Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 9/10 (15.7.1926)
- Date
- 1926-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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..liehen Herrn und Meister.“ Das Ergebnis ihrer Studien Spinozas kleidete sie in folgende Charakteristik: „Ir kommt bis zum tiefsten Absolutesten und druckt es aus. er bat den schönsten Charakter. unpersönlich, mild und still.“ Von den < leistesgroßc» ihrer Zelt waren ihr teils persönlich, teils durch ihr Schrifttum vertraut: 'schleiermacher. Schell'ing. Steffens, Hegel und andere mehr. Man sagt so» ihren eilten Schriften, welche meist in Mriefen von ihr zu anderen I benburtnteii. Fassung erhielten, daß selbst der Sshreibeifriite Voltaire nicht ihre Zahl überflügelt hat Ihyse Mriefe nun sind ein wahrer Duell an Seeleu- »nd (ledankeureicbtum, zeige» m ihrer Sprunghaftigkeit ohne stilistisch übliche L'ebergange. den raschen, ihr eigene» < icdanhcnfluit. Diese sebriftstellerischen äußeren Mamtel kannte sie in ihrer untiubsainen l rteilskraft selber sehr wohl und machte darum kaum Versuche, ihre Arbeiten in Druck zu bringen. So waren es zumeist andere, die Verehrer und Verehrerinnen dieser genialen I rau. welche Icilstucke ihrer Schritten als (iedeiikblatter veröffentlichten. Im K r i e i; s j a li r e lsM. als Kabel ihren Wohnsitz pi Prag genommen hatte, und die brauen aller Konfessionen ihre angeborenen fraulichen und mütterlichen I igenscbafteii mi I. i e h e s d i e n s t der Betroffene» entfalteten, fehlte auch Kabel l.evin nicht unter den edlen Helferinnen. Diese liebreiche, bei 'ihr doppelt an/urechiicndc Selbstaufopferung weiten ihres amteitriffeiien schwächlichen Organisiiiiis, erwähnt sie selbst in kindlicher Befriedigung in einem Mriefe an ihren iteliebten Mruder Robert: ..I c li b i n e i u e echt p r e u U i s c h e C h t v r o hf r a u g e w o r d e » " Wie sehr ihr der allitenieine f rieden am Herzen l.ot. gab sie in ihrem Plane kund. ..alle europäische» I rauen auf/iifordern. dali sie den Krieit niemals mitinacheu und itemeinsaiu allen Leidenden helfen mochten." < krude zu dieser Zeit glaubte Kabel l.eviii in ihrem Lebensziel und Streben verankert zu sein |i«*ch so viel Liebe und I reuudschaft. so viel ( niti und (leist sie auch a u s g e g e b e u hatte, blieb ihr zu ihrer Zeit das, e n i it e M a U von Liebe und Vertrauen versaut, das ihrer Individualität e ntsprocheii halte, 'um glücklich sein zu kom.en. Nf.uich bitteren und bittersten Kelch der Entsagung und1 iitt.iusv.hung muUte sie bis zur Neige auskostep. ..Der unwiderstehliche Zug des Herzens ließ vvoiil die Schranken der Sitte durchbrechen. die wahre Sittlichkeit verletzte sie nie" Ihr selbständiges Werturteil über Welt und Menschen ließ sie in ituiiteii I.ihren nicht zur landlaufiiteu ..Partie kommen ..Ui kann nicht heiraten, den» ich kann nicht luge» " So sprach sie als sie noch vom bescheidenen kapital ihrer körperlichen Kraft zehren konnte. In spateren fahren aber entschloß sie sich, des inneren Allem- und V crlassciisems müde, die W erbang des II fahre piugere» V umbauen um Lnse anzuuehinen. So fielen autlerheh von dir die aiiuestauiinleu <iiaii beiishande VV te in einem VV aide ohne Religio» a u f u e vv a c h s c »". w ie sie selber tu keimt, wird sie wohl nicht gar zu viel .ih/uschuttv In gehabt Ii.iIk ii l eher ihre t feistes- und ller- /eiisv v raiilagutig volhu >>» Klaren, v e r in i It t e sie es s c fi o u in ihrer I u u e n d s c h m e r z voll, da» der 11 e n i u s veuali, ihr ins Herz zu schreibe rt ,.S e i e i n e .1 u d i u " ..Lud rum ist m ein u a n z e s leben eine V c r h I u - t u ii g." Welche seelischen Erschütterungen mau diese große Erauenseele durchlitten haben! Lud so bestätigte sich auch an Ihr die Wahrheit; ..VVo viel Licht ist. da ist auch viel Schatt c n.