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Die jüdische Frau · 1926-04-26 · 5/6 (26.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
5/6 (26.4.1926)
Date
1926-04-26
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Moscßko von Parma. _IT/ahlung von Karl > »"> L r . „ -.»-c,- (Lortsct/img.) Moschko hatte sonst ein teilnehmendes Her/, aller diesmal interessierte ilm die Neuigkeit gar nicht. Heim seine < jedanken beschäftigte damals ausschlielllich ein anderes Mädchen: seine eigene Mraut. die er freilich noch nie gesehen hatte br kannte sie nur nach den Beschreibungen des Herrn Itzig Türkischgelb. Her allerdings saute kurzweg: „bin Diamant. bin Brillant. I in bngcl. Schon wie die Sonne. Und wenn sie nicht zwei Zentner wiegt. so darfst Iht mir den Kopf abbeilfeii." Aber unser Moschko hatte seinem alten (iouner viel lieber den Kopf dafür abgebisseti. weil er ihm eine solche Wagenladung von Liebreiz aufdisputieren wollte. I r wäre gern ledig geblieben. Nicht, weil er ein Weiberieind war: auch der..Murschullik“ erfuhr den wahren (irund nicht, als ihm der (ieselle saute: ...Mein Bruder. der Doldenc. kann leicht ein Weib halieii weuen seiner brommigkeit wird er samt Weib und Kind uefiittert. Aber ich bin ein Sclnniedeuesell. wer wird das für mich tun?" Der wahre (irund war. weil es ihm imucmeiu komisch vorkam. sich so früh zu beweiben. Kein Christ tat es. warum die Juden -' l nd was sollte ihm ein Weib. ihm. der auf die Wanderschaft gellen und die Welt selten wollte, sofern er der Rekrutierung ulücklich entuinue! Denn Soldat werden wollte er nun nicht mehr: ihm schauderte vor dem MiiUiggang. Aber lt/.iv: Turkischuelb hatte es sich nun einmal in den Kopf uesetzt. aus ..Mosel Spriuz.es Kramers' zu deutsch aus Lraulein Mosa Meinkopf. Dichter der I ran Sprinze Meinkopf, die einen kleinen Kramladen /.u Cltorostkow besah, und dem Herrn Moses Vcilchenduft ein Maar zu machen. Nur im Interesse seines Schützlings wollte er dies. Besaute Mosel war nambcli eine der reichsten Lrhinnen in Cltorostkow. sie besah,ander den zwei Zentnern ihres Ich auch bare dreihundert Dulden und sollte nach dem lode der Trau Sprinze den Laden erben. Dali sie ein wenig taub wafrJieH sich fieilich nicht leugnen, aber ihr Aeulieres war gewinnend. Nur muhte, wer sie längere Zeit ansah. rasch ein (Haschen l.iiiucur trinken, weil sich sonst Sodbrennen bei ihm einstellte, eine (.mal. die ja regelmaHig dem (ienus^e allzu fetter Substanzen folgt. Bei Mosche hattu sich diese I rscheinung noch nicht eingestellt. I r hatte ta Mosel Sprinzes noch nie .gesehen. Vergeblich suchte ihn li/.ig Türkischgelb nach Cltorostkow zu locken, er wuhte es stets unter neuen Vor wanden aiis/uschlagelt. Aber der ...Marschulhk" war nicht der Mann, ein Vorhaben, das ihm ventmutig dünkte, aufzugebeii. Mit tausend Mitteln wirkte er auf ihn ein. Bald erschien das Lhepa.tr V etlcheiidtifi vor seinem Inngsten und flehte ihn unter I rauen an. die Schande von der f amilie zu nehmen und zu heiraten. Bald wieder muhte der alte Mabbi in Aktion treten und dem armen Burschen mit den kräftigsten I arben die Wahrheit des Spruches aiismafen: ..Wer mit sechzehn Jahren nicht verheiratet ist. ist ein Narr, aber wer mit acht zehn Jahren ledig ist. ist ein I re vier und versündigt sich an (tott. der nicht w iII. dali sein V olk aiissterhc■ Am nachdrücklichsten arbeitete aber I urkischgelb selbst, und zwar mit purer Vernünftigkeit ..Viel