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Die jüdische Frau · 1926-07-15 · 9/10 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
9/10 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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tet-Kcklopft. „(jebcii Se sich nur rechte Muli! I.erneu S. \mi >e was lernen können! Mecken Se Ihr Nas » alles, was Ihnen vorkommt! Wenn Sc was nicht w rsteheu. fragen Se' I raxen is kei Schund und kost nt\! Lernen Se vor allein Sprachen! I »e»n Sprechen is die Maiüdsach bei s (ieschaft! hie besten (ieschaft sin immer die. hei denen am meisten Kcs|>rocheh ,,,, .itn wenigsten schriftlich KCKcben wird." ..Was redst de for MuH!" hat ’n der andere <ie- I.luder Mecer iinlerhrocheii. „du machst ,|>« >' — tun ec—M.iiill «an/ ■mesehuKKc!Lall ’n doch erst .tinaI sieh eincewohnen hei uns! Herr Vcilchcnsticl. sin Sc so v:nl im stellen Se den Morit/. de uhricen IU rru im t lesehaft v or!" Mein Beclciter. Herr \ eilehetistiei. hat mich also aus in l’n\at-Lomptoir eraiisvjefuhrt. l n er hat 11neh jedem vorKcstellt. un hei jedem hat er leise «•iine Hemel hmiKcn da/u gemacht, so daH die Zeremonie etwa folgender malle» eelautet hat: .1 »sei neuer I ehrliiiK- Herr Morit/ Silherstock unser Buchhalter. Herr Low enstein. L Cliamliier so crolt. dal! liier / w e t draus machen kann. W ie ihn die llchumm’ gesehen hat. hat se Kesehricn: Iran I .uw cnstcni. Se sollten das Abonnement im /oohirischen tiarten .infccbcn. Sy ||,i|kmi sieh wr-— sehen .1 nser neuer l.chrJuiK. Herr Moritz. Silherstock unser Korrespondent. Herr Colin. — Wenn sein \ erstand so Kroll war’, wie seine Nas'. dürft' er sich was cinhildcn! I.r is verheiratet. Können Se sich n Hecriff niacheii. wie die I rau ausvtuckt. die den eenomuieii hat!“ .1 nser neuer l ehrlim;. Herr Morit/ Silherstock unser Weisender. Herr I ulpendufl. Lrsclircckcn Se uielit. die Natur erlaubt sieh manchmal solchene Wit/e. Wenn der Leih un der Kopp nicht waren, könnt' liier mit seine Hein' Weif spielen!" .1 nser neuer Lehrlim;. Herr Moritz Silherstock unser I acerist. Herr Lilienfeld. Wenn er hei cas-tan war', »lullte» Se /eh» l'fenniK I.intritt /nlilcii Ir ist keine kreii/iitiK von (iorilla un HiiIUIokk! I r sieht nur so aus!" I s war uhrieens auch a < inj im (ieschaft aiiKestcllt Aber er hat nix zu sacen Keliaht. weil er der Ausläufer war. ludern er jedoch früher amal drei l.ilue in a christliches Hankceschaft gewesen is. hat er mehr bv-braisji gekonnt als wir anderen zusammen Ich muH noch einices von de l'rinzipaler erzählen. Se haben siv.h entliehen, vv ie ein faules Li dem anderen. Un ich liahh se nur unterscheiden kckoiiut voneinander dadurch, dall der eine (iehruder auf der Nas' c» /.w ichcr eeliaht hat, wo der andere (iehruder nur a W a r /' eeliaht hat. l n ich liahh se deshalb eelauft: .der Herr (iehruder in i t dem Zvvikket " un ..der Herr (iehruder ohne Zwicker". Maid hin iji dahinter Kckotutuen. dall der Herr (iehruder ohne Zwicker der Ober melecli in dem (ieschaft war I r hat alles dirigiert mit a Seele»ruh wie a Napoleon nur hat er nicht so uut französisch gekeimt . wahrend der Herr (iehruder mit dem Zwkkcr is for watend ermmierennt im Hum un hat die I eut doreheiiander gemacht un hat ewic gemacht a Zorcs un a (ledipper. als wenn er halt' Uiiceksilbcr im Haueh Uas is vielleicht gekommen daher, dall der Herr Mevet mit dem Zwicker is verheirat' kcwesen u» sei Hr»deriehen ledic. Her \ erheiratete hat de Ne dm Je von sei I rau ms (iesch.'ifl eehr acht, un der andere (iehruder sein Verstand Was m e i n e Ansieht is. so war der X