Mannheim
Compact Memory

Die jüdische Frau · 1926-07-15 · 9/10 (15.7.1926) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
9/10 (15.7.1926)
Date
1926-07-15
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4899998-4932217-4932312--413-4900390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

••ich bei einem Ausgange verspätet, ein angeheiterter IiiirM.be rill das sclinne Mädchen, das ihm begegnvte.-an sich »nd küßte es. K.ine zufällig des Weites kommende Klatschbase liinterbrachte dies der Stiefmutter und soritte dafür, daß Kabel als die (ielicbtc des jumten Menschen ins t je rede kam. Krau kleiene stellte die luchter dem Vater als leichtsinniges GesJu'.pf lim. und Kabel verzichtete trotzig auf jede \ erteidiituint. Kafael Ifluni, ein im Punkte der Khre empfindlicher, ebenso gutmütiger wie jähzorniger Mann, schlug das Mädchen und verbot ihr das Haus. Was nutzte es. daß der Bursche, seine im trunkenen Mute begangene Mundluiigsweise bereuend. Kabel zu entlasten suchte, der erboste Vater uar mir noch mehr \oii der Schuld der luchter überzeugt und warf den jungen Mann hinaus. Nur einer stand treu au Kabels Note. es war der kleine Bruder Josef, der imt munter Liebe an der schonen Schwester Ihm!, her Knabe billigte die Mundluiigsw eise seiner Litern nicht, sh „nie er war. sah er doch, wie unrecht sie t..ten In wilder Vcr/.weiflnug war Kabel damals zu I rau Kosenthal gekümmelt. die alles tat. um das im Innern aufgewühlte, in ihrem Stolze tödlich ver- Ut/te Mädchen zu beruhigen. Sie kannte ja den uiiien Charakter der Nichte, die ihr im Laufe der l.;hre zum Sorgetikinde geworden war. Welche Amts! hatte sie das leidenschaftliche Wesen könnte selbst Hand au sich leiten! Bei dem Andenken an Mutter und < irolimutter hatte ihr Kabel schworen müssen, es nicht zu tun, aber das hatte sie nicht verhindern können, dal! das Mädchen die Heimat \erhell, um ui der nächsten Großstadt bei fremden I eilten eine Stelle im Haushalt anzunehmen, da ihre Kenntnisse zu keinem anderen Berufe reichten. So konnte auch die liebende l aute es nicht hindern, daß das Schicksal seinen I auf nahm, welches Kahel aus den Ke dien der jüdischen < iemeinschaft führte, wodurch das lockere Band, das sie noch mit dem Klternhau.se verknüpfte, für immer riß. Mit zitternden I mgcrii nahm die alte I ran ein Buch aus der verschlossenen Kommode, viele e»g beschriebene Zeilen w aieii es. die ilu das M.irt\ rinn) der Nichte und das «leheimms ihrer Seele verrieten. Blätter, die nur 1 iir sie bestimmt waren. I’in Brief fiel heraus. Krau Berta hob dm auf und las diu zutu soundsovielten Male mit iiherstmnicndcii Almen: .,(1.. den li. Juli. 19 . . Geliebte, teure Tante! Verzeihe, daß ich von Deiner so gut Kerneinten Kinladung nicht Gebrauch machen kann. Ks gibt kein Zurück für mich. Wie gern flüchtete ich mich in Deine mütterlichen Arme, wie gern weinte ich mich an Deinem treuen Herzen aus. Ls gibt aber bei allem eine Grenze, so auch hier. Ich weiß, mein Vater wird mich, kaum versöhnt, ganz verstoßen, sobald er meinen Kntgchluß kennt. Mir bleibt keine andere Wahl. Ich heirate einen Niclitjuden, mit dem ich in Amerika mein Leben neu beginnen will. Kr ist ein edler Mensch, der mein hartes Los kennt und der weiß, daß es keine Liebe ist, die mich den Schritt tun läßt. Verfluche mich nicht, auch Vater soll cs nicht tun. Ich bin und bleibe Jüdin. Dr. Weber gab mir sein Khrenwort. meine religiösen Gefühle zu schonen, und mir