Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5/6 (26.4.1926)
- Date
- 1926-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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vvenden, denn «an/ sicher ist die Stellung der I ran im iiifeiilhclien I.eben eines I..indes ein untrüglicher Wertmesser lur die Kulturstufe, auf der es stellt, für seine «an/cii wirtschaftlichen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse.__ V or meiner Ankunft in New York hatten sich eine Anzahl amerikanischer Hamen zu einem 1 inptangsknimtcc zus.immenge schlossen. welches sich die Auf- . .die gestellt hatte, mir den Aufenthalt im Lande nicht mir sh angenehm. Mindern auch sn lehrreich, wie uiogheh zu uiaelien. I.h snllte das! and sellisi kennen lernen, seine Menschen, seine Lebensweise. veiue sozialen und kulturellen I iiirichtungeu. I hesen I rauen \erdunke ich es, daß ich Amerika sah. wie es wirklich ist, viel besser und klarer, als dies bei i mein so kurzen Aufenthalte sonst möglich gewesen wäre. Sie haben ehrlich zu nur gesprochen. \(iu ihrer Arbeit, ihren I'lauen, ihren Wünschen und I nt- ~tnuschimgeii. und ich habe diese I rauen dadurch wirklich schwesterlich verstehen gelernt. Ich habe unter diesen I rauen «an/ ernste, «rolle Menschen «cftmdeii. die tiei diirchdrim«en sind \on ihrer .Mitverantwortlichkeit an der Ncii«esiultim« der Welt, au der \ elbesse nur« der menschlichen I ’c/ichuugcit unter eleu Iridis leinen sowohl wie auch un'er den einzelnen \olkern. Sie wissen, dal! die «rollen Mciischhcilsfrn«cn nicht uni einzelne Lander beschrankt sind, nicht auf einzelne I 'arte ie n. sondern elall Me. über die Menschheit der «aii/en l'rde h in - we«. ein untrennbares (i.inzes bilden. I »ie amerikanischen I r.iiien verstehen es. dal! Amerika seit Wilson einen «rollen teil der Verantwortung an den Menschheitstrace n tra«t. nicht nur darum, weil es vier «rolle < ilaubi«er I tiropas ist. sondern auch, weil das Schicksal des Krieges und der Nachkriegszeit ilmr die-h’olle des Sc henkenden und Mellenden, des t iedemuti«teii. des I vv i«bittcndeii /uget.dlcn ist. Iheses Aiif-sich-ijt hme ii des V er.intw ortlichkeitsgefulils, das war die erste I irgend. die mir au den amerikanischen I tauen ciitgcgcutr.it und die ich an ihnen heben le rnte I »ie /weite I uceiid. welche die amerikanischen Italien m reichstem Malle uhcii. ist die lolcrnnz. I re dich elail mau nicht V e r«essen. elall es ihnen, die ui «rollen. Ireieii. durch nichts beschrankten und beengten \ e rhaltnisse n leben, v ieUcichler fallen muH ehe se lugend zu üben, als unseren I rauen, die oft n* Kle instadtiieste rn /iisammeii«\ pfercht sind, lern aller «rollen Interessen. ati«ew lesen auf den Kleinkram und hleintr.itseh. den eilte der anderen bietet I s ist nicht leicht, m solch einer verrammelten Welt eien «rollen Horizont zu «ewuuieu. wie er den amerikanischen I rauen «le ichs.uii als natürliche s t rescheiik ans den «anzen Verhältnissen ihres I arides heraus erwachst Aus der engen. dumpfen Atmosphäre der Kleinstadt eiitsprin«en so «dt \ erbitterun«eii und t lehussicheii. der Meinkrie« mit v crgUtcndcn laten wird da «ehören, der nicht mir die >eeIe elessen vereitlet. «e«eu eleu er «eric-lUet ist. sondern mehr noch ehe >e e len derer, die ihn ubcti Ich vv eil! nicht, ob es dennoch auch ui Amerika das «ibt, was wir im Imsen >iniie Provinz" neunen Mo«lich ist es immerhin. Ich aber habe es ,,,i Kreise der I rauen, die ich kannte, nicht an«e troffen Mas hc«t natürlich vor allein an der «e isti«e-n Mruktur dieses freien, von keinerlei mitte lalle rbc he ii Vorurteilen und I r.ielitionen beschwerten I arides das »n«e hemmt