Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 4 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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150 •iud sie gestorben, ueiu Leid war ihr Leid, Deine Freude ihre Freude, nun aber muß ich fort von Dir, weil Du ganz anders bist als gestern und ehegestern, weil Du eine Abtrünnige geworden, die mir den Lebensodem raubt . . .‘1: wenn er also redet, so muß ihm hierbei ums Herz sein, als wenn Bruder von Bruder sieb los* reißt, Sohn von Mutter sich scheidet; wenn er also redet, muß er zur Tat längst entschlossen sein, soll nicht allein schon die Rede der Frevel furchtbarster sein! Spielet womit~ihr wollt, aber lasset den Austritt aus dem Spiel! Das Blut eurer Ahnen hängt an ihm! Ihuen war der Austritt der letzte Schritt der Yerzweif• die Wahrheit des Judentums, iiu alten Heim unrettbar vom Throne der Alleinherrschaft verstoßen war. Ihnen war der Austritt das furchtbar-ernste Gebot ihres Gewissens; um ihre Seele zu retten, und nur deshalb, sind sie ausgetreten! Dieser Gewissensschrei der Orthodoxie war es, dem Preußens erleuchtete Regierung im Jahre 1876 nioht länger sich entziehen zu dürfen die Überzeugung gewann. Als Befreiung ge• knechtctcr Gewissen ist Preußens Juden das Austrittsgesetz goschenkt worden. In dieser seiner Eigenschaft liegt allein seine moralische Rechtfertigung beschlossen. Das Austrittsgesetz als religiöses Freiheitsgesotz kennt begriftlich keine staatlichen Schranken. Es gibt keinen modernen Staat auf Erden, der sich auf die Dauer der Not mißhandelter Gewissen versagen könnte. Vergeblich würde man sich auf diese oder jene staatsrechtliche Eigenart irgend eines Staates berufen: die Granitgrundlage jedes modernen Staates bildet heute die Ge- Wissensfreiheit. Wer auf sie sich beruft, kann keine Fehlbitte tun. Der Austritt ist keine Spielerei; am wenigsten eine politische Spielerei. Den Austritt als politisches Machtmittel gebrauchen, heißt mit!lern Gewissen einen Kuhhandel treiben. Mit dem Austritt drohen, grenzt an Erpressung, l'nd diese Er- Pressung ist umso verwerflicher, je mehr das angewandte Mittel ursprünglich dem Heiligtum der Seele angehört, je mehr es die freigelmrene Tat einer religiösen Überzeugung sein sollte. Wer mit dem Austritt nur droht, ist von seiner absoluten Notwendigkeit noch nicht durchdrungen. Wer aber von der absoluten Notwendigkeit des Austritts noch nicht durchdrungen ist, ver-