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Die jüdische Frau · 1925-09-22 · 10 (22.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
10 (22.9.1925)
Date
1925-09-22
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Iiirii li.iufi«; „I»u hist wie ein Cltristenbub'!" Darnhei grübelte er mm in seiner Art. I teil» er war mein dumm, obwohl ilm alle dafür hielten, weil er im- T.vit7iv: Wd sclivveigs.Im war und trotz aller Schläge das llehraiseli-l eseii nur liotdiiriti^ erlernt hatte. .1.111 Llnisteiihtlir* 1, ilm lite I r ii'ili.ni»«. l/ielir flu li d.is sind ja meine I enidc!' t nJ in der Tat wütete zwischen ihm und den C.I11 istcujimceii des Otts ein ew nter Kriev;: criimiticcr haben Indianer und W'e.ille i in.iiider nie heselilieheii. Weh' dein Junten. den er ..llein traf, well' Mosche. wenn ihn Mehrere trafen. Dieser l all ereignete sieh sehr oft. denn wenn er aneh fast tachcli an der Spitze eines lärmenden Haufens auszoc. so lilieh er doeli allem, wenn es zum I reifen kam. I liese vorsichtige (iewohnheit seiner Kameraden verhalt ihm zu unzähligen Hülfen, .-her aneh zu der l eherzeuemm,': ..Ich hin doeli anders. ieli laufe nicht, ich bin wie ein Christenbtib'!" I nd als er alter wurde, da grübelte er aneh sehon ernster: ..Wie ein christenhuh' hin ieli und doeli ein lüde, was soll aus mir werden?" Kr ward noch schweigsamer, als bisher, und im Winter vor .iciiem I tuhuiiestae'e. an dem er sein dreizehntes Jahr '.•nilenden sollte, hockte er tacelaiüj~hirnleneT^mf der (Ifenhank seiner \ ateriiehen Hütte, indes drauHen der Kampfruf seiner I einde erscholl und die Scltneehallen herausfordernd an die kleinen l enster klirrten. I.iidheh. an einem Lrcituc Nachmittag, kam ihm die I rlenditung. Tr spranc auf. „Ich hal-'s. ich liab's!" „Was ist Ihr?" irac'le die Mutter und schalt. „Ieli weilt, was ich werden will!" rief er und stutzte hinaus, den Heinden ciitc'cucn. Oer Hann war von ihm eewicheii. er scliluc drein, wie noch me. mul bekam Sciilace. wie noch nie. bis endlich der eiiitrelende Sabbath ihn zw am;, nuie zu halten. I leim da darf man keinen Sclmcehall werfen und kernen Stock sclivyniKcn. Stolz kehrte er heim, lächelnd bei! er seine roten und blauen I lecke hew lindern mul sehe schlummerte er ein. von ' den sehoiisteu /ukumtstramiieii cewiec't. Welchen Inhalts diese Traume waren tOs vnlltr bald zum I nlsvtzeii Abrahams und der .ludeiischaft von H.irnow offenbar werden, eben an jenem Apriltace. da Mosche sein dreizehntes Lebensjahr vollendete. Mit diesem |acc tritt der maische Knabe nach uralter, noch luute heilte; gehaltener X o, schritt, in eien Kreis der Männer, inae er auch noch ein e;riines. unreifes, drei Schuhhohes Hui'chlein sein. Im Westen, wo Bildung und (icsitimu; wohnen, wo velhst ein uraltes (iesetz nur nach seiner Vcniiuiitic'- keit geschätzt wird. hemmet mau sich damit, diese plötzliche Wandhine des Kindes zum ,Manne durch einen iclieiosen Akt anzudeuten.!'er Knabe lect die (lebetriemeii an. er tntt als (ileichberechtivMer in die -K’eihen der Ikter. Anders im t tsteii. wo die luden nicht bloll eine < ilauhciiseeuossciisehatt sind, sondern auch noch eine Nation. Mit beispielloser Aeuestlichkeit huldigen sie. ein schwächliches Handeisvolk im kalten Norden, noch immer der uralten Ordnunc. die einst den Hedurfnisscn kräftiger Hirten. Winzer und Ackerbauer iin heilien lord.intale anccpalit worden. I nd so eilt denn he'ute noch in Podoheii der dreiehiijahrue liidcukiiahc. in fast allen Bczichnnccn als ietter Mann. I r wählt, besonders wenn er .unter Leute Kind ist. nun selbst seine Weco. er darf tun und lassen, was ilmi