auch in der Krziebung unserer künftigen Kinder freie Hand zu lassen. Kr wird es halten, er ist ein durchaus vornehmer Clfaraktcr. Kabel wird von jetzt ab tot für Luch sein, ein vom Stamme der Blums getrennter Zweig. Auch für Dich, geliebte Tante. Kin jüdisches Mädchen, das eine Mischehe eingeht, existiert auch für Dich nicht. Toten weiht man ein liebendes Gedenken. Mir weint keiner eine Träne nach. — Noch eine letzte Bitte. Ich sende dir mein Tagebuch, lies es. Du sollst einen Kinhlick bekommen in das. was mich in die Khe mit Heinz Weber treibt. Mit meinem Herzblut sind die Zeilen geschrieben. Du wirst mir nicht fluchen, wenn Du den Inhalt kennst, der nur für Dich bestimmt ist. Sündige ich. so möge mir Gott verzeihen. Die größere Hälfte der Schuld fordere er von einer anderen. Ohne ihre herzlose Handlungsweise wäre alles anders gekommen. Vater will ich nicht auklagcn. aber auch er mußte wissen, daß auch das Kind erster Khe Anspruch auf Rechte hat. Möge er mir vergeben, wenn ich ihm webe tue. Küsse ihn für mich und sage ihm. ich werde trotz allem eine gute Jüdin bleiben. Lasse Dir nochmals für alles danken. Du meine einzige Kreundin. Möge Dir das Gute, das Du der armen Waise getan, durch Hermanns Gluck vergolten werden, und möge der Stern der Blums, der sich mir verhüllt. Dir um ko freundlicher scheinen. Ks küßt Dich zum letzten Male Deine Kabel." (Fortsetzung folgt.) Kalendarium. 10 Msll |M>4 l! M.ll I M» | .s> M.ii I.-.SI V Mji IV|U :» Mji i»;4 .'4 Mji l»|o .w M., |*v| M.H i»>»i Mji IJw .'» Mji IMS .» Mji |wi| 10 Mm i Hildesheimer /u I'immsIjill geboren. Rrbbrirer der < iuiiiiikIc Adjss Irsrocl in Hcrltn. Vithjn llirnh. nm (Mjthi.rs Ascher.) einer der erstvn /mmsten und Namcnsgcher dieser Ileweg mit: zu Wien gehören. Rabbiner I irre! Hildesheimer bedeutender I aimudist. /u Mjlhersljdl gehören. (Starb I? Juli lsvx/1 Prot I >r Herrn > ippenlreirn. bekannter Neurologc. in Merlin gestorben I uduig t rank. /u Nimm nw cicr geboren. So. /uldeniokraliselicr RckIiMjgs.ibgeordneler fiel /u Anlarig des \\ ellkrtegcs. I>r Abraham t reiset. md tielebrter und Vorkämpfer der Reform". geboren. (Slarb t Oktober 1*74) li/ehak I erb Pcre/ ru /amor/i geboren, gehört /ii den groUten lud Sehrittstcllcrn. Mas Mrod. t»i*.Irrer. ru Prag geboren. I lonunlhjl Maire \ Komponist. In Paris geboren I eo|><dd Auer in Vcsrpnrn U ngarn) geboren. Prolessor der Musik. V lolinvIrtuosc. tirundung des Hillseerein« der deutsehen Juden. .*0 Mal IH.Sri: Rabbiner l)r. Ludwig Rosenthal in Rogascn geboren. Talmudforscher. .tri. Mal 1794: Ignaz Mosehelcs, Komponist und Klaviervirtuose. zu Prag geboren. Intimer Freund von Karl Maria von Weber. .) Juni 1*79: Linocl Nathan von Rothschild. Mitglied des englischen Unterhauses, gestorben. -4. Juni IS.V4: Paul Friedrich Aug. Aschcrson. bedeutender Botaniker. gestorben. LAschs"). 4 Juni IK.W: ProJ. Hermann Cohn, berühmter Augenarzt, zu Breslau geboren. 5. Juni ISAM: Ludwig Geiger.' Literarhistoriker, zu Breslau geboren. * Juni 1*67: Max I. Friedlinder. Kunsthistoriker, zu Berlin geboren. II Juni 1909 Dt. Siegmund FrinkeL ordentl. Professor für semitische Sprachen a. d. Unlversliit Breslau, gestorben. I.' Juni 1*9.1 Ccntralverem Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegründet (Gründer Justizrat Dr Fuchs. I.l. Juni l*6A: Aby Warburg. Kunsthistoriker, zu Hamburg geboren. b JttdbdM PrMMk wtrb< Nir JN« MdtedM PrMM!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.