leicht." wiederholte er oft. ..hat der alte M.ibhi Meclit und Du versündigst Dich an (mit. wenn Du Mosel Sprinzes nicht heiratest gewiti aber ist. daü Du Dich an Dir selbst versündigst I m so schweres Mädchen und dreihundert Dulden .und dann ein laden Du Narr, greif zu. das kommt nie wieder < lerade wenn Du Schmied bleiben willst, muht Du doch einmal Meister werden wollen und dazu br.itis.ht man (idd Also entschliche Dich. I aiib ist sie ein wenig, das ist wahr: aber wenn man von Dir spricht, so hört si«> Alles, so verhebt ist sie schon jit/t m Dis.li. wie soll das erst werden, wenn sie Dich kennt' VIso. wann fahren wir nach Cltorostkow auf Br.iutschau '" Aber dazu war Moss.be gar nicht zu bewegen Lnd als ihm endlich der Oiiulcrcicn zu viel wurde, da rief, ei: ..Meinetwegen' is.li will heiraten, wenn es sein nullt, aber ich will nichts dabei zu tim haben' Verlobt mich, wenn Ihr wollt, aber ich. bleibe m niemer Schmiede, bis ich unter die „v. huppe“ t I rau limimcl) gehen muh." Lilie Verlobung ohne persönliches Dabeisein des Bräutigams ist gerade keine Seltenheit m Ilalb- Asien, wo die I he ein Desch.it! ist >o ward Mosche, ohne nah er seine Schmiede zu verlassen brauchte, glti.k lieh ein Bräutigam. I ui glücklicher Bräutigam trei lieh mehl. Was Hm spinltc. war aber nicht etwa das * ie fühl, dah eine Unrechte Wahl tur ihn ge trotten worden, sondern überhaupt die I atsache..verlobt zu sein. Wie die Braut anssah. war ihm übrigens auch nicht ganz gleichgültig. I r stand im Allgemeinen iin Hanne der Schönheitsideale jener l andsdiaft. 'oder prosaischer aiisgcdruckt. auch dun. wie jedem Halb Asiaten, schien ein Mädchen um so schöner, je dicker es war. I me Venus Kalhpvgos wurde noch den rela tiv grollten Anwerth bei diesen Menschen linden, lind käme eine ..Miesendame'' aus dem Wiener Wurstelprater nach Moduliert, sie wurde viele Herzen liebes siech machen. W as also diesen l’uukt betrifft, so war Moschko durch die feierlichen Zusicherungen seines Donners beruhigt Aber un l ebrigen J Welcher (ie-- niutsart war die Braut?_L nd—luUUm—4+te—tauben (Ihren wirklich die I igensdiaft. Alles zu hören, so bald man von ihrem Bräutigam sprach - Darüber also h.ittee MusJiko nuchgcJ.icht als ihm llaw rilo berichtete, die Kasia st, i wieder daheim, und freue sich des jungen lacek Hlmu wegen, da» sie so grolle Hände habe. I r vernahm es gleichmütig, ob die Kasia dem lacek I lebe spenden wollte oder .Ohrfeigen. war ihm ganz egal Aber das änderte sich, als er. das Mädchen einige läge spater sah I s war gegen Abend, der rote >>onucngl.inz lag auf der Heide, da blickte die hübsche rotbackige Dirne m die schmiede hinein, m der nur Moschko arbeitete Der Meister war un Madtcheii. Ifuwnlo uii Hole. Die Dirne trat aut die Schwelle und blickte den (lese Heil verächtlich an. nur eben weil er W an genlockchcn trug und ein schwarzes Käppchen auf dem Haupte und Bindfaden an seiner Weste, die .>chaiifaden" kurzum Weller ein Jude war Da nun bot sie ihm auch keinen DruU sondern fragte kurz . Indchen. wo ist mein Bruder' Dein Moschko gefiel sie ,r c, stattlich. Jatl sie einen guten I eil der mächtigen Dir eumahin ''ie . e tief ihm sehr lud Jurtim grollte > r freundlich ..Duteii Abend. Mädchen Du bist wohl die Kasia ' Die bin ich Aber Dich gellt s, •pichts an' W urmn nicht Well Du ein verdammter lüde bist Jtidbchc Frauen, »erbt lür J)k tüdbebe Frau**! 11

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