Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 7/8 (15.5.1926)
- Date
- 1926-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Dicßler und Psalmist: \ Hin lyrisches Porträt von Dr. \V Sobald inan tu die Lage kommt. liker eine Frscheinung der^.Lyrik der Gegenwart" zu schreibe», gerät man heute in die schwierige Situation, diejenigen Gestaltungskräfte. die in einer besonderen ^Persönlichkeit unserer Tage zu einet fesiuinrlsseneiT Form des Ausdrucks gelaugt sind, in Verbindung zu setzen mit den treibenden Formkrüften unserer zeitgenössischen Lyrik. Die Schwierigkeit besteht darin, daß von einer „zeitgenössischen Lyrik“ oder gar einer „Lyrik der Gegenwart“ zu sprechen, bei der Zerklüftcthcit der Ausdrucksprinzipien in unseren l axen im eigentlichen Sinne kaum möglich ist. Nach dem Zusammenbruch des Expressionismus. der zum mindesten durch Programme, wenigstens äußerlich eine solche Formgemeinschaft zu bilden suchte, ist das allgemeine Formbewußtsein, das eine Zeit oder eine Generation auszeichnet, zersplittert und hat sich in einzelne individuelle Formkreise aufgelöst, die mehr oder minder verschiedenartig einander wesensfremd gegenüberstehen. Zu diesen einzelnen Persönlichkeiten. die. dem Wechsel der Zeiten trotzend, sich ihren eigenen Stil bewahrt und ihre eigene Ausdrucksform geprägt haben, gehört der in Berlin lebende jüdische Schriftsteller Arthur S i I bergleit. der gerade jetzt durch sein Frscheinen in einer populären lyrischen Anthologie „Der Fischzug. Berlin 192b“ weiteren Kreisen mit einer Anzahl seiner vorzüglichsten Gedichte zugänglich wird. Geber Arthur Silbergleit einem der feinfühligsten Lyriker unserer Zeit — sind von vielen Seiten Würdigungen geschrieben worden, einmal wurde er mit einem Preise der Fastenrath-Stiftung ausgezeichnet. ein anderes Mal erinnerte man sich seiner von Staatswegen, als es hieß, das Deutschtum seiner oberschlesischen Heimat vor den Augen der Welt zu bekunden, und wiederum wurden seitens einer Stif-’ tung für ihn die Herausgabe seiner Gedichte in die Wege geleitet. Kaum gibt es eine größere deutsche Zeitung oder Familienzeitschrift, wo Silbergleit als Mitarbeiter den ihm gebührenden Platz nicht erhalten hat. Und dennoch bedarf es von Zeit zu Zeit immer wieder einer Nachhilfe, um die Oeffeiitlichkeit. und besonders die jüdischen gebildeten Kreise, darauf hinzuweisen, daß hier einer der formbegabtesten Dichter am Werke ist. der seine Kraft aus dem religiösen Frlebnis schöpft. Von seinen Frühgedichten an. die der „Feste Zion“ gewidmet waren, bis zu seinem umfangreichen, vieltönigen Orpheus-Zyklus, aus dem bisher nur einige Proben in die Ocffcntlichkeit gelangten. — und der noch eines Verlegers harrt —. hat Arthur Silbergleit in dichterischen Gesichten sein religiöses Grundempfinden, das er an alle Dinge, selbst die unscheinbarsten des Alltags, heranträgt. a 11 e r Meck a‘u c r, München. __ gestaltet. Die Dinge, die er mit seiner Wuiisdnlrutc berührt, bekommen eine eigene Sprache, ein Herz und eine Seele, sie werden zu Inkarnationen eines kaum und /eit iihi-rfhitriuhn Ovlhmtct-tt Wrtrgefulils. das sie tonend, seherisch und klang voll verkünden. Das Gewand, in dem sich sein religiöses Gefühl darstellt, hat wechselnde Formen, und ganz gleich, ob dieses anschauliche I leine»! seiner I vnk der Landschaft augehort, wie in seinen Sammlungen „Die Haluleika“ oder ..Flandern ' oder legendenhaft das Bild des ..V erlorenen Sohncns“ umreißt. ganz gleich, ob es mit Farben des indische» I empels oder mit den klassischen Konturen griechischer 1 men und Inngcfüße Bildhaftigkeit erwirkt, immer ist es doch derselbe Klang, die Musik der Sphären, die Musik feinster Her/enstone und »»gehörter Sccleuliarmo nien. alles I rschaffenett und im kannte Frscheincnden. In seiner Dichtung prägt sich zu tiefst die Me lodie der Sehnsucht aus. die alt wie die indische (ie schichte und unlösbar mit allem Menschlichen \cr knüpft ist. wie das jüdische Schicksal selbst* | > ist die Hingegel>eiiiieit au die Mannigfaltigkeit der Schöpfung, die Heimatlosigkeit rwiseheii den Dingen. I Inter denen als letzte Sehnsucht, als einzige grolle Heimat der Sinn einer geheimen, innerlichen I inlieit des Werkes Gottes aufscliimmert. Arthur Silbergleit stammt aus einer I umilie. ui der die Pflege seelischer und geistiger Werte zu den wichtigsten Idealitäten des Lebens gehörte" I r hat die Aristokratie seiner Vorfahren, die in Oberschlesic» eine bedeutende kolle spielte» upd aiu.li über irdische Glucksguter verfugten, als eine selbstverständliche Voraussetzung seines Wesens in sich, die ihm eine nicht alltägliche Stellung zu allen I ragen und Problemen des Lebens gibt. Die V erknupftheit der weltliche» Dinge mit den religiösen Impulsen, die seine oberschlesische Heimat auszeiclinet. und die sich in anderer Form, aber doch ähnlich bei den Lyrikern < tberschlesieus. wie I ieheudorff lind neuer diogs Arnold Flitz, uuspragt. erteilt auch seinem Schaffen die bestimmende Note So wird der ge tätigste Anlaß, der unscheinbarste und uuJitcrtisn Vorgang zum Svmbol eines höheren Sinnes, das Göttliche haftet w ie ein Hauch den < icgciist.mdcii di i Welt an. durchleuchtet sie. laßt sie in einem fremden Lichte erscheinen und bullt sie in einen magischen Schein. Fs wäre zu wünschen.daß m der heutigen Ait der Verflachung, der Modespielerenn. aber .null dci wirtschaftlichen Note, unter denen gerade die stillcn und Bestell im l ande am meisten zu leiden haben sich weitere Kreise, auch des ludeutums. eines ihrer seelenvollsten, noch lauge nicht genug gewürdigten l’salmisteti erinnern! -d- * ff Dl Die Zeitschrill lüdltoh« Frau“ liegt in den Lesesälen der Badeorte aus. 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