Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 151 - sündigt sich am Geiste des Judentums, ja am Geiste allgemein menschlicher Moral, wenn er ihn gleichwohl im Munde fuhrt. Der Austritt ist auch keine juristische Spielerei. Nur die zeitlich zufällige F0rm des Austritts ist eine juristische; sein Kern ist ein reio religiöser. Selbst wenn es gar keinen Staat• liehen Gemeindeswang gäbe, wäre man nach religiöser Satzung verpflichtet, der Gemeinde seines Ortes anzugehören, solange diese Gemeinde auf dem Boden des Keligionsgesetzes verharrt. Und trotz staatlichen Gemeindezwangs ist man verpflichtet, den Austritt ZU eratl-ohof], Wflpn ilin Ver- "leugnet. Nur die Feuersprache bedrängter Gewissen endlich kann und darf den Staat dazu bewegen, den Zwang zu lockern, der sonst Juden wie Christen nach geltenden! Staatskirchenrecht in gleicher Weise umfaLit. Diese Feuerspracbe bedrängter Gewissen vermisse ich, offen sei cs gesagt, annoch im Lande Bayern. So weit es mir, als Außenstehendem, möglich war, in die reichlich verworrenen Yerhältnisse daselbst Hinblick zu gewinnen, sehe ich allenthalben zu viel, ja viel zu viel Juristerei^ und zu wenig, ja viel zu wenig — Keligion; zu viel Politik und zu wenig — Überzeugung. Das vorstehe ich nicht. Vielleicht mag das daran liegen, weil ich, Gott sei es geklagt, kein Bayer bin. Allein, 80 möchte ich fragen, ist denn ein bayrisches Gewissen anders konstruiert, als ein preußisches!* Muß nicht, was in Preußen Gewissenszwang ist, in blau-weiUcr Umrahmung ein gleiches bedeuten!׳ Ist nicht — und das ist der Kern der Frage — yor allem das Judentum, um!las es sich doch bei dem Austritt allein und ausschließlich handelt, in beiden Ländern identisch!׳ Seit Jahren ist in Bayern vom Austritt die ltede. Der Yerein ftlr die Interessen des gesetzestreuen Judentums in Bayern (K. Y.) hat ihn auf seine Fahne geschrieben. Ströme von Tinte sind ttber den Austritt in Bayern vergossen worden. Minister haben gesprochen, Kammern haben beraten, Professoren auf Pro• fe8soren halten ihr Scherflein in gelahrten Gutachten beigetragen; ohne Zweifel: Der Austritt in Bayern ist glücklich zu einer l>oktorfrage geworden. Und das GewissenP Wo bleibt das Gewissen!׳ Ich frage: Welche Gewissen sind augenblicklich, nach der gegenwärtigen Hechtslage, in Bayern geknechtet!׳ Geknechtet