Jüdische Monatshefte
- Journal
- Jüdische Monatshefte
- Volume
- 1 (1914)
- Issue
- 2 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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ן olitisclicn Kampfes. Km nebliger 1*0111 iker nniU auch hier uud da lügen können. Wer das nicht kann, soll einen Verein für Wahrheitsliebe gründen, in der Politik hat er nichts zu suchen. Kin richtiger Politiker kann ohne Geld nicht auskommen; er wird darum alles vermeiden, was die Millionftre seiner Partei .▼erschnupfen könnte. Wer schädliche Einflüsse bekämpft, auch wenn Geldleute dahinterstehen, macht sich heim liehen Gott beliebt, als Politiker wird er Schiflbracb leiden usw. usw. Verstehst du nun, lieber Leser, warum der alte Jeschurun ein solch schlechter Politiker war!׳ So harmlos nämlich in der Kegel der Ausdruck ,jüdische Politik* gemeint ist, so viel Schaden kann er anrichten, wenn hei einer Uehertragiing dieses Begriffes auf das jüdische Gemeindeleben zugleich die ga׳>ze. Schar -jener Dämonen entfesselt wird, die hinter diesem Kegriff lauern. Es kann dabei eine ähnliche Zweiteilung stattflnden, wie in dem oben behandelten Gegensatz von Familie und Wissenschaft. Auch hier waltet dieselbe verdarbliehe Neigung zum Aushöhlen inhaltsschwerer Dinge, zum Herunterzerren ragender Gewalten des jüdischen Geisteslebens zur Plattheit vergänglicher, oberflächlicher Tagesmeinungen •ob. Wie dort im groüen Sack des ,Homiletischen* die tiefsten Krkennlnissc der Thoraforschung neben fahlen Eingebungen vou .Flachköpfen und Possenreiflern* lagern und hoch Uber alles, was seit jeher als jüdische Wissenschaft gilt, der moderne Begriff der jüdischen Wissenschaft thront, so wird auch hier in ganz ähnlicher Weise das ,Politische* vom rein ״Keligiösen* getrennt und die Möglichkeit einer llinausentwickliiiig des religiösen Monients Uber das politische eingeräumt. Kedcn wir deutlicher. Eine in orthodoxen Kreisen leider weit verbreitete Meinung will nicht zugelien, dass in der jüdischen Gedankenwelt eine Loslösung des Politischen vom Religiösen schlechterdings undenkbar ist : man könne in religiöser Be- Ziehung vollwertiger Jude sein und gleichwohl in politischer Hinsicht einer dem Standpunkte des — Jeschurun zuwiderlaufenden Anschauung huldigen Mn andern Worten: man könne den rel i g 1 o s e 1t-S1andpu11k( der Jescharun-Il 0 m i I e t i k teilen, ohne sich zu ileu intransigenten Maximen der Jeschurun-P 0 I i t i k zu hekeunen. ,