Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 11 (7.10.1925)
- Date
- 1925-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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I L ,, W ■PVf* liehen Pyramiden, die noch heute als Symbol der traurigen und finsteren Sklaverei von unseren Vorfahren dastchcn.l >a schrieen und riefen unsere Ahnen /um liotte ihrer Väter und er hatte sich ihrer erharmt.---- Bei einem lullen aus dem Stamme Levy wurde* ein Knabe geboren, und die Sage erzählt, als die Mutter dies Ruäblcin geboren hatte, erhellte sich ihr Haus durch einen Sonnenglan/. Die Litern-ahnte», dab ihr Kind dereinst ein (iroher in Israel sein wird; doch sollte dies so vielversprechende Kind das Los der anderen Kinder seines Volkes teilen: in den Muten des Nils sollte es den Tod finden. Vergebens versuchte seine Mutter, es eine Zeitlang zu verbergen, die Häscher waren auf der Spur. In ihrer Verzweiflung legte sie es in einen kleinen Kasten und im Vertrauen auf die (jiiade (iottes, setzte sie es in das Schill des Wassers. Da kommt die Prinzessin, hört ein Kinderweinen, labt das Kästchen holen, w ird von der Schönheit des Kindes angezogen und nimmt es in den königlichen Paiast. dar bald gewinnt sie dies prächtige Kind lieb. Auch das Herz des Tyrannen wird beim Anblick des herrlichen Knaben milder gestimmt. So wild dieser jüdische Knabe im Königsschloli erzogen, fern von seinein, Mternhause. Keine hebräische Kultur ist cs. die er hier kenne» lernt, v ielmehr ist es eine ägyptische, eine heidnische Weisheit, in welcher er unterwiesen wird. Kr weiß nun nicht, welchem Stamme er angehört und wird wie ein Prinz erzogen. Vielleicht sollte er dereinst die ägyptische Krone auf's Haupt setzen. Und tatsächlich wird erzählt; einst habe er. als er bei einer königlichen Beratung auf dem Scholie Pharaos sali, die Krone dem Könige vom Haupte gezogen und sich selber aufgesetzt. Die Weisen und Sterndeuter des Königs sahen hjerin ein schlechtes Zeichen und rieten dem Könige, den Knaben schnellstens umzubringen. Doch das harte Herz des Tyrannen empfand eine aulicrordeiftliche Zuneigung zu dem schönen Kinde. Ks wurde beschlossen. das Kind zu prüfen, ob es aus Bosheit oder nur aus Kindlichkeit, die Krone vom Haupte des Königs genommen hatte. Man stellte zwei Töpfe hin. in dem einen befand sich glänzendes (iold. in dem anderen glühende Kohlen, die doch dem Dolde ähnlich sind. Kr wollte zum tiolde greifen, doch ein rettender Kugel stieb seine Hand zu den Kohlen. - Der Knabe wuchs zum Jüngling heran, ohne von seinem Volke und Stamme Kenntnis bekommen zu haben, laust aber ging er mit seinem Krzicher w eit hinaus, bis zum Lande Dosen, und ein schreckliches Bild stellte sich ihm dar. Tausende von Männern und Jünglingen standen hier geknechtet und versklavt und verrichteten schwere und harte Arbeit. Sie kneteten Lehm, richteten Ziegel her und bauten gewaltige Türme. Dicht neben ihnen standen ägyptische Aufseher und trieben die Versklavten unter Peitschenhieben zu straffer Arbeit an. Da durfte niemand müde werden. Ks mußte ungeheuer viel geleistet werden, und das Merkwürdige war. dab diese Skiaven körperliche Schönheit und edle Desichtszüge zur Schau trugen. Bei dem Anblick solchen Klcnds. enflammte das Herz des jungen Mose ob dieses Jammers. Oh. rief.er aus. darf in diesem sonst so wohlhabendem Lande soviel Unglück und Ungerechtigkeit herrschen? Wie rettet man diese unglücklichen Dcschüpic? Den König mub ich sprechen und seine (inade für die Unglücklichen erflehen; er liebt mich ja. und sicherlich kennt er nicht