erstand mehr wert. Heim der ärmste Mensch kann zwar mit Verstand zu Mesumnien kommen, aber-der reichste Mann kann sich for sei (ield kein’ Verstand kaufen. Höchstens kann er dafor die W isseitschaft lernen, aber die h o h e r e BildmiK. ich mein' die H e r z e n s b i I d u n k . die kriect er nicht ätnal heim Tietz. Hie bekommt mer nur hei dem Krollen Architekten, der die Welt «ehaut hat in sechs laKeu. un der verscliachert se nicht, dem imponiert kei (iold un kei Silber. Lr hat kein (iehor foi das Kla|H>ern vom (iold. aber er hat a sehr feines (iehor for die Keheinisten Rckuiikcii des menschliche» Herzens, un er hört manchen leisen Seufzer besser, als manches lauteste (iebet. Im Anfam; liab'ii se im (ieschaft ilir'u Stuli mit mer Kemacht. se haben mer aufxehalst alle Arbeit, wo ihnen selbst zu laiiKweiliK war. un haben mer kciili/.t vorne un hinten. So hat mich der Huchhalter abends neben sich gestellt, wenn er die Most frankiert hat. un hat kommandiert: „Strecken Se de Zum; eraus!" Un dann hat er an mei’ Zumr eine Mriefmark nach der anderen befeuchtet. Zwei TaKc* lam: hat mer's «anz «ut Kesehmeekt. dann liabb ich Kciiuk Keliaht. un ich habt) zu dem Huehhalter ire- —..Ich liabb jet/njCnü« Keleckt: jetzt können S ie amal lecken! Ls brauchen aber nicht Kerade die Wiickseiten von den Briefmarke » zu sein!" Alle haben se Kclaeht, un der Zwischenfall hat viel dazu beicetraneii. dall se ä hilichcn mehr Respekt vor mer KekrieKt haben. Mei' HauptheschäftiKUiiK war das Kopieren von den Briefen. Ls is mer soweit auch Kauz Kut Keilnuten, »or hat mer die Briefe meistens nachher abschreiben müssen, weil se total verwischt waren. Hann liabb ich helfen dürfen die Kisten auspacken. Ae sehr interessante BeschäftiKUiiK- Wenn zum Beispiel so ä Aiizuk u n s kostet .Kt Mark, so kann mer n Weiterverkäufen for sechzig Weil mer aber doch ä reelle Firma is. nimmt mer ä Ltikett’ un schreibt drauf: „Früher neiinziK Mark, jetzt reduzierter Breis nur noch achtzic Mark." Kommt dann ä Kunde, so spielt sich miKcfähr folKcnde Szene ab: „Was kost’ der Aiizuk da?" — „Der braune? Se haben ’n feinen (leschmack. mein Herr, ä sehr Kitten (ieschmack! Lcliter etiKlischer Stoff! Wollen Se ’n amal anprobieren? Ls is kein KaufzwaiiK. mein Herr! (iott behüt’!" Zieht dann der Kunde den Allzu K an. un er js ihm so weit, dall mer aus dem iiberflüssiKc» Stoff noch a paar Hosen extra machen könnt’, so saKt mer: „(iroüartiK sitzt er! Wie a»Ketnessen! Ich wünscht’ weil! (iott. alle Menschen hatten so ü wundervolle LiKur-wie Sie!" — „Linden Se nicht, daü er a billchen weit is?" fräKt der Kunde Kauz ciiiKcschiichtcrt. „Weit? WO is er weit? Ae Aiizuk muH volliK sein! UebriKcns. mer wollen ihn Kern an den Schultern wattieren. Ls kost’ nix extra. Bis wann sollen wir Ihnen den Aiizuk schicken?" — „\\ er redt’ v mi Schicken?" rafft sich der Kunde auf. „So weit sin mer noch nicht! Was soll er denn kosten?" „AchtziK Mark! Auf den llühnerauKcu soll ich blind werden, w-ejui mer nicht drauflcKC’ii bei dem (ieschaft! In dem Aiizuk können Se zu Hof Kellen, wird der Kaiser frnKeu: „Wo lassen Sie arbeiten. Herr Unterthanleben? Schreiben Sie mer die Adresse auf!" SchlüKt der Kunde die Hände uber’n Kopp zusammen, nimmt se wieder herunter un sact damit: „AchziK Mark? Liir den Aiizuk? Wo schon Kauz zerschlissen is? Wo kein Knopf fest dran sitzt? Wo das Lutter schon platzt? Wo mer viel ,u eiiK is? Ich werd Ihnen seclizk Keben!" /.eiet mer auf das Schild, wo über dem Ladentisch 12 . Jüdische Frauen, werbt für „LH« tüdbeb« Frau**!

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