Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7/8 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ste-jiidis£$e Mutter Am Scßawuot. Kind: Mutier, du hast mir \erbrochen, heute die (ieseliielite von der Rut /.u erzählen. W illst du sie mir jetzt erzähle»? Mutter: Sehr «ern! Im Lande Palästina war einmal eine Krolie Mmutersnot. Las Brot wurde so teuer, dali viele Leute hungern mulitc». w ie es hei uns im Kriege w ar. I >a zou ein Manu mit seiner I ran Naemi und mit seinen zwei Solineu aus Palästina fort - nach dem Lande Moah. wo das Brot hillieer war. In dem fremden Lande verheirateten sieh die Sohne. I>er eine heiratete ein Mädchen names Orpa. Die Frau des anderen Sohnes liieli Rut. Bald starb der Vater, und nicht lanuc nachher starben auch die beiden Söhne, hie alte Mutter Naemi war nun mit ihren Schwiegertöchtern Orpa und Rut allein. Kind: Da wird aber die Naemi traurig gewesen sein! Mutter: Freilich. Rut und Orpa suchten sie aber zu trösten. Sie hatten ihre Schwiegermutter so lieb, als wenn es ihre eigene Mutter gewesen wäre, ha erfuhr Naemi. dali in Palästina keine Mmu’ersunt mehr sei. Deshalb wollte sie in ihre Heimat zurückkehren. Bald machte sie sich auf den W'ev.'. Kind: (Untren Orpa und Rut auch mit? Mutter: Ja. sie begleiteten die Mutter. Lnterweifs saute Naemi zu ihnen: ..Kehret jhr nun wieder lim und geltet wieder zu euren Litern! her liebe (iott lasse es euch daheim Wohlergehen dafür, dali ihr gegen meine beiden Söhne und mich so gut gewesen seid." Darauf gab die alte Mutter noch jeder Tochter einen Abschiedskuli. I >ie Töchter fingen an zu weinen, und Orpa kehrte zu ihren Litern heim nach Moah. Rut aber kehrte nicht um. Sie wollte die alte Mutter nicht verlassen. ..Ach. liebe Mutter." sagte Rut. ..sage nicht mehr dali ich utnkchrcn soll. Ich w ill immer bei dir bleiben. Wo du hingehst, da w ill ich auch hingehen. Dein Volk ist mein Volk, und dein (iott ist mein (iott. Wo du stirbst, da will ich auch sterben, und wo sie dich begraben, da will auch ich begraben sein. Nur der Tod soll mich von dir trennen." Kind: So hätte icli's auch gemacht. Mutter! Mutter: Ich weiü. dali du auch gut bist. Naemi war durch diese Liebe Ruts so gerührt, dali sie tum ihre Schwiegertochter Rut nach Palästina mitnahm. Als Naemi in Ihre Heimatstadt Bethlehem kam. erkannte man sie fast nicht mehr. So sehr hatten Kummer und Sorge ihr Aussehen verändert. "Ist das Naemi?" fragten die Leute. Naemi aber sprach: ..(). nennt mich nicht mehr Naemi. das heilit doch die I ichlichc. Nennt mich Mara. das heilit die Betrübte. Denn (iott hat mich sehr betrübt. Im (ilück bin Ich von hier fortgezogen, und jetzt bin Ich eine arme Luglückliche." Kind: Hat Naemi Hunger leiden müssen? Mutter: Nein. Naemi mulite nicht lluncer leiden Ruth sorgte für die alte Mutter. Ls war gerade zur Zeit der Weizenernte, die am Schawuot in Palästina schon begann. Jeden Morgen ging Rut aufs I cid und las die Aehreu zusammen, die hege» blieben Kind: ha wird Rut aber nicht Mel .zusammen gebracht haben. Mutter: O doch, es blieben auf den Acckcr» viele Aeliren liegen. Ls war nämlich in Palästina bei den Israeliten streng verboten, dali man beim I ruteii du einzelnen Aehreu auflese. Auch wenn beim Linien eine ganze darbe auf dem Leide aulzuladen vergessen wurde, durfte sie nicht spater von dem geholt werden, dem der Acker gehörte. J »et» I remde». der Waise und der Witwe sollte das gehören! la. es war geboten, dali man von den W cizenlelder» die Lcken nicht abschneide. Das alles sollte nach dem schonen jüdischen (iesetz denr Armen und dem I remdling überlassen werden. Auch noch aus einem anderen tirunde brachte Rut viel Aeliren heim (i >tt fugte es. dali Rut auf den Weizenacker des Boas kam. der ein sehr freundlicher, reicher und wohltätiger Mann war. Wenn er aufs Leid kam. grollte er die Schnitter freundlich: ..hott sei mit euch'" Lud die Schnitter antworteten. ..(iott segne dich'" Boas sah zu. wie Rut eifrig Aeliren auflas I r fragte die Schnitter: „Wer ist jenes Mädchen dort '" Du Schnitter antworteten: „IS ist Rut. die mit ihn r Schwiegermutter Naemi aus dem l ande Moah ge kommen ist. Das Mädchen hat schon den ganzen lag Aehreu gelesen: es ist sehr fleiliig I >a ging Boas zu Rut hin und sprach. ..Meine hKliter. wenn du wieder Aehrcil lesen gehst, so geh auf keinen anderen Acker als auf den meimgen Hakte dich mir zu meinen Schnittern. Wo sie die Aeliren. ab schneiden, sei gleich hinterher, und wenn du hurst hast, so trinke aus den Krügen meiner I eilte “ Rut verneinte sich bei diesen Worten und sprach „Warum bist du so sehr gütig gegen mich da ich doch fremd hriu?" ..(>." sagte Boas, „ich habe schon gehört, wie gut du gegen deine alfeScliw ieci rnuitter bist, (iott möge dich dafür belohnen " Boas lud Rut auch zum Mittagessen ein. und Rut ati mit den Schnittern. Nor dem Weggeiien sagte Boas noch zu seine» Leuten ganz leise Lasset oft absichtlich Aeliren hegen und In.schämet Rut nicht' Abends brachte Rut viel Aeliren heim Kind: Das wird Naemi seht gefreut haben Mutter: la Verwundert fragte sie . AIh r Rut auf wessen l eide hast du denn so viele Aeliren gv flinden?" ha erzählte Rut ihrer Schwiegermutter alles, was sich zugetragen hatte, und wie der reiche Herr, der Boas so gütig gegen sie gewesen sei Da rief Naemi aus ..Dieser Mann ist mit uns nahe verwandt! I r hat uns schon oft (mtes ge tan (iott segne ihn für seine Irene" Rut ging nun taghell mit den Mädchen des Boas hinaus aufs I cid und sammelte Aehreu. bis die I rillt vorul*ct war Boas sah die Rut noch oft. und je öfter er sie sah. desto heiter ward sie ihm Lud Boas sprach zu Rut In der ganzen Ntadt weil! mau. dali du eine wackere I ran bist Ni werde du meine I rau ' Ruf freute JttdbclM Frauan. w«rb( Hir IMa JttdhdM Frau“!