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Die jüdische Frau · 1925-09-22 · 10 (22.9.1925) · p. [Seite]

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Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
10 (22.9.1925)
Date
1925-09-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ein jinoiscMiE ne ah __Vortrag gell ilonr , .», l/o-i ( i i i i I / i' r ~ Meine lieben Schwestern! Mir ist fast /u Mute, w ie einem trendig erregten Kinde, das am (ieburtstavr der zärtlich beliebten Mutter seine Dankesgeiühle'in Worte kleiden soll, weil ich die „jüdische bran" rum Inhalt meines Vortrags nehmen darf, die jüdische brau, die mir durch die Bibe'. durch mein eingehendes Interesse für ihre Lntvv ickhmg im Laufe der .lahrtausende zum vertrauten teuren Besitztum geworden ist. so. daß ich eine 1 »ankesschuld abtravte, wenn ich versuche im Kreise geistig regsamer Schwestern der echten jüdischen brau zu ihrem Rechte, d. h. zu ihrer Würdigung zu verhelfen. Ls ist mir eine große Genugtuung und erleichtert meine Aufgabe. daß ich mich auf ein reichliches Sclirittenmaterial stützen kann, und Ihnen nicht nur gefühlsmäßig mein Thema nahe zu bringen brauche, denn das würde bei einiger meiner verehrten Zuhörerinnen ein skeptisches Lächeln, bei andern die berechtigte Frage „Warum und w ieso“ auslöseii! Wir brauen der Neuzeit, die w ir im Kampfe um unser Recht so schöne brfolge aufweisen'können, denken mit Schaudern an die geknechteten brauen des Altertums, wissen, daß die brau von den alten Völkern als „Lasttier" behandelt, und mit Hunger und Schlägen bestraft wurde. Das Weib war bigentum des Mannes, er konnte es verborgen und verschenken und auch als Mutter genoß es keine Würdigung, sagt doch der Geschichtsschreiber J ung in seinem Kapitel über die Hottentotten: „Der Vater freut sich des Knaben. dOr seine Mutter mißhandelt, indem er dadurch zuerst seine höhere, männliche Natur an den Tag legt“. Hei den Hindus schreibt das tausendjährige (leset/. den brauen vor. ihren Mann wie einen Gott zu verehren; wehe der indischen Witwe, die sich nicht sogleich nach dessen Tode verbrennen läßt; wehe uer chinesischen Mutter, die ein Mädchen zur Welt biingt — der Verachtung des Mannes?u entgehen, übergibt sie es dem eigens dazu eingerichteten bindelhause. Und wenn chinesische und persische Dichter das Loblied des Weibes singen und ihm überschwenglich huldigen, so sind es eben, wie die Geschichte von S a n k u t a 1 a . Sagen, die dazu dienen sollen, die gemeine Wirklichkeit zu übertüncheii. Die Griechen, die das Weib zwar äußerlich weniger roh behandelten, sahen in der Die nur den Zweck, dem Staate Kinder zu schenken, die spartanische Sitte, besser Unsitte, wollte es ja. daß die schwächlichen Kinder, ohne Rücksicht auf die verzweifelten Lmpfindunge» der Mutter, vernichtet wurden. Der klassische Grieche kümmerte sich weder um seine brau, noch um seih Heim. Lr fand »eine Freuden außerhalb, verschwendete an seine „Freundinnen“, die Hetären. W ürdigung und Gunst, und zerstreute sich aufs angenehmste durch gesellige Unterhaltungen und geistvolle Disputationen. Aristoteles prägte für des Griechen Auffassung von der Die die Worte; „Vom Manne wird der Mut zum -‘Befehlen. von der brau der Mut zur Dienstleistung verlangt“. War die brau bei den Griechen GefangenV. so ein unmündiges Kind bei den