“ Mit dieser aufgewühlten Seele konnte sie nie eine a u f r i c h t i g e Christin werden, ja. vielleicht datiert gerade von diesem äußeren Wendepunkte an die innere M e w u U t h e i t ihrer G I a u b e n s z u g e hörig k e i t. Hätte sie sich all die Jahre ihrer gesellschaftlichen Herrlichkeit mit möglichst viel „Schutzfarbe“ ihren nichtjüdischen Gönnern und Freundinnen gegenüber versehen, so war sie in ihrer Lebe n s r e i f e innerlich stolz, eine Jüdin zu sein, und an Muße mag es ihr nicht im Alter gefehlt haben. Keine Gelegenheit ließ sie vorübergeheur sich für das angestammte Volk und seine Menschenrechte einzusetzen. wo immer es nötig war. warf sie sich zur Verteidigerin ihrer irgendwie angegriffenen Glaubensgenossen auf. Und nicht taub bliebe ihr irre geleitetes Herz dann den seelischen Betrübnisse» der Juden. Ihren Schwager in Amsterdam veranlaßte sie zu einer Verteidigungsschrift der unterdrückten J u - d e » h e i t. Ihrebp+iruder Robert schrieb Rahe! im Sommer 1M9, als auf allen deutschen Gassen die bekannten Schmährufe aus Kindesmund schon ertönten : ..Ich bin grenzenlos traurig, und in einer Art. wie ich es noch g a r n i c h t w a r. Wegen der Juden! Was soll diese Unzahl Vertriebener tun! Behalten wollen sie sie: aber zum Peinigen und Verachten, zum Judenmauschel- Schimpfcii, zum kleinen dürftigen Schacher, zum Fußstoß, zum Treppenrunterwerfen." Rubel V anihageu, das echte Kind ihrer Zeit, welche den literarischen Salons so viel Glanz durch ihr sinniges Sein, so viel Zauber durch ihre liebenswürdige Gelehrtheit geschenkt hatte, starb auch in Berlin im Jahre IKÖH, in ihrem (>J. Lebensjahre. Daß sie auch ihrem Gatten kein Hehl aus ihrer inneren reuigen Rückkehr zum Väterglauben gemacht hatte, erhellt daraus, daß Varnhagen von Ense an ihrem Begräbnistage die jüdischen Armen mit einer stattlichen Summe bedachte. So schloß ein an Erfahrung und Wissen, an Fühle» und Enttäuscbtseiii reiches Leben, das Rubel teiluchinen ließ an weltlichem Interesse, sowohl auf politischem, w ie ästethischem, auf künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete, soweit ihr Herz und ihre Sinne reichten — mit dem Begreifen und Erkennen ihres Anfänge s. Wie sie sieb stets in jüdischer Schrift an ihren l.iebliiigsbruder wandte, so war auch ihr I e t z t e s S p r e c li e n der Ausdruck ihrer heimkehrende» verirrten Seele (zu ihrem Herzensbruder Robert l.evin vor der Auflösung ihres gequälten Körpers!: ...M i t erhabenem Entzücken d e n k i c li au meinen Ursprung und diesen g .m z e u Zusammenhang des Geschickes. durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechtes mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumszenen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war. eine Jüdin zu sein, um keinen Preis möchte ich das jetzt iriivVc ii." Wie ein Ealter seine Flügel am Licht versengt — oder gar verbrennt — so Rahel Lcvlrt und manche i JttdbclM Fra im«, werbt für „Die üdbdM Fra«“! -