt wird: die Nürnberger Hauptgemeinde bekenne sich zur überlieferten Thora, wenn sie bloLl so gnädig ist, ihren orthodoxen Mitgliedern rituelle Einrichtungen zu beschaffen! Alse dafür hat die deutsche Orthodoxie die Richtlinien bekämpft, dass hintennach die bayrische Orthodoxie ihr in den Rücken fällt, indem sie jeder Gemeinde einen Koscher- Brief ausstellt, wenn sie sich das hehre Vorbild der Frankfurter Kompromissgemeinde zum Vorbild nimmt! Mit Recht ist in der Nürnberger Versammlung von dem Opponenten des Herrn Dr. Klein betont worden, wie gerade in dieser Herabdrückung eines religiösen Prinzipienkampfes auf das Niveau eines Tauschhandels, — bei dem es in erster Linie darauf ankommt, recht vipl Konzessionen aus den Kichtlinien-Gemeinden herauszuschlagen, einerlei, ob das Prinzip der Orthodoxie darunter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.