Römern. Nie ist von einem Rechte der brau und Mutter die Rede, sie darf die Kinder nicht selbständig erziehen, und imponierende brauen, w io Cornelia, die Mutter der Gracheu,!rüden ganz seltene l rsclteinuiigcti. Kein Wunder, wenn sich die l niiutur. I heu nur aus Zweckmäßigkeit, nie aus Liebe zu schließen, rächte ~nid ttt schrankenlosem Lichcsgciiuß außerhalb dei Die führte die Zügellosigkeit im alten Rom zeugte da\on. Das Christentum sah in der I rau und in der Die nur ein notwendiges l ehe! iur die Hediii imssi der rohen Natur. In den Briefen des Vposte! I'unlus lesen wir die Warnung, nicht zu heiraten. „Damit der Satan Luch nicht versuche" und mit überlegenem Lächeln gedenken wir im Gegensatz, der altjudischeii. wundervollen I rauuugsformel: „Du sollst mir ange heiligt sein". Doch ist die Geringschätzung der Die kein Wunder bei einer Religion, -welche das l eben als „ein irdisches Jammertal“ ansielit. und erst im Jenseits den Himmel der Seeligkeiteu erblickt. Damm weisen Christus und die Apostel immer wieder auf die Loblichkeit des Colibats hin. dem sich schließlich die Geistlichkeit unterwerfen muß. die iur den \ erzieht auf bhegliick. den Balsam in der \ erlieißung findet; „Wer Weib und Kindern entsagt, wird das ewige Leben gewinnen." Und wenn Jesu, m der Lvtäse seiner göttlichen Heruiuiig seuie Mutter zu riickweist mit den Worte»; „Weib, was liab ich mit Dir zu schaffen .-'" so bekennt er sich durch diese Ableitung zur gegenteiligen Auffassung von der Stellung der brau im .ludentunic. Wir schlagen die Hibel aut und ein Woit-vou bleibendem Werte ein Wort, geschallen, uns brauen mit Stolz, zu erlullen. lesen wir m der SJioptungsgeschielitc! Gott sagte zu. Adam; ,.l s >>, nicht gut. daß der Mensch allem sei. darum will 1J1 ihm. eine Gehilfin schaffen!" Merkt wohl aut. keine >klav in. keine Unmündige, kein Spielzeug. nein, eine gleichwertige Gehilfin. Und der „biblische Mann" hebräisch „iscli" sah in seiner „isclio". seiner Männin, uie Rriesterin seines Hauses. Was von Uebelwollenden und Unwissenden dein Judentum zum Vorwurf gemacht wird die Ausschließung der brau von den religiösen I unktioneii im Gotteshause, das ist als weise Bevorzugung anzusehen. wie uns der 1 almud belehrt. Me soll ihren hohen 1 rauenpflichte» nicht entzogen werden, ihr Ilaus soll ihr Tempel sein, die l.rzielumg der Kinder ihr Gottesdienst. Wenn die Hibel (iott sprechen laßt: „Ich vv,l> mein Volk trösten wie eine Mutter ihren Nilm tröstet, so ist die Voraussetzung für dies herrliche Wort die Grolle der Verehrung, die dei jüdischen I rau und Mutter gezollt wurde; die indische Religion ist eine I amilienreligiou zu nennen, im Gegensätze zu der christlichen, die außer dem W cihnuchtsieste all» l eiern in die Kirche verlegt. Aber was wäre’ein Sederabetid ohne die von der sinnigen llntistraii so stimmungsvoll ausgerüstete' ‘»stertafel; sie i»t o .mell, die am lieblichen VV ochenfeste die Wohnung mit Kalmus s\mbolisch als I ruhlingsgruii' In streut, die Laubhütte für Nikk.ius sehmiickt mit Mann und Kindern vor dem strahlende n e.It.timhk.ih- Fcuchtcr das „Mo-au-ssur" weihevoll erklingen laßt Das I amihenlcbcu rein und tadellos zu erhalten, blieb ein Hauptgesetz Gleiche Fürsorge wurde dem Neugeborenen, ob Knabe, ob Mädchen, gezollt, tben- 3

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