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Jüdische Monatshefte · 1914-01-01 · 3 (1914) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte
Volume
1 (1914)
Issue
3 (1914)
Date
1914-01-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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wohin .er selber kommt; er hat überhaupt kein Ziel, sondern nur einen Weg. Der deduktive Forscher hat sein Ziel gefunden *und spricht zu denen, die sieh seiner Führung vertrauen: Hier ist das Ziel! Verlieret es nicht in dein verwirrenden Gewühl der Dinge aus dem Auge.“ Dieser Maxime sind bis nun fast alle Darsteller unserer Ver■ gangenheit gefolgt, sie alle hatten ein Ziel, das sie durch ״blitzartige Krleuchtung“ gefunden und dieses Ziel verloren sie niemals aus den Augen, wenn die Dinge sie noch so sehr verwirrten. Diese• Hlilze haben aber auch verheerend gewirkt. Was-ist aus dieser Wissenschaft der blitzartige!! Krleuchtung geworden! Diese Tatsache erklärt uns eine' der merkwürdigsten ־Erscheinungen in dem wechselvollen Geschicke des jüdischen Volkes, daß nämlich unsere. Hrttdcr zur linken Hand, die sich niemals scheuten, Hand an die Wurzel׳des jüdischen Lebensbaumes zu legen, gerade der jüdischen Geschichtswissenschaft mit besonderer Liebe anliängen. Ks ist doch zumindest höchst sonderbar, dali Männer, denen die Lehren aller Weisen wirklich seh^ gleichgültig >ind, sich alle erdenkliche Mühe gaben, selbst die Kiubandsdeckel eines alten Talmudexemplars wissenschaftlich zu zergliedern und zu erklären. Dieser ihr Kifer müßte sie auch daun verdächtig machen, wenn wir ihre Heweggründe nicht kennen würden. Entweder sie wollen damit sagen, daß das Judentum bereits der Vergangenheit angehört, dali schon die Zeit gekommen ist, Inventur zu machen; denn die Gegenwart, in der man (jeschichte macht, eignet sich nicjit für eine historische Darstellung, denn es fehlt die Distanz, die zur richtigen Wertung der einzelnen Geschehnisse unbedingt erforderlich ist. Wer mitten im Hochgebirge steht, wird die!rohe der einzelnen Hergeskuppel nicht richtig einschätzen, erst aus der Form gewinnt man den richtigen Maßstab. Wenn man eine Schrift dem Auge zu nahe bringt, da verschwimmen die Huchstaben vor den Augen, und so vermag pian die Schrift der Zeit, in der man steht, nicht zu entziffern. Fnseren Alten war das ganze jüdische Leben von der Nationalgebürt des jüdischen Volkes bis in ihre Zeit hinein Gegenwart, eg waren dieselben Ideale, die gleichen Kräfte wirksam und daher kommt es, daß wir gerade aus der Zeit, in der das Judentum geistig am höchsten stand, aus der Glanzperiode der jüdischen Wissenschaften nur ganz kümmerliche Ansätze zu einer geschieht-

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