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Die jüdische Frau · 1926-03-15 · 3 (15.3.1926) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
2 (1926)
Issue
3 (15.3.1926)
Date
1926-03-15
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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. sic Halt, stellten sich das breite Rathaus enilane .»ui und der dicke Obermeister Kamlnke hielt eine schon besetzte Rede. so sehr es ihn auch innerlich wurmte, daß er den Zug hernach in das Haus scinc-v-Kuii' kurrenten, statt in sein eigenes fuhren mußte. Pie Nonnen hatten die Stadt verlassen und nun erst quoll in Nathanacls Herzen die ganze l.iehe und Pankbarkeit für all ihre (litte und Irene auf. Nun er'st fühlte er. was es heißt. fremd und verlassen sein. Wohl, als eivten Kind hatten die Kanisius ihn angenommen und ihm einen netten Wolinraum neben der Hackstube eingerichtet, ihre Herzen aber taten sich ihm nicht auf und der Knabe war nicht beschaffe». sie sich selbst zu erschließen. Pa war es ihm jetzt aber der beste Trost, seiner I reundin Sara Kubensohn so nahe zu wohnen und öfter als bisher zu ihr hiueiuspriugen zu können. (ianz heimlich aber mußte er das tun. denn so viel begriff er doch schon von der Rangordnung der Stadt, daß derPilcgesolm eines Häckermeisters nichts in der fleudsbude des Schneiderjuden zu schaffen hatte. Wie in so mancher deutschen Madt bei Hand* w’efTTern. die eine hohe und geachtete Polle spielen, war es zu jener Zeit im alten Tliorn. zumal im Hakkergewerhe Sitte, daß Zunftbruder nur untereinander heiraten durften: und schon frühzeitig wurde eines dem anderen bestimmt. Was waren die Kanisius mm stolz, daß sie jetzt auch einen Sohn zu vergeben hatten. Wer kam da wohl anders in Heträcht, als die reichsten und angesehensten: ihre Nachbarn Kaminkes. Pie hatten trotz mancher Reibereien, auch das (deiche im Sinn. So waren die Kinder in (icduuken schnell vertreib Nur wissen brauchten sie es für das frste noch nicht. Liehermiitig. wie bisher, konnte die hübsche blonde Klse Kamlnke dem schwarzen Nathanael die Zunge hcrausblokeu. wenn er höflich die Mutze vor ihr zog. oder den Nachbarssohn, dem lustigen Hotjcherkurl. /.»blinken, daß er dem mit frischgebackenen Kuchenblechen Paherkommenden sein altes Spottlied gerade ins Uhr pfeife, während sie selbst mH ihren Händen den Takt dazu klopfte. Warum sich nur Nathanael gar nicht vorstelle'V konnte, daß Sarah Rubcitsolm je so etwas täte! I reilicli. die hatte von kleinanf ernstere Hinge im Kopf haben müssen ohne Mutter bei dem launischen Vater und immer die Sorge ums liebe Prot. Aber er er hat es doch gut gehabt sein I eben lang, warum nur konnte er nicht mit den anderem mitluuV Nun. die anderen hatten alle Vater und Mutter und Hinge (jcscbvv ister. - Mine Schwester wenigstens hatte er in Sarah gefunden. W o er selbst aber nur hergekommen V Nie hatten die Nonnen ihm etwas darüber erzählt, so oft er auch fragte. I:ines Sonntags vormittags, um die Zeit, da man gerade wieder wie einst den Ostermarkt abraumle. waren die Kanisius in die Kirche gegangen, und ihr Pflegesohn mußte allein das (ieschaft hüten. Pa trat der Wachtmeister Hujakowitz in den laden, den Sonntagskuchen für seine I rau eiu/ukuiifeti freundlich, wie stets, legte er dem jungen Menschen die Hand auf die Schulter: ..1a. ja. er hat es weit gebracht, letzt muß man wohl gar bald ..Herr sagen zu ihm seit er 'solv.li ein feiner Meisterssohn geworden. Matte ich mir auch nicht träumen lassen, als ich ihn damals in seiner lammerlichen Schachtel gefunden, fünfzehn Jahre sind es auf den lag." und er wies durch das schmale ScliiebefenstiTr hinaus ..gerade wie heute beim Marktahraimicn. unter aß dem vergessenen Krempel und < ielumpe " -Per Knabe horchte lt>1| glühenden Wangen hoch auf und starrte den Mann au. als Nahe er ihn noch tie gesehen. Sem \tem ging keuchend, und kaum konnte er die I rage licrausw urgeu ..l nd me me. I I tetn Wo sind sie jetzt?