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Die jüdische Frau · 1926-07-15 · 9/10 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
9/10 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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hängt un wo drauf stellt: ..Feste Preise", un säst: ..liier wird nicht gehandelt! Ich lass'n Ihnen for fünfundsiebzig! Aher nur weil er Ihnen so gut sitzt! Wahrhaftig. es grenzt an unlauteren Wettbewerb, daß ich Ihnen lasse die Ware so billig! Hundert Jahr können Se werden in dein Anzug. un er is noch wie neu!" — „Ich werd’ Ihnen siebzig geben!" ..Siebzig? Wollen Se. daß ich morgen machulle werd'? Mein Todfeind soll das grolle Los gewinnen, wenn mich der Anzug nicht selbst so \iel gekostet hat! Dreiundsiebzig Mark, un kein’ Pfennig billiger!" — „Wollen Se mer'n jetzt geben for siebzig? Machen Se's kurz! Ich habb kei' /.eit!" — ..<iut. ich will Ihnen entgegeiikommen! Weil ich sch. dall ich s mit a vornehme Kundschaft zu tun habb! Sagen 'mer zweiundsiebzig Mark!" — ..In tiottes Namen!" seufzt der Kunde. „Also wattieren Se mer dje Schultern un schicken Se mer'n zu!" Wenn er wieder drautScn is aus dem Laden, nimmt mer den Anzug un ruft ..Ausgeber, packcrt Se das (iclmu|i ein. lassen >e‘s drei läge liegen, un bringen >e's dann dein Herrn! (Fortsetzung folgt I MoscQko von Parma. »Zahlung von Karl Fmil F r a n z o s. (Fortsetzung.) Als er in der Dämmerung gegen Barnovv heiniging. dachte er w ieder einmal darüber nach. „Trotzig ist sie. aber nicht schlecht, sonst hätte sie mir nicht vier Fier geschickt. Fs wäre wirklich schade, wenn dieser —" Fr-schüttdte~den Ko|>f. „NemrdcT tut ihr nichts! Aber einen (ieliebten wird sie wahrscheinlich haben, wie jede Christendirne. Fs ist doch komisch bei den Christen diese Liebe zum Beispiel! Sehr komisch! Bei uns kommt es nicht vor. Warum? In der Bibel freilich steht es. da ist ja die (icschichtc von Jakob und Kabel. Aber heute sind wir Juden anders nun. wahrscheinlich will es (iott so!" Das war eine Frklärung. aber sie genügte ihm nur für fünf Schritte. „Fs ist doch sehr merkwürdig! Also der Haw rilo und ich! Zwei Menschen, zwei Kameraden! Und doch ein Unterschied, wie Tag und Nacht! Hm! hm! wer hat es besser? Fr hat eine Liebschaft mit der schwarzen Magdusia. die beim Pfaffen dient, allnächtlich ist er bei ihr. der Schlingel; wird er sie heiraten? Nein! Und sie ist nicht seine erste und nicht seine letzte Liebschaft. Also nur dann, wenn ihm eine besonders gefällt, heiratet er sie; ich aber, der ich auch ein Mensch bin. ich habe eine Braut und kenne sie nicht! Ich bin ein Narr gewesen, ein großer Narr! Und ich will meinem Reh Itzig sagen Von ferne kam ein seltsames Klingen, urplötzlich, jäh. Moschko verstummte und horchte. Schrill schnitt es anfangs durch die laue Luft, dann ward der Ion immer weicher, zitternder, leiser. Fndlich vvar's nur noch ein süßer, melodischer Seufzer, der langgedehnt dahinschwamm und endlich ertrank und starb in der Stille des Sommerabends. Moschko wußte nicht, woher das Ionen rührte, aber er grübelte auch nicht lange darüber. ..Ja'" fuhr er heftig fort, „mit dem Marscliallik will ich reden, (iefällt ihm die Rosel so gut. so soll er sie selber heiraten. Ich nehme nur eine solche, die mir gefällt! Und wenn er mir sagt: „So schau sie Dir doch erst an!", so erwidere ich: „Mir gefallt überhaupt keine, mit der ich ohnehin schon verlobt bin!" — Ja! selbst will ich suchen! War ich der erste Jude, der Schmied geworden ist. so kann ich auch der Frste sein, der sich seine Braut selbst wählt! (ilelch morgen will ich mit Reh Itzig reden, morgen früh und Wieder war das seltsame Klingen in den Lüften, aber nicht dies schnitt ihm das Wort entzwei, sondern ein ücdankc. der ihn jählings ubermannte. „W ic komme ich darauf? Und wenn mir der Marschallik sagt: .Hestern hast Du mir noch gesagt: Tut. was Luch Recht scheint - und heute willst Du nichts mehr davon wissen, wie heißt?' was werd' ich ihm sagen? Nun. für ihn werde ich schon irgend eine Antwort-haben,—Aber was sag1 ich mir selbst? Wenn es mir gestern recht war. warum heute nicht?" Fin Name klang in ihm auf. eine Destnlt tauchte vor ihm empor, aber heftig schüttelte er den Kopf und murmelte zornig: „Nein, es ist nicht wegen der dummen Christendirne! Nichts geht sie mich an. gar nichts! Und warum soll ich nicht das Madel von Chorostkow heiraten? Ich tu's nein! ich tu s doch nicht . . . Ach!" seufzte er plötzlich auf. so recht aus tiefstem Herzen, „was ist mit mir geschehen, daß ich selbst nicht weiß, was ich will!" Die Klänge waren immer deutlicher geworden, aber auch immer schriller diirchtouten sie die Mond nacht. Ls war. als strahle sie ein kleines tjoldklumpcheii aus. welches fern. fern, mitten in der silberbeglanzten Haide sich hob. So war es auch Jenes t loldklumpche» war ein Hirtenfeuer:-da lagen die jungen Burschen im Kreise und bliesen auf der I ritschka. der kurzsticligeu. Iielltoneudeii. ukruiui sehen Hirtenpfeife.--Der Weg des (le-sellen führte dicht vorbei. Aber schon von Ferne konnte sein scharfes Auge die einzelnen tiestalten unterscheiden. Da saß auch sein Retter aus der Not des Hungers und ha ger. w ursterfullter I raume, der braune I v sko. Kaum fünfzehnjährig konnte das Kursclilem sein, aber die I ins^mkeit reift den Menschen, dieser Hirtenknabe war verwegen und sehlau. wie ein Mann. Auch in anderer Richtung mochte sein Wissen über die Jahre gehen, denn sehr hell und mit bedeu tendem Aerstandnis begann er plötzlich das Sshelmcnlicd zu singen: Itruun uit die IIjscIiiuU l nd ihi c I utrnd i*t Ihinncf jl /uitti lUH t in dünn' ludiheti leiht |ljs ol u lluuih. I «>^.1, ujrui s Kelten ivh llrKsht sie 4Uih' Aber der Bur sehe nel*en ihm. der blonde Hntzko der es trotz seiner Jugend Inrcits zu der Wurde eines Ntadt-t ienieinde-Hirten-t ichilfcn von Barnom gebracht, war weit sentimentaler aufgelegt In lang gezogenen Ionen sang er. daß jedes Wort dem Nahenden entgegensthlug Meine t icl**te hub kK lieb I nd sie ot mit nuct Wie um staubig-heilten Mci t*tn tielbUuet Wöbet JttdbctM Fi wtUmt _Dlt Pr»«"! II

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