Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9/10 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Vertreterin der „BertinerSalort r". Was lehrt uns dies tragische Lebensgeschick einer von Zwiespältigkeit zerrissenen Frauen-Seele? Sind nicht zu allen Zeiten Abirrungen vom Väterglauben vielfach mit in der Lässigkeit der j ü - disch-religiösen Erziehung begründ e t gewesen? Darum möge jede Mutter in der Erziehung ihrer Töchter verhüten — — denn die Mütter sind es, in deren sanfte liände die religiöse E r - ziehung gelegt ist-daß auch nicht eine von diesen sich laut oder im verhaltenen Herzen be- Im Wandel Novelle in d Herbst 1914. Frau Über-Regieruugsrat Oernot an Frau Bankdirekter Lübecker. Sehr verehrte Frau Direktor! Etwas seltsam ist mir zu Mute beim Schreiben dieser Anrede an eine langjährige, liebe Schulgenossin. mit der mich so viele frohe Kindheitserinnerungen verbinden; aber seitdem sind lange Jahre hingegangen, und wir hatten einander ja auch bald aus den Augen verloren. Aber Sie dürfen mir glauben, daß ich mich wirklich stets gern an Sie erinnerte. Und Sie selbst gaben auch nie ein Lebenszeichen — Sie waren ja immer etwas zurückhaltend — und eigentlich verkehrt hatten wir doch auch nicht. Ich will durchaus nicht behaupten, daß dies nur an Ihnen lag, sondern ich bin mir bewußt, in meinem Elternhause Vorurteilen begegnet zu sein und sie auch ohne Nachdenken geteilt zu haben. Dann habe ich im ersten Ballwinter meinen Mann kennen gelernt und nach kurzer Brautzeit geheiratet, und er stand in allem auf demselben Standpunkt wie mein Vater; ich kann ihn bei aller Liebe doch nicht vom Kastengeist freisprechen. Aber wie unser guter alter Schuldirektor gesagt hat: „I)qs Leben ist der beste Lehrmeister“, so hat uns Deutsche das Leben doch sehr gewandelt, und man kann wohl sagen, erzogen. Und wenn unser herrlicher Kaiser sagt, er kenne keine Parteien mehr, so muß uns allen das vorbildlich sein und wir müssen uns vornehmen, so lange uns bestimmt ist. auf Erden zu wandeln, im Mitmenschen nur den Bruder zu sehen. Es ist ja traurig genug, daß erst der Krieg nötig war, um uns diese Erkenntnis zu geben, aber „never to late to rnend“. es wäre nie zu spät, uns zu bessern, pflegte Miß Dreeper in unserer Selekta zu sagen. Von mir kann ich auch versichern, daß es mir vollkommen recht war. als vorigen Winter unser Peter mit Begeisterung nach dem Juristenballe von Ihrer Tochter Edith erzählte: Er hatte fast nur mit ihr getanzt, sie wäre eine reizende junge Dame. Seitdem hatte er wenig Gelegenheit, Ihre Tochter zu sehen, und seit zwei Monaten sind wir doch alle dauernd in Spannung, was der nächste Tag dem Vaterlande bringen wird. Peter hat sich natürlich sofort als Freiwilliger gemeldet, wie alle in seiner Burschenschaft, soweit sic noch nicht gedient hatten. Nun harrt er mit Ungeduld des Tages, der ihn ins Feld ruft. Oester» abend ging er nun endlich aus sich heraus und gestand mir, daß es ihm so schwer fiele, hinaus zu ziehen, ohne Ihre Edith gesprochen zu haben, ohne zu wissen, ob sie seine tiefe Neigung ebenso erkläre wie R a h e I. „Ich hin Wie in einem Walde ohne Religion aufgewachsen." Die Zeit verrann So groß damals die Sehnsucht nach dem geistigen und k ü n s 11 e r i s c h e » F r e I s e i n gewesen ist, so tief und aufrichtig fsT heute die Erkenntnis im jüdischen Frauen-Herzcn verankert. Erst durch die (i e h u n d e n h e 11 w ird der Mensch zur i n n e r c n Freiheit fähig, au die sich natürlich, nicht ein wehmütig entsagendes sondern ein froh erkennendes äußeres Losgelöst s e i n von den v e r g a u g I i c h e n irdischen Werten erschließt. Betty Stern (Köln). der Zeiten. r e i Briefen. widere. Da versprach ich ihm. im Vertrauen aut unsere alten Beziehungen seinen Anwalt bei Ihnen zu machen. Würden Sie wohl eine /.iisauuueukiiuft der beiden jungen Leute gestatten? Sie sind beide freilich noch recht jung. Peter eben „M und Edith meint er. wäre erst Ib Jahre, jedoch die /eiten sind so ungewöhnlich es geschieht so vieles, was man für unmöglich gehalten hätte, und Sie sind ja selbst Mutter und würden auch für Ihr Kind alles tun. Ich sehe Ihrer Antwort entgegen und bleibe Ihre alte Schulgeführtiu Elisabeth üernot. geh. v. Linden. Frühjahr I 91 0. Dieselbe;fn dieselbe. Liebste Freundin! Wie es mir in diesen schrecklichen Kriegsjahren zur Gewohnheit geworden ist. mir bei Ihnen mein Herz zu erleichtern, und wie Sie me versagten, wenn ich Ihren klugen Rat erbat oder Ihre tatkräftige Hilfe ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was aus uns ohne Sie. ohne Ihre, hoffentlich bald aus Ir meine Tochter geworden wäre. so komme ich auch heute mit einem ganzen Korb voller Sorgen und Fragen, die ich nur mit Ihnen, liebste Trau < trete, bespreche» kann. Es wird nämlich gegen meinen Mann von Untcrhcamteu intrigiert. Ich glaube nicht, daß er in seiner Stellung wird bleiben können. I r ist keine Kampfuatur und den (iew alten, die uns jetzt beherrschen, nicht gewachsen. Eli will durchaus nichts gegen die Regierung sagen, es sind gewiß sehr ehrenwerte Männer, aber in den I ormeii unmöglich. Man erzählt sich Sachen, die zum I aclteii wären, wenn einem dazu der Sinn stände. Sun denke ich, Ihr verehrter Gatte hatte vielleicht I iiifluß aut die Besetzung der Verwaltuugsposte» ui dem neuen Stickstoff-Konzern. Wurde er sich wohl für Reinhard verwenden? Ls wäre für uns von unschätzbarem Wert, denn ich weiß nicht, was aus uns wer den soll, wenn wir in diesen teuren /eiten auf die kleine Pension angewiesen sind. Besonders da Peter, wenn er nun endlich den Mihtarmck auszieht mit seinen Jahren erst Referendar ist und völlig her ausgerissen aus dem Studium, wieder von vom anfangen muß zu lernen. Edith nimmt das nicht so tragisch und ist nicht für meine» \orschlag. daß Peter die Juristerei aufgibt und ms Schwiegervater liehe Geschäft eint ritt. Obgleich sie selbst so fleißig l»elm Vater arbeiten voll. Ich fand sie überhaupt ungewöhnlich reif und dabei so hübsch und anziehend, daß ich mir gar kein Heileres Frauchen für Peter wünschen konnte. Aber mit dem Heiraten will das J jSdkdM Ti wer* tflr J)te üdkdM Fr—“!