*' . i Hujakowitz zuckte die -\chseln. ..Wer k.uni es wissen. llat^Kinder genug das luder liehe Markte olk —Wölbe veTTTiTgern eins los sein. Ni ein kleines zumal wenn I ins so von Ort zu Ort ziehen muß" An diesem läge konnte der lunge keinen Hissen Inmmterbringeii. so prachtvoll der Souutagshraten auch duftete. Sobald das (lescliatt still geworden, •chlupfte er heimlich davon, zu Sarah hinüber Hastig zog er sie aus der medern Wcrkst.iMe. m der ihr \alcr stichelt, \ervv lindert folgte sie ihm. der noch kiiii Woit sagen konnte von dem. was in ihm war Schweigend. Hand m Hand, gingen sie die schmale Holpergasse hinunter durch das enge Stadt tor zum W eiehseluter Pas geschäftige I reihen der ahziehendeii Markthalle dort, das I Indien der polnischen I lissaken Nathanael kannte es wohl seit langem aber ganz, ganz andersLsdMcm ihm heute das alles. I nd wo ein Manu und eine I rau mit kleinen Km itern dav oiifuhrcu. blickte er ihnen forschend m die -\ugen und sali lange selmsnjitig dem bloß nach als fahre ihm etw .,s davon was er all seinI eben gesucht Waren da vielleicht seine I Item' l nd sie fuhren davon und Limiten ihn nicht und fragten nicht nach ihrem Kinde' Pami setzte er sich, wie mild vom 'Midien, mit i'ein Mädchen m einer Mauernische auf einen Mein block Pa erst erzählte er der -Xufhorc hetideit alles, was er heute von dem lieuJutmeti gehört l nd gemeinsam spannen sie I raume wie es wohl wäre, w enn seine! Itern noch lebte u und er »e doch einmal lande. ~ ~ Warum aber hatten sie ihn verlassen und hatte., me. nie nach ihm gefragt ' Sarah, die ebenso gut v\ ie klug war entschied kurz und klar ’..Sie werden wohl gewußt haben dm armen I eilte." Per gute, alte Pfarrer von Sankt Marien war gestorben. und sein Nachfolger Nickte trotz seiner lugend finste r und streng ehe m.. wie man es hier me zuvor gewohnt gewesen Streng hielt er besonders darauf, daß die lugend alle Plliditen erfüllte die die Kirche-vou ihnen verlangt und ging unethiitlidi gegen jeden vor. der sidi nicht beugen wollte \l>er o war keine liebem ihm. wie sie der alte Pfarrer so reich m den Herzen der tienumde ges.it und auch geerntet hatte Sehr 'bald war ihm der junge Mensch aus dem Hackerladen mißliebig auf ge falle u. und mit Ve r w underung horte er von dein gebückten, alten Kirchendiener seine abenteuerliche > ie >c Im hie I ie w e iclumitigen Nonnen halten dem Menge! .‘.lieh den Ibnkel v>»llhauen sollen.so lange > s ihk.Ii /eit War 'vlieint ja ein Mettes, schwatze Melden Hill, das sie ela in das ehrliche g Itrole uli.uis eie s Meisters kanisius verpIlanzL -iUa geisttn+n- Mrrr schüttelte empört eleu Kopf mul nahm \i Ii >>>r. diesen Hutschen tu sonders c< hart . i. 1 - K >n, zu nehmen. Me |sle r K aiiismc eie r ge ge n de n htu l,.,riel>.' sowie gegen seine Milbll'get s.lili.ht imej recht s> ,,>» Pille llt tat ohne sich v n I ( ie il.inken zu m.u In ■ halte es bisher lucht ungern ge »e hen wenn ehr Im gewahrend de' Kitcb/vrt dabe’ifti Mul» das luv halt zu hüten Mil der 'Sonntagsruhe "ahm mau es dazu-

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