die Lage dieser Armen. Als Pharao nun gerade einmal in besonders guter Stimmung war und Mn^c gar zärtlich die Locken streichelte, glaubte Mose, letzt sei der Augenblick gekommen, und flehentlich bat er um milde Behandlung der Bewohner Doscns. Dm.li kaum halte der König seine Kedc vernommen, als sein Blick sich verfinsterte, und voller Zorn gebot er ihm hei strenger Straie. nicht mehr dorthin zu gehen. Doch da hall kein Verbieten und keine Straie. eine unwiderstehliche Kraft zog ihn immer wieder und wieder in das Land der Unglücklichen, l ud als er gar einmal die schwere Züchtigung eines Teuer Unglücklichen durch einen schwarzen Aegvpter mitansehen mußte, konnte er sich nicht mehr halten, es nackte ihn der Zorn, und er schlug den verächtlichen Bezwinger nieder. Nun erkennt Pharao in Mose den Kmpörer. er ahnt, dab dieser ein Befreier der Hebräer werden könnte; er mub also mit dem Tode buben. Da flieht Mose und hegieht sich in das Land Midiam. Dort, weidet, der bisher wie ein Prinz gelebt, die Schafe seines Schwiegervaters und zieht sich ganz, oin den Menschen zurück nach der Wüste lloreb. Doch je mehr er sich von den Menschen entternt und den Schmerz über seine Machtlosigkeit, den l ngiücklichen von Dosen helfen zu können, in der I inode zu vergesse» sucht, destomehr glimmt und lodert es in seinem Innern. Der (iedanke der Befreiung entfacht sich zur heiligen Klamme, und da schaut er plötzlich ein hei- •iges Keuer in einem Dornbusch. Ls ist ein göttliches Teuer, das d;l brennt und nicht ansgehen will. Knie 'stimme ruft ihm von diesem Dornbusch zu: ..Mose. Mose geh hin und erlöse dies Volk, es ist dein Volk, das du retten mubt von l.lend und Jammer. ' I ml als er noch vor der Drobe seiner gewaltige» Aufgabe zagt und in Zweifel ist, ob er sie wohl losen können wird, vernimmt er wiederum den göttlichen Pul. der zum strengen Befehl wird, und der da lautet: ..liehe hin und sprich zu Pharao: Ich. der Dott deiner V ater Abraham. Isaak und Jakob, schicke dich. Ich werde dir beistehen: denn das Deschrei meiner.Kinder ist vor mich gekommen, und Ich gedenke der laten ihrer Vater. Ls ist nun Zeit, sie zu erretten, und dich habe Ich hierzu,erkoren, gehe Inn. so befehle Ich.” Und sieh./dieser Zögernde entfaltet sich schnell durch göttliche Vorsehung zu einer gewaltigen Drohe, lei stet Ungeheures, und wird der grollte Kulirer und Lehrer der Menschheit aller Zeiten. Kr zwingt, gestutzt durch göttliche Wunder, den tvMimischen König, die Hebräer trei/ugebeii. Kr fuhrt das befreite Volk durch Meer und Wüste hindurch; das Meer spaltet sich, und die Wüste bringt das Manna hervor. Steine werde» zu VV asserguellc». und die Nahrung versagt nie. Doch däs Drohte und Lrhabeiiste ist jene göttliche Sendung, die heilige Thora, empfangen am Berge Sinai, die das ewige Buch für uns und für alle Menschen geworden ist. Aber das Volk, das er fuhrt, ist nicht reif für diese göttliche Kehre, es ist nicht reif für die K'reiheit. War es doch untci Kesseln und Joch autgevv acliseu. Immer von neuem murrt es gegen den groben Kulirer; )u nach Agvpteu will es sogar öfter zurück. Da war es ein göttlicher Beschluß. dab-dies Deschlecht in der Wüste sterben »lullte; erst das neue heruiiwachsende Volk, das geistig durch die göttliche Lehre erstarkt und körperlich durch die Strapazen der vierzigjährigen Wanderung in der Wüste gestählt, wird dazu ausersehen, in das gelobte Land einzuziehen, damit es dereinst ein Mustervolk, das auserwählte Volk werde An der Drenze erhebt er segnend seim Hände über sein Volk und' beschließt sein großes Leben 5