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Die jüdische Frau · 1926-07-15 · 9/10 (15.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
9/10 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Vas fUdiscße Kind Nr. 5 | BEILAGE DER ZEITSCHRIFT .DIE JÜDISCHE FRAU* | luni in« Der Ciebe Heimat. Märchen von M. F r a n k. Als die Menschen aus dein Paradies flüchten muhte», erfüllte sich der Fluch an ihnen, hie Frde trug I hirneil und Disteln, und sie muhte» ihr im Schwoibe ihres Angesichtes das tätliche Hrot ahlingen. Krankheiten traten auf. Not und Flend herrschten. Da beteten die Leute zu (iott, und der Allmächtige erbarmte sich ihrer. Fr sandte ihnen gute Fngel. sie zu trösten und bei ihnen zu bleiben. Nach Jahresfrist kamen sie wieder zurück und legten Rechenschaft ab. Die (ierechtigkeit war im (ierichtsliof eingekehrt, die Weisheit bei den (ielehrten. die Wahrheit bei den Propheten, die Hoffnung bei den Kranken, die Treue bei den (ieschwistern. der (ilaube bei den Priester», die Unschuld bei den Kindern. Die Liebe war die letzte von allen. ..Herr." sagte der hngel. als er endlich eintraf. ..erst seit heute habe ich eine Heimat gefunden. Soviel ich auch suchte, nirgends fand ich dauernden Aufenthalt. Ich kam zu der Hraut. doch reine Liebe war es nicht, die sie zum Manne zog. Sie war mit Selbstsucht gemischt. Ich ging zum Priester. So gastlich er den (Hauben aufgenommen, mir wies er die Türe, denn meine Ansicht war nicht die seine. Hei den schuldlosen Kindern suchte ich eine Stätte, sie verstanden mich nicht. So zog ich von Haus zu Haus und fand nichts. Schon wollte ich zurückkehren, zu dir. Herr, denn die Menschen schienen meiner nicht wert zu sein. Da gewahrte ich plötzlich ein Licht und ging dem Scheine nach. Ich schaute durchs Fenster. Fs w.ir eine armselige Hütte, her Anblick im Innern war herzergreifend. \or einem ärmlichen Lager kniete ein abgehärmtes, blasses Weib mit com Weinen geschwollenen. von Nachtwachen schweren Augen. Im Helte lag ein schwerkraukes Kind, das die arme Mutter mit Aufbietung ihrer schwachen Kräfte dem lod abzuringen suchte, ha trat ich naher, füllte ihr Herz mit hundertfacher Kraft, und cereinigt gelang es uns. den Würger zu certreiben. Mit einem Jubellaut sank sie unter beiden haukestränen ui die Knie Diese Tränen waren ein hankgehet. es war Frlosung aus tiefster Seelemju.il Sich selbst und die eigene schwache (iesundheit vergessend, pflegte sie das Kind bis zur willigen (ieiiesung. nahm freudig, ohne zu murren, ihr schweres Tagewerk auf. um Hrot für sich und das Kind zu schaffen. Und ich wuUte. daII meine einzige wahre Heimat auf Frden das Herz dieser Mutter sei. die würdigste Statte der reinen liebe, denn sie allein ist selbstlos." her Ingel schwieg, (iott aber segnete ihn und wies ihm den gewählten Platz auf Frden an. Seitdem hat die I ielv im Mutterherzen eine dauernde Heimat gefunden Der Vogel Strauß. Von S i d o n i e Rosen b e r g. In den Tiergärten sieht man den grollen W ustenslrauli. dessen Schwanzfedern die kostbaren Struubiedern liefern. Das erwachsene Tier erreicht eine Höhe von etwa zwei Metern, ist kräftig gebaut, besitzt jedoch nur ganz verkümmerte, zum Fliegen untaugliche Flügel und Schwungfedern, die jedoch ganz eigentümlich geformt sind. Fs fehlen ihnen die kleinen Hückchcti. die bei anderen Federn die einzelnen Strahlen Zusammenhalten, und so bilden sie keine zusammenhängende Fläche, sondern gleichen einem Hüscbel haarähnliclier Fasern, solange sie im Urzustände sind, her Straub bewohnt die Steppen und Wüsten Afrika?« bis tief ins Kappland, den Nil. Fuphrat. Arabien und Südpcrsie»; cs genügt, wenn nur ein ganz spärlicher Pflanzenwuchs vorhanden ist. er bedarf nur reichlichen Wassers, und. uni dem Wasserlauf zu folgen, durcheilt er weite Fbenen. Fr nährt sich von (iras. Kraut. Körnern, kleinen Wirbeltieren. aber auch Steine und dergleichen finden im ..Straubenmagen*4 Platz. In Aegypten, in der Nähe um Kairo, befindet sich eine grobe Straubenfarm, J. h. man hält sie auf einem groben, eingefriedeten, mit (letreide und Luzerne besäten Feld, und überh'iflt sie sich dann selbst. Fine Henne legt oft bis zu .kl Fiern; merkwürdigerweise sind cs hier die Männchen. welche die Fier bebrüten, hie Fier sind vorzüglich, besonders die I »otter Das Fleisch junger liere ist im (icschmack dem Rindfleisch ähnlich, nur tranig: aber das Fleisch älterer liere ist vollständig ungeniebhar: dagegen wird das Fett im frischen Zustande in Afrika als Heilmittel bei Frkallungcn zu Finreibuiigen vielfach benützt. In Afrika wird der Straub ..der von Allah gestrafte Vogel" genannt her Maler Däumling erzählte vor etwa .di Jahren diese Legende, welche er auf einer Reise in Afrika von einem Fingeborenen vernommen hatte hie Legende lautet. ..I>er Straub wurde von Allah gestraft seines Hochmutes und seiner (joltlosigkeii wegen. Vor Zeiten besab der Straub so gewaltige Flügel wie der Adler und er konnte mächtiger fliegen als alle Vögel des Feldes Aber weil er der gmbte von ihnen allen war. beugte er sein Haupt nicht unter die Hand des Allmächtigen, ha sprach eines lages zu ihm sein Freund, der Wüsten trappe „Lieber Hrudcr. so (iott will, wollen wir morgen miteinander an den FluU fliegen, um dort zu trinken, und dann kehren wir wieder zu unseren Kindern zurück so es dem Allgütigen gefällig ist."

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