Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9/10 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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«in«, hatte er sie nicht ver«essen und hatte die t1andlnn«s\\ eise der Litern nie he«ritten und sie verurteilt. I»er Friedhof vvar jjrreicht. er vermochte kaum die Zahl derer zu fassen. d?e dem all«etnein beliebten Manne die letzte Ehre «ahen. I >cr den Kabbiiier vertretende Kultusbeamte hielt eine er- «reifende Kedc. Jedoch mit keinem Wort erwähnte er diejeni«e. an die doch title Anwesenden dachten und die ein jeder vermißte. Sohn und Schwester des loten traten vor: dm»i»t fielen die Schollen auf den Sarg. Die Leute verliehen den (iottesacker. Das (irab scliloU sich über einen milden Ljdcnburger. das Leben forderte wieder seine Hechte. Tante Bertas Erinnerungen. Als Frau Koseiitlial ihre Wohnung erreichte, war es mit ihrer Selbstbeherrsclmn« vorbei. Yolli« gebrochen sank sie auf einen Stuhl. Das also war das Lude des «eliehtcu Bruders. Litt von Selbstvorvvürfeu gepl‘inigtes Lebern ein von hoffnungsloser Sehnsuciit nach seinem Kinde gemartertes Krankenla«er. Und an allem war diese Frau schuld. Nein, sie vermochte es nicht, der Schwägerin verzeihend die Hand zu reichen, nicht, neben ihr Schivvoh zu sitzen, so leid ihr der «utmüti«e Neffe auch tat. Vor ihre Augen trat ein Bild: Ls war Freita« Abend. In einem traulichen Zimmer brannten die Schabboskerzen. Auf dem Sofa sah eine alte Frau, das silberweiß Haupt in die Hand gestutzt, starr war ihr Blick in die Ferne gerichtet, als säße sie in die Zukunft. Ls war Frau-Esther Strauß, die Schwiegermutter ihres Bruders. ..Berta.” sagte die (ireisin. ..meine Augen sind trübe geworden vom Weinen um meine geliebte Kutli. .letzt ist die Zeit da. die ich gefürchtet habe: Kafael heiratet wieder. Darf ich's ihm verargen? Er ist jung und braucht eine Hausfrau. Kabel eine Mutter. Aber daß er gerade die nimmt, bricht mein Herz. Jede, die er gefreit, wäre mir recht gewesen, wenn sie ihm ein gutes Weil), meinem Enkelkind eine Mutter geworden wäre. Ich kenne Helene von klein auf. Sie ist ohne (iemiitstiefe. herzlos, sie wird Halte! nicht lieben, das Kind ist ihr im Wege.“ Berta schwieg: was hätte sie der unglücklichen alten Frau auch sagen sollen, fürchtete sie doch das (ileiche bei des Bruders Braut. ..Der Stern der Blums verschwindet durch dieses Weib!“ Berta zuckte zusammen. Sie gedachte der uralten Sage in ihrer Familie. I s sollte in der Zeit der Kreuzzuge gewesen sein. Da war ein böses Verhängnis über die jüdische <iemcindc hereingebrochen, in der einer ihrer l rahnen als berühmter Kabln lebte. I »er Sohn des Schutzherr» der Juden starb au einer unbekannten Krankheit. und böse Menschen flüsterten dem (irafen zu. das Kind sei durch die Zauberkünste des Belehrten gestorben. Der di rch den traurigen Fall tiefbetrubte Kitter schenkte Jen Verleumdern (ielmr und verlangte. daß der greise Kabln ihm ausgeliefert werde, anderenfalls wurde das ganze Dhctto „> Flammen aufgehen. Der alte, halb gelahmte Manu wollte sieh für seine < ilaubensbriider opfern und bestand darauf, dem (iebote Folge zu leisten. Die (ietnemde fastete und betete lag und Nacht. In dieser Not faßte die lochter des Frommen einen Lutschluß Heimlich, ohne jemand etwas zu sagen, begab sie sich zum (irafen und begehrte Einlaß. Nie beteuerte die l'nscliuld ihres Vaters und bot sich an dessen. Stelle zum Opfer au Der Kitter war von dem Opfermut und der hohen Kindesliebe der schonen lungfrau derart gerührt, datier sagte. ..Nie und nimmer kann ein Mann, der ein solches Kind besitzt, -cm böser Zauberer sein!