behebt, sofern er sich nur -l.ibei sein Brot verdient. Wollte er ein Weib nehmen, die Satzung wurde ihm nicht i nteeeensteheii. aber in der Heitel tut er's doch erst zwei, drei Jahre spater. Kurz, die Anlegung der (iebetrietneii ist für ihn ein l'rcilirici-der SdbvtamlbfkeH. für setmr filtern aber der Freibriei. sich nicht Immer für ihn zu mühen: das lieillt. sofern sie dies nicht können oder wollen._ Hei Abraham \ eilchetiduit traf beides zusammen. Sein .1 iiuvrster war ihm nicht-sonderlich ans— Herz 'gewachsen pud auUerdem erlebte der Mann Gerade damals sehr schlimme iat;c. Aus Buczacz war ein neuer Schneider gekommen. Seiicr Diamant, ein Juwel seiner Zunft, der nicht blol! Kaftane von unnachahmlicher Anmut und Würde schuf, sondern selbst die kleinste Flickarbeit nicht verschmähte: der raubte mm auch die letzten Kunden. Zudem war's eine verwünscht eesemietc Zeit, die Leute blieben alle eesuiid. So ward Abraham immer mehr und mehr auf sein fünftes Bewerbe beschränkt. War’s da zu wundern, dal! ihm ein Alp von der Brust fiel, als er an fettem Morgen in der Betsclntl* die (iebettieineit zum ersten Male um Arm und Stirn seines Jüngsten erblickte? Nach dem Hobele drängten sich die andern Männer tun den Sdmlkiopfor und seinen Sohn und hcclückw-ümebtem sie; w ie dies Sitte ist bei solchem AiilaB. Aber was mm terner Sitte ist. dal! der neue ...Mann" sich deichsani einkauft in die (icmciiischaft der (liannieeit. indem er sie in der Vorhalle der Betscliul" mit Schnaps. Kusinen und Mandeln bewirtet, das wäre diesmal unterblieben, hätte sich nicht der reiche Naclium Hellstem des Brudersohns seiner (iattin angenommen. L ud so tranken denn alle und waren gerührt. Weil aber Abraham am tiefsten gerührt war. so trank auch dieser arme, alte Manu am meisten. Lrst in später Vormittagsstunde ging er am Atme seines Jüngsten heim.-<wankernd und schluchzend vor uiicew (ihnter Kühlung. 'Dann sail er nieder aut der Ofenbank in seiner Stube, hieb den Sohn sich daneben setzen und sprach so zusammenhängend und feierlich, als ihm sein erregtes (iemiit gestattete: -„Mosche. Du mein Jüngster. Bit ineTii Benjamin. was soll aus Dir werden? . . . Heute inullt Du Dich entscheiden! Du abscheulicher Lump, nichts hast Du veiernt. als Dich prügeln mit den Christenjiumeii. tuld I lolzsägen. Naclium. mein Schw ager. ist ein braver Mensch, Schnaps hat er gezahlt. Kosinen hat er gezahlt, gesegnet hat er Dich, auch ich w ünsche Dir alles ttute . . am (ialgeu wirst Du endigen, wenn Du es so forttreibst . . o (iott. am < ialgeu. mein Jüngster! Also inullt Du etwas wählen, wodurch Du! »ein lirod verdienen kannst, und dann suche ich Dir i:t zwei Jahren ein Weib. Aber es wirvi ein sauer Stuck Arbeit sein, denn wer wird Dir s^ine Tochter geben wollen?! : . Abcy^es wird schon gehen, mach' Dir'nur heute keine Si'irgen darüber, heule ist Dein I reiideuta^;. armes Kind! Wir werden schon einellaliliciie finden, eine, die sonst keiner mag o wenn mir nur < iott das Leben schenkt, ich will nur diese ITeiide noch erleben! . . Meine anderen Kinder sind versorgt, ich habe meine Pflicht getan, (iott wird es mir loluflu! Dein ältester Bruder Mauasse ist Sclmeidercesell. es wird ihm tut gehen, er ist sehr geschickt, besonders im Zuschneiden, natürlich, ef-i»**-;a mein Sohn! Lud Mendele, mein zweiter, ist ein goldener .Mensch, er ist so fromm und so gelehrt, dal! ihm der Schwiegervater umsonst das l.ssen lind I linken gibt, damit er nur über den Büchern sitzen kann. Audi zwei neue Anzüge gi'n er ihm jährlich, nur das letzte Mal war ein gewendeter Kmtan dabei.

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