Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5/6 (26.4.1926)
- Date
- 1926-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ganz unwillkürlich aus dem Grunde. weil, obwohl ich natürlich ln der Mehrzahl mit jüdischen Krauen verkehrte. an der Art und Weise ihrer Lebensführung und Arbeitseinstellung gegenüber der andersehinhigen Krau wenig Unterschiede zu finden sind. Zu den Können der Toleranz, welche der Amerikaner als Selbstverständlichkeit übt. gehört auch die Toleranz gegenüber Religionsfragen. Ls gibt in Amerika keinen Antisemitismus, es gibt keine Verachtung und keinen Mali, die auf irgendeine Nation oder eine Rasse gerichtet wären, mit Ausnahme der Karbigen. (legen diese ist der Amerikaner geradezu unerbittlich grausam. Alle anderen Rassen. Nationen und Religionen gegenüber aber ist er von einer vollkommen und absoluten Toleranz. Dies ist auch ganz natürlich. Denn, so ausgeprägt auch der amerikanische Nationalstolz ist, so gibt es doch nur sehr wenige Amerikaner, deren Familien schon in zweiter oder dritter (ieneration im Lande ansässig sind. Diese Nation ist sehr jung, so stolz sie auf ihre Ligenart und auf ihr Land ist. so hat sie es doch nicht vergessen. daU ihr Blut aus dem Mute \ieler Völker und Rassen gemischt ist. Die Linstdlung der amerikanischen Krau zum Judentum ist eine logische Konsequenz dieser Verhältnisse und Anschauungen. Ls fehlt ihr jeder Hang zur Assimilation, aber es fehlt ihr in der Mehrzahl auch jene leidenschaftliche hingebende Bejahung des Judentums, die. genau wie die ersterwähnte Lrscheiuung. aus dem Druck des Antisemitismus heraus geboren wird. Die amerikanische Krau denkt nicht im Traume daran, dali sie jemals ihr Judentum verleugnen könnte oder daU sie irgendjemand darum gering schätzen möchte. Sie hegt ihr Judentum etwa wie einen schönen, alten, kostbaren Gegenstand. der sich in der Familie fortgeerbt hat und den man im liebevollen Gedenken schätzt und pflegt. Auch ihre soziale Arbeit ist darum oft interkonfessionell eingestellt, ohne daU dieser Linstellung der bittere Nachgeschmack des Verleugnens und Duckens anhaftet, wie leider oft hierzulande. Wo keine Verfolgungen sind, da gibt es eben auch keine Verleugnungen und keine leidenschaftliche, kampferfüllte Bejahung. DaU die jüdische . amerikanische Krau heute dennoch sehr viel bewuUte. ausgesprochen tudische V olksarbeit leistet, das haben die Verhältnisse m I nropa und das Anwachsen des /.lonistmts mit sich gebracht. Die europäischen Juden haben ihre amerikanischen Bruder und Schwestern zur Utile aulgerufen. Durch die Not des jüdischen I uropa hat die l’alästinafrage eine neue gewaltige Bedeutung er halten. I nd diese Impulse, die sich mit der unwidvr stchüchcu Macht einer politischen Melle Inn über den < t/.ean xcrpflnn/tcn. haben der indischen I rauenarbeit in Amerika hcwuUtc jüdische linstellung gegeben. So zeigt es stell klar, was teil immer wieder betonen und unterstreichen mochte, da« .iikIi wir;u men. blutenden europäischen luden gegenüber den ieichen, geschätzten Amerikanern Schenkende sind Denn durch unsere Leiden sind die amerikanischen Juden dazu gekommen, sich wieder erst so recht Juden zu fühlen..als jüdische Streiter und jüdische Kämpfer, wie es die Grollen unseres Volkes immer waren, da sie sich immer gegen eine Welt von Tein den verteidigen inulilen. Da ihr Volk sie rief, war die amerikanische jüdische I ran bereit. Sie kämpft ii. allen grollen amerikanischen (irganisntioncn mit der Kbenbiirtigkeit. die dort der Krauenarbeit seit je eingeräumt wird, an der Seite der grollen jüdischen Kulirer für die verfolgten und unterdrückten luden Kuropas und für die Aufrichtung l'alasiinas. Damit erst ist sie uns schwesterlich nahe getreten. W ir linden in dieser Gemeinsamkeit des Wirkens an dem einen hohen Ziele der Volksarbeit ein gegeiNeitiges V erstehen, eine gegenseitige Liebe, wie sie in Anbetracht der tiefen Verschiedenheit aller anderen Lebensverhaltnisse me hatte entstehen können. Die Schranken, welche der Krieg pru uns aufgerichtet hat und die uns in jeder, auch in geistiger Beziehung, von der grollen Welt absperrten, sind iiiiii gefallen. Ich bin sicher, dal! wir uns immer inniger an die amerikanischen jüdischen Krauen nnschlielien werden. Jall wir uns immer besser verstehen. immer besser lieben lernen und daU wir einander vieles werden geben können, was unserer Arbeit und somit unserem Volke zum Segen ge reichen wird. Zu spät! Ls gibt wohl kaum einen Sprach-« iebräuch. der schwerer und wuchtiger in die VVagschale des I ebcus fällt, als das ,.Z u s p ä t!" Ich meine damit nicht jene Hausfrau, welche sich im K a f f e e k r a n z . der doch mir ein Kränz dien werden sollte, so gründlich verspätete, dall sie am Heimweg vom SpezereioderDelikatesseii-Hand ler mit ihrem Litikauf auf den anderen Tag allema! vertröstet werden rnuUte. von wegen der zu erwartenden Protokolle. Punkt 7 Uhr Schlull. So heiüi die Korderung. . ..Bedaure.“ sagt der um sein Geschäft betrübte Kaufmann, „es ist „zu spät", gnädige Krau, wir dürfen nicht länger verkaufen." Ich denke dabei auch gar nicht an jenen stets pustend und schnaufend und augekcucht kommenden Herrn am D-Zuge, der trotz der schon rollenden Räder und geschlossenen Coujieturen noch mit Gewalt und mit Sack und Pack hinein will ins fahrende Dampf roll und der vom diensttuenden Beamten sanft, aber energisch“ zurückgezogen wird mit dem begleitenden Mahnruf: ..Zu spat, lieber Herr!“ Das sind nur andere Schmerzen, die schnell vergessen werden und nur erzieherisch vielleicht wirken können, aber auch nur vielleicht. Ans Seelische greift die Sache schon im I h e ater oder im Konzert-Saal mehr Durch die Dunkelheit Im I heaterraui» .werden durch die stercotvp ..Zu-spat**- kommenden wenigstens nur die Ohren beleidigt und aus ihrem Teuer/juber' gerissen. Im Kon/crts.i.il aber, der In Helligkeit strahlt, lenken die grundsätzlich .zu sp.it I rscheinenden mindestens zwei Sinne Angen und Ohren, ab (wenn die Dame intensiv parfümiert ist sogar dteill. und zerreiben so willkürlich das heilige Band das sich schon fest wie eni kunstvolles 'spinnen — gewebe vom Podium zum Publikum geschlossen hatte. Doch auch dies sind vorübergehende I r Scheidungen Ins I orichte und . Wet.iphv sis<he hinüber spielt die hewulJte Angelegcnluqt schon, wenn ..reiiiand' den Arzt nach der Sprechstunde, zu einezeit also, wo man ihn „aut Pr.ivis wcili, inständig bitten lallt, durch einen Itoten "der Anruf er mochte Jttdbchc Frauen, werbt für JHa füdbclM Fra«“! )