“ Selbst luhrtv er sie m die Arme des wegen ihres \ ersclivv indens bestürzten \aters und bat den (ireis um \ erzeiliung für seinen schweren Verdacht. Als der Kabln starb, segnete er die loch ter mit folgenden Worten: ,.l eher deinen Vollkommen schwebe stets ein Stern des Blocks. dir sich mir infolge einer häßlichen lat in den Wolken verbergen wird, bis ihn verzeihende Liebe liervotrufe» und wieder hell erstrahlen laßt ' Das lilüek der Blums war sprichwörtlich geworden He ichtum und Erfolg haftete sich an ihre I er sc». durch schone, begabte Kinder wurden sie erfreut und selbst von schweren Krankheiten blichen sn verschont Nur der lod. der Allbczw uiger. ging nicht vorulur So hatte er die blühende (lattm des Bruders von dem iiiimuudigeu Kinde w egge tulu t. Wurde die dustere Wolke letzt den Stern verhüllen? \TeJhicht sah die (ireisin doch zu scharf und ihre eigene Antipathie gegen.die Z-weUe Frau war gar nicht hericTüigt. Frau Berta s.,|, ein reizendes kleines Mädchen eintreten. und die ziltcrnelc Hand det l iroli mutter auf deren dunklen Scheitel segnend ruhen Sah ihren eigenen Jungen mit dem Haschen spielen Alles vorbei! Sie stöhnte Die schlimmsten Befürchtungen der (ireisin wurden uberi'oilen: die schone Helene war keine Mutter für das verwaiste Mädchen, Die blendende Hülle barg eine häßliche Seele. Jede kindliche Inart Kabels w ußte^sn zu Fehlern aiifzuhaiischen. den \atei gegen das Kind c inzuncluncn. W ie eine trennende Main i st.md sn zwischen denen, die doch die heiligsten Bande des Blutes verknüpften. Als nun gar die Stiefmutter eines Sohnes genas, war Kabel ein geduldete i I lemdlun: im Llternhausc. In dein begabten Kinde steckte eine große Lernbegier. I rau Berta suchte ihren Binder zu bewegen, das Mädchen eine bessere Schule In suchen zu lassen. Alles umsonst Audi dies Innteitiieb seine I ran. War es ein Wunder, wenn das heitere, offene Kind trotzig und v ci schlossen wurde ‘ Kabel wuchs zu einer bildschönen lungfrau heran Schlank und biegsam wie eine junge laime. mit einem rosig angehauchten Antlitz, .ms dem zwei große, dunkle Augen ti.iunierisch in die Welt blick teil. Nur der Ausdruck war für die lugend des Mädchens viel zu ernst, uiiel der kleine mte Mund mit den schneeweißen /.ahnen lachte so selten I schone Haupt wurde von eine r I ulle blausdiw atze Haares gekrönt Natürlich fehlte es du nicht au De Werbern mancher junge Mann halle das hebbehe Mädchen gern aus den ungemütlichen \ erhaltuisse i: ihres I Iternhaiises in sein flenn geführt Aber Kalte I fühlte viel zu lief, um schon mit zwanzig I.ihren eme \ ernunftche eingehe u zu können I rotz aller bitte reit I rfahrungen ideal veranlagt, wartete sie aut ihteu erlösenden Marchenprinze n Hatte Iran Bella nur damals geahnt, wein die Neigung ihre i Nichte gehört, vieles wäre anders geworden. Aber die de i laute gegenüber so offene Kabel sprac.li me ube i die se n I'unkt, vielleicht war sie sich dieser liebe seihst nicht bewußt, und I rau Kosenih.il glaubte, das II, rz lies Mädchens sei noch frei Daun kam ein lag die alte I rau bedeckte m I runieiung daran das < n sicht mit beiden Händen . ein lag. all dein dir Stern der Blums sich trauernd mit einer sihw.ii/eu W olke bedeckte, well \ e rli iimduug ihr giftges Schlange nliaupt erhob mit ihrem (reife r ein un schuldiges Mädchen bespitzle und die Ihre mir schutzlosen Waise ui den Staub z->g Kabel halte 1 Jttdbcbc Frauen, werbt für -Die fudlwbe Freu**!