vorwartsstiiriut mir von der Arbeitskraft und dem Können seiner liuhtigeu vor wall >« et riehen. Man fra«t m Amerika nicht Wer Ist deine I .muhe. ist dein Vater ein reicher Mann, war dein Großvater schon gesellschaftsfähig? In Amerika «ilt der Mensch wie lind was er ist. Man fra«t: Was bist du. \Aas hast du? Aber diese Wertschätzung des \ernm«ens ist nicht ein \orDeu«en von ererbtem Reichtum. sondern man sieht im Reichtum die Tüchti«kcit auch daun, wenn sie noch nicht auf großem Vermögen fußt. Man weiß: I»er «roßt* Könner wird heute oder morgen auch zu den Angelangten zählen. I »iese geistige Linstellun« und Wertung des Könnens. das den l.rfol« verbürgt, hat die Krauen auch dazu geführt, viel früher, als dies bei uns geschah, am öffentlichen Leben tätigen Anteil zu nehmen. Die amerikanische I rau hat eine ungemein geachtete Stellung. Sie wird geradezu als ein Idol gehalten. Sie halte es gar nicht notwendig, zu arbeiten. Mer Mann ist dazu da. ihr eine Position zu erringen, für sie die Achtung und Wertschätzung der Welt zu erwerben und nicht zuletzt auch die materiellen Mittel, welche man zur Aufrechterhaltung einer solchen Position braucht — überall in der Welt und in Amerika noch ganz besonders. Aber die amerikanische I rau. die mit der Luft, die sie einatmet, auch die Wertschätzung und Hochachtung erfolgreicher Arbeit in sich aiiiiiimmt. fühlt den Wunsch in sich, eben falls tätig, ebenfalls erfolgreich zu sein, sich die « deutliche Anerkennung nicht nur auf Grund der Arbeit ihres Mannes, sondern auch auf (irund eigenen bewährten Könnens zu erwerben. Mas ist der (irund. warum in einem Lunde, in welchem die I rau eine so hohe und geachtete Stellung einnimmt, in w elchem das Lamilicnlchcn ein so gefestigtes, das Heim von materiellen Sorgen so verschont ist, doch mi viele I rauen zur Arbeit drängen oder zumindest zur geistigen Anteilnahme au kulturellen und sozialen liestrebungen. - I »a aber die amerikanische Krau nicht durch diu Not zur Arbeit hingedrängt wird, da sie für alles, was sie tut. die nötige-Zeit aufbrjngt. so steht ihre Arbeit auf einer sehr hohen Stufe. Die geistige Konkurrenz ist da sehr groß. Miese Mischung aus englischen. deutschen, russischen, holländischen und hundert anderen Llementen hat eine große geistige Regsamkeit gezeitigt und große geistige Zähigkeiten. I nd der I lirgeiz. (iutes und Großes zu leisten, der durch die besprochene Mentalität des Amerikaners ec weckt ist. fuhrt die Frauen dazu, ihre Fälligkeiten .iiis/ubildcn und immer mehr zu vertiefen — Ich habe unter den sozial arbeitenden Frauen in Amerika eine geradezu verblüffende Gründlichkeit, eine Sachkenntnis allgetroffen, die mich geradezu in I rsiauncii setzte. VV ir sind es gewohnt, gerade auf dein (icbicte der sozialen Arbeit Frauen zu begegnen. die wohl ungemein guten Willens sind, die aber ihre soziale Betätigung als eine Art Nebenbeschäftigung auffassen, als gelegentlichen Zeitvertreib. Auch die amerikanische Frau arbeitet in den allermeisten Fallen ..ehrenamtlich" in den verschiedenen (»rgaiflsationen. Mehr als das, sic. die meist über bedeutenden Reichtum verfügt, beteiligt sich an der. Arbeit auch mit großen finanziellen Mitteln, aber ihre Arbeit ist auch von gründlicher Sachkenntnis, von tiefem Wissen erfüllt, von jahrelangem gründlichen Studium getragen. Was sie tun. das tun sie «rundlich. I nd der Loli» dieser ernsten Lebensuid Arbeitsaiiffassung ist ein voller Frfolg ihrer I atigkeit. Ich habe bis nun immer nur von den amerikanischen Frauen gesprochen, ohne im besonderen von der jüdischen Frau selbst zu sprechen. Dies geschah 2 Jüdische Frauen, »erbt für „Die Jüdisch« Frau“!