Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Reform gar nicht, mehr denken. Kr wird in diesen Gegensatz hineingeboren. Kr ist sieh stets bewußt, daß man auch anders sein kann als orthodox, und dieses Bewußtsein weitet seinen Blirk und ruubt ityn die Naivität. 1 »er Russe ist viel naiver als der I n gar. Mit diesem Fehlen der Naivität hängt es zusammen, daß der l’ngar sehr mißtrauisch ist. Ks gehört sehr viel Geschick dazu, um sein Vertrauen zu erwerben. Kirn• glänzende Außenseite imponiert ihm nteht. Oh sie nicht ein morsches Innere verdeckt״ Das ist sein erster Gedanke. Kr ist in der Beurteilung ausländischer Frömmigkeit ein großer Pessimist. Kr hat viele Knttäii'chungen erlebt Kr kennt das .Martyrium der Thorann l ״r keimt die LorkYllljfen der WeTt Kr weiß, wie schwer es ist, das ersten; zu trauen, dem letzteren zu widerstehen; und er weiß, daß itm!,eben Feigheit und schmähliches Versagen häutiger unzut reffen ist, als heroischer Kampf und Sieg. Waren die l'ngarn optimistischer veranlagt, sie waren der Aguda längst heigetreten. I >er < iplimismu« ist aber nicht immer eine gute Kigenschatt. Das sollten die Deutschen aus ihrer eigenen Geschichte wissen. Wenn nicht alle Zeichen trügen, machen die l'ngarn jetzt eine ähnliche Kntwieklung durch, wie die Deutschen Kndo der siebziger .fahre. Damals wurde׳ unter dem Kindruck des wieder auftauchenden antisemitischen Gespenstes.ein Wallenstillsttind mit der Neologie geschlossen. Die inneren Kämpfe wurden zurückgestellt, um desto energischer den Kampf mit dem äußeren Feinde aufzunehmen. Den Profit davon hat nur die Neologie gehabt. Das sieht man bei uns erst heute nach dreißig unerquicklichen Jahren ein. Zur Zeit tritt an dio l'ngarn eine ähnliche Versuchung wie damals au die Deutschen heran. Auch dort wird in inauclien dvmsen ileF Gedanke eines Waffenstillstandes ventiliert. Auch dort bietet sich der Kumpf gegen den Antisemitismus als die ge-!!!einsame Plattform dar. Wir wollen ahwnrtcn, was du• l'ngarn machen worden: welchen Antisemitismus sie für gefährlicher halten: die nicht jüdische Feindschaft gegen das Thora volk oder die jüdische Feindschaft gegen die Thora religiou Ich glaube, die Wahl wird ihnen nicJit schwer fallen. Sie werden sich sageu: Kämpfen w ir gegen die Nfologie. dann steht Gott sicher