Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9/10 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4899998-4932217-4932312--422-4900399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 MoritzcQens TagebucQ. Mitgcteilt von Karl H 111 i n g c r. (Hortse „haben Sie hier Zimmer?" habb ich weiter gefragt. _. jktoben-Se man! -V »m vier Mark bis zu die feinsten!“ Wie ich gehört habb vier Mark, habb ich gemeint, mich trifft der Schla«. bür das biüchen Schlafen vier Mark! Ae Sprichwort saut: Dem Gerechten gibbt's der Herr im Schlaf, aber mir scheint, es sollt weiter Kelten: und der Hotelier nimmt's ihm wieder im Schlaf! Der Kellner hat mer angemerkt. daU mer die Geschichte nicht recht gepaßt hat. »» hat gefragt: ..Woll'n Sc nu’n Zimmer haben?“ Könnten Sc mer's nicht for drei Mark fiiffzig lassen? Ich bleib, auch nur e i n e e i n z i g e Nacht!“ Hat sich der Kellner umgedreht un is fortgegangen. „Was laufen Se?" habb ich ihm »ad'gerufen- „Habb ich Se gebissen? Mer muh sich doch erst verständigen! Ich werd' Ihnen drei Mark achtzig eeben!“ „Hei uns wird nicht gehandelt!“ hat er sehr grob gesagt. „Hs wird nicht gehandelt? Un ich habbs for so ä feines Hotel gehalten! Also, in Gottes Namen, werd' ich vier Mark anlcgen." Ich habb mci Köfferche gcnommen un der Kellner hat mich in mein Zimmer geführt. Ae Glück. daß mer nicht in Amerika waren, wo's die höhen Wolkenkratzer gibbt. Sonst hält' er mich sicher in den siebenunddreißigsten Stock geschleppt. In Berlin hat's auch der fünfte Stock getan. Ueber die Aussicht w ill ich nix sage». Sie war sehr schön. In alle benachbarten Schornsteine habb ich gucken können. Hs war auch recht angenehm, daß über mer keine unruhige Partei gewohnt hat. weil das Haus zu Und’ war. Aber das waren auch die einzigen Vorzüge von dem Zimmer. Noch nie in mei Leben bin ich so froh gewesen, daß ich kei Wiese Goliath bin. Sonst hält' ich den ganzen Kopf» voll Beulen gehabbt. un in das Bett war* ich überhaupt nicht creingcgangen. Auch sonst hat mer Verschiedenes wenig zugesagt. Ich bin im allgemeinen ä Tierfreund. Aber ich halt mich mehr au die g r ö U eren Haustiere. Weil mer die wenigstens erwischen kann, wenn se ein’ heißen. Und ich habb's auch am nächsten Morgen zu dem Kellner gesagt: .Herr Kellner.“ habb ich gesagt, „binden Se bitte in Zukunft ihre Wanzen Maulkörb um! Hs is nur. damit sc sich an den harten Matratzen keine Zähne ausbeißen!“ Hs hat auch in dem Zimmer ä sehr musikalischer Schrank gestanden: Wenn mer die Tür aufgesperrt hat. hat er gesungen wie ä Katz. der mer auf Schwanz getreten is! Ae Stuhl! Alle vier Beine hat er von sich gestreckt, wenn mer sich drauf gesetzt hat! Aufm Nachtschränkche hat c Leuchter gestanden aber damit Ich nicht zuviel Licht verbrenn' haben die Streichhölzer gefehlt- Innen drin in dem Nacht* kästchc is — nix gewesen. Was mir mitten in der Nacht «ehr unangenehm aufgefallen is! Aber ä gehörige Portion Müdigkeit is ä noch besseres Ruhekissen. wie Ä gutes Gewissen. un so habb Ich groß artig geschlafen Zeitig um sechs bin ich auferstanden