Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 3 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mißverständnisse nicht aus. Da helfen auch die modernen Verkehrsmittel nicht viel. Man muß in Ungarn gelebt haben, um zu wissen, daß die Kinheit der Orthodoxie unter d«M1 bestehenden Verhältnissen von einer Weltorganisation nicht vorausgesetzt werden kann, sondern erst geschaffen werden mfiß. Was ist aber geschehen oder fragen wir besser: was müßte geschehen, damit das, was zur Zeit vorausgesetzt wird, auch tatsächlich vorausgesetzt werden kann? Zunächst müßte man aufliören, mit Schlagwörtern zu operieren. An und für sich ist das Wort von dem gemeinsamen (Hauben an das Dogma von יד־!־ דן nichts anderes als eine Phrase, die jeder Interprotatiouswillkür freien Spielraum läßt. Die Ungarn wußten, warum sie vor fünfzig Jahren, als sie die Trennung vollzogen, nicht die Thora, sondern (len seliulchun Arucii als magna cluirta des überlieferten Judentums erklärten. Thora: dieses Wort war damals schon auf seiner langen Wanderung von Hand zu Hand zu einer abgegriffenen Scheidemünze geworden: das Wort Scliulclian Arurh dagegen hatte sich noch die Schärfe seiner ursprünglichen Prägung bewahrt. — Damit kommen wir aber schon auf das!sditisctie Programm der ungarischen Orthoiloxie zu sprechen; und wir wollten doch zuerst, etliches zur t’liarakteristik ihres Wesens sagen. Um gleich das wichtigste vorwegzunehmen: Wenn es irgendwo in der W elt, jemanden gibt, der von tieschichte und Vorsehung geradezu prädestiniert erscheint, um Schulter an Schulter mit uns den Kampf für das überlieferte Krhgut aiifzunehmen, in treuer Kameradschaft mit uns das Thorajudentum den kommenden (Jeschlechtem zu vererben, dann ist es die ungarische Orthodoxie. Unsere äußeren und inneren Schicksale ähneln einander. Heinahe um dieselbe Zeit sind Ungarn und Deutsche' in den Kampf Her Ke form, Kiuanzipation und in all die inneren Krisen, die mit diesem Kampfe 'Zusammenhängen, hmolngezogen worden. Den Sturm und Drang, der zur Zeit das russische Judentum erschüttert, die Kinderkrankheiten der Deform haben die Ungarn längst hinter sich. Wie bei uns, so ist auch dort die Neologie seit langem schon über ihre Pubertätszeit liinausgewachsen. Das muß natürlich auf die Stimmung der Orthodoxie zurück* irken. Der Ungar kann siMi eine Orthodoxie ohne Frontstellung gegen die