und habb mich fertig gemacht l> h hahh damals noch nicht gewußt daß mer Nachts die Stiefel vor die Tür stellt, un habb deshalb die zung.) schmutzigen^ Schuh vtm^gestern ^wicder angezogen_ sc ohne zu lugen auch I cc nennen 'können un hahh bezahlt. Mehrere Minuten lang habb ich mer überlegt, soll ich dem Kellner fünf oder zehn Pfennig Trinkgeld geben? Zuletzt habb ich noch for zehn entschlossen. Aber sollt* mcr's meinen, er is nicht zufrieden gewesen, sondern hat mer se wiedergegeben un gesagt: „Koofcii Se sich n Rittergut dafür!“ „Ae Rittergut?“ hahh ich 'in zuruckgegeben „Dafor habb ich momentan keine Verwendung Aber Insektenpulver werd' ich mer kaufen, denn ich habb die Nacht mehr Blut in Ihrem Hotel vergossen, wie mancher Ritter!" Also habb ich mich aufgcinaclit und bin zu de (ichruder Meyer gegangen. Hs war inzwischen acht I hr geworden un das Geschäft war schon auf Ich habb mich im Ladenfenster besehe», ob ich auch schon bin. un bin dann eingetreteii. Is a junger Manu auf mich zugekommen un hat gesagt: ..Guten Morgen, mein Herr! W omit darf ich Ihnen dienen '" „Mit niv!“ habb ich entgegnet. „Ich bin der neue Lehrling un möclit gern zum Herrn Mever'" Wie der junge Mann das gehört hat. is auf einmal sein Poiiem. was bisher so freundlich gestrahlt hat. wie a Vollmond.’ sehr herablassend geworden Hr hat mich angeguckt, als ob ich ‘ui Gott weiß wie viel schuldig war', un hat gemeint: „So. Se sin der neue Lehrling? So. so!“ Un er hat sich ui a sehr hochmütige Weise geräuspert: „Kommen Se mit! Ich werd' Se zum Chef fuhren!“ Mer sin nun durch den Laden »ach hinten gewandert, wo die Buror.iimic waren im wo an der eine Tur gestanden is: . Privat Comptoir“. An diese I ur hat er angeklopft un ., Stimm hat gerufen: „Draußen bleiben' Ich will mei Ruli haben!“ Daraufhin sin mer creingcgangen Hallen da zwei Pulte gestanden, un vor jedem Pult is ä Mann gesessen, un jeder war a halber Gebrüder Meyer. Wie se midi gesehen haben, is der eine aufgestanden un hat gesagt: „Hs tut mer sehr leid, mein Herr, mer können nichts zurucknchmcn! Das ist unser Geschäftsprinzip!“ „Hutschuldigcn Se. Herr Mever." hat mein Begleiter gesagt, „das is nur der neue Lehrling'" Italien se gelacht, un der eine McveT'liat wiederholt . ><>. Sie sin der neue Lehrling! Nu. nehmen Se Hat/' Was macht Ihr Herr Papa?" ..Durfte. es geilt in ganz gut “ „Das freut mich. Herr Silberstock' Wie heißen Se eigentlich mit 'm VofTtamcn? Bel uns werden alle Lehrlinge mit in Vornamen gerufen'" „Mein Name is Herr Moritz'" Ich habb absichtlich Herr Moritz gesagt weil mer das gar nicht gefallen hat daß ich sollt mit in Vorname» gerufen werden. War ich doch damals schon fünfzehn Jahre alt" -» Der e i u e Gebrüder Mever hat den anderen Gebrüder angesehen, dann hat er gcxduminzclt un gemeint. J.r hat Chutzpe. der Jung' Hr gefallt mer' Aus dem wird was!“ ..Mer woln-n’s holten'“ habb ich gesagt . An m i r Soll s nicht liegen'“ „Au uns auch nicht'" hat der andere Gebrüder Meyer gesagt uu hat mer mit der Hand auf die Schul war* ttr JN